Studie Bis vor wenigen Jahren waren Frauen am Bau noch eine Ausnahmeerscheinung. Doch obwohl weibliche Arbeitskräfte auf der Baustelle inzwischen häufiger anzutreffen sind, bleiben verschiedene Hürden nach wie vor bestehen. Wie die aktuelle Situation aussieht, wie Unternehmen von mehr Frauen im Baugewerbe profitieren und welche Maßnahmen sie dazu ergreifen können, zeigt eine Studie von PlanRadar.
Seit Jahren ist der Frauenanteil in der Baubranche Thema. In akademischen Ausbildungen wie dem Bauingenieurweisen oder der Architektur sind mehr weibliche Fachkräfte anzutreffen als im Bauhandwerk. Der Anteil kann nahezu auf 25 Prozent beziffert werden. Dieser Trend soll auch zukünftig positiv verlaufen. Während rund 33 Prozent Frauen im Bauingenieurwesen und über die Hälfte in der Architektur zu finden sind, beträgt ihr Anteil im Handwerk weniger als drei Prozent.
Laut den Machern der Studie PlanRadar kann die Bundesagentur für Arbeit dennoch einen positiven Trend und einen Zuwachs an weiblichen Auszubildenden und Fachkräften im Handwerk verzeichnen. Dafür sind auch zahlreiche Kampagnen des Bundes verantwortlich. Positiv ist in diesem Zusammenhang weiterhin, dass sich in den letzten Jahren immer mehr junge Frauen für eine handwerkliche Arbeit interessiert und eine entsprechende Ausbildung begonnen haben. Unabhängig davon hält die Bundesagentur für Arbeit jedoch fest, dass Frauen auf absehbare Zeit weiterhin öfter an der Bauplanung als an der Bauausführung beteiligt sein werden.
Unternehmen suchen noch aktiver nach weiblichen Fachkräften
Die Vorteile von Frauen im Baugewerbe haben nicht nur junge und moderne Unternehmen, sondern auch etablierte und klassische Firmen erkannt:
- Demografischer Wandel und Fachkräftemangel gehen am Baugewerbe nicht spurlos vorbei.
- Weibliche Führungskräfte oder Mitarbeiterinnen bereichern Teams mit neuen Ideen und anderen Perspektiven.
- Aktuelle Studien zeigen, dass in gemischten Belegschaften ein besseres Arbeitsklima herrscht. Angestellte arbeiten effektiver, innovativer und motivierter.
- Junge Bewerberinnen besitzen im Vergleich zu männlichen Kollegen oft eine größere Motivation.
- Unternehmen gewinnen in der Außenwahrnehmung.
Warum das Baugewerbe für Frauen attraktiv ist
Frauen, die sich für eine Ausbildung und Anstellung im Baugewerbe interessieren, können von folgenden Vorteilen profitieren:
- Regelmäßig entsteht ein Wettstreit um männliche und weibliche Fachkräfte. Frauen mit der gesuchten Qualifikation können mit kurzer Jobsuche und sehr guter Entlohnung rechnen.
- Frauen übernehmen vor allem in den noch stark männerdominierten Handwerksberufen oft eine Vorreiterrolle. Treten Frauen in die Baubranche ein, geben sie neue Leitbilder vor.
- Technisches Fachwissen wird einer breiteren Bevölkerungsgruppe zugänglich und ist nicht mehr ausschließlich bei männlichen Praktikern konzentriert.
- Seit Jahren werben Kampagnen dafür, junge Frauen für Jobs in der Baubranche zu interessieren. Durch einfache Bereitstellung technischen Wissens findet der gewünschte Wandel zusehends statt.
Welche Hürden gibt es?
Der Anteil der Frauen unter den Beschäftigten im deutschen Bauhauptgewerbe lag 2010 unter zehn Prozent und stieg bis 2019 auf rund 15 Prozent; 2023 liegt er wieder nur bei rund zehn Prozent. Im Ausbaugewerbe kommt der Anteil nicht über 13 Prozent. Was sind die weiteren Hürden?
- Das Gehaltsniveau von Frauen liegt im Baugewerbe noch immer rund 14 Prozent unter dem Gehaltsniveau für Männer mit gleichem Erfahrungsschatz und Bildungsstand.
- Generell gilt die Arbeit am Bau bei Auszubildenden als schmutzig und körperlich anstrengend. Hinzu kommt der technische Aspekt, der viele junge Frauen nach wie vor abzuschrecken scheint.
- Erschwerend kommt hinzu, dass Stereotypen und Klischees nach wie vor weit verbreitet sind. So gilt die Baubranche noch immer als Männerdomäne, in der ein rauer Umgangston herrscht. Berufe wie der des Bauleiters oder des Dachdeckers werden auch heute noch vielerorts als für weibliche Arbeitskräfte unpassend betrachtet.
- Familie und Bauprojekte lassen sich nicht immer einfach miteinander vereinbaren – etwa regelmäßige Reisetätigkeit oder unflexible Arbeitszeiten. Das führt dazu, dass Frauen am Bau nach dem ersten Kind häufig ausscheiden oder sich eine Tätigkeit in einem familienfreundlicheren Bereich suchen. Oft werden von Unternehmen unzureichende Maßnahmen für ein familienfreundliches Umfeld ergriffen.

Mehr Frauen ins Baugewerbe – Mögliche Maßnahmen
Das Ziel muss sein, junge Frauen für das Baugewerbe zu begeistern und soziale Hemmschwellen zu beseitigen:
- Generell sollte das Interesse bereits während der schulischen Ausbildung geweckt werden. Ein Beispiel sind kinder- oder jugendgerechte Besichtigungen von Baustellen, Bauunternehmen, oder Handwerksbetrieben.
- Gezielte Aktionstage und Informationsveranstaltungen wie der Girls’ Day können Mädchen Einblicke in technische Berufsfelder eröffnen.
- Zielgerichtete Kommunikation auch unter Einsatz neuer Medien ist nötig, um interessierte Frauen anzusprechen.
- Schulabsolventinnen können bei Schnupperwochen oder Praxistagen am Bau einen Eindruck davon bekommen, wie die Arbeit auf der Baustelle tatsächlich ist. Dabei kann die Erkenntnis vermittelt werden, dass die Arbeit am Bau nicht immer schmutzig oder anstrengend ist, sondern auch andere Möglichkeiten bietet.
- Unternehmen müssen die Erfordernisse von Bauvorhaben mit den Ansprüchen der Belegschaft vereinbaren. Dazu gehört die Schaffung von Alltagserleichterungen im Baugewerbe für Familien und Alleinerziehende, etwa Initiativen zur Gleichstellung, Betriebskindergärten.
- Durch die Vorbildwirkung von im Baugewerbe etablierten Frauen werden weibliche Nachwuchskräfte angesprochen und motiviert. Das setzt vonseiten der Unternehmen eine entsprechende Medienarbeit voraus.
- Onboarding-Maßnahmen können Frauen den Einstieg in Bauunternehmen erleichtern.
- In der Weiterbildung bietet sich die Ergänzung von Studien mit betrieblichen Praxisphasen an.
Laut der Studie von PlanRadar werden auch in Zukunft mehr Frauen in der Planung und weniger in der Ausführung im Baugewerbe und Ausbaugewerbe zu finden sein. Doch die Akteure der Baubranche haben längst verstanden, dass es ohne Frauen auf dem Bau keine Zukunft geben wird. Die Steigerung der Attraktivität der Arbeit im Baugewerbe wird ebenso weiter fortschreiten wie die Bestrebungen zur Gleichstellung hinsichtlich des Gehalts.