Pirmin Jung Güterbahnhof Remagen nach Umbau
Pirmin Jung Güterbahnhof Remagen nach Umbau. Foto: Dominik Ketz

Technik

28. April 2021 | Teilen auf:

Umbau und Sanierung: Bahnhof wird zum Büro

Der ursprünglich als Werks- und Verkaufshalle genutzte Güterbahnhof in Remagen wurde in umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten in ein modernes Büro umgestaltet. Es entstand der neue Standort des Schweizer Unternehmens Pirmin Jung Deutschland GmbH mit 25 Mitarbeitern in Remagen.

"Wir entwickeln und fördern das Bauen mit Holz seit über 20 Jahren aus Überzeugung. Als realistische Vordenker einer neuen Holzbau Generation planen und handeln wir langfristig, nachhaltig und rentabel. Wir freuen uns, endlich den nach unseren Vorstellungen sanierten und umgebauten Güterbahnhof in Remagen mit Leben zu füllen“, so Pirmin Jung.

Im Sommer 2018 startete das Architekturteam mit der Planung der Innen- und Außengestaltung der Halle und des Kopfbaus. Im Juli 2019 begannen dann die Rück- und Umbauarbeiten des ursprünglich als Werks- und Verkaufshalle genutzten Güterbahnhofes. Auch der Umbau des Kopfbaus, der nun als Wohnraum für Gäste und Mitarbeitende von anderen Standorten genutzt wird, startete parallel. „Viele Entscheidungen mussten getroffen werden und haben uns vor so manche Herausforderungen gestellt, die wir aber alle bewältigen konnten“, betonen Pirmin Jung und das Geschäftsführungsteam. Geplant war, dass die vorgesehene Sanierung architektonisch den Bestand mit dem gebotenen Respekt weiter zu entwickeln und das Gebäude energetisch auf einen nahezu autarken Stand zu bringen.

Ziel des Entwurfes war ein Umbau, der den neuen Anforderungen voll gerecht wird, eine möglichst gute und inspirierende Arbeitsatmosphäre bietet und zeitgenössische energetische Anforderungen erfüllt. Dabei sollte die Geschichte des Gebäudes präsent bleiben, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu spielen. Das Ergebnis ist keine Güterbahnhofshalle mehr – aber sie ist immer noch präsent.

Pirmin Jung nach Umbau

Außen: Anforderungen im Konflikt

Das Planungsteam war mit verschiedenen Anforderungen konfrontiert, die teilweise miteinander in Konflikt standen. So sollte unbedingt der Charakter der großen Halle erhalten, zugleich aber ein angenehmes (Büro-) Arbeitsumfeld geschaffen werden. Der Backstein als vorherrschendes Material sollte sichtbar bleiben, aber das Thema Holz im Entwurf deutlich thematisiert werden. Schließlich musste das Gebäude energetisch er tüchtigt werden, ohne seinen Charakter durch neue Wandschichten zu verlieren.

Pirmin Jung Güterbahnhof Remagen nach Umbau. Foto: Dominik Ketz

Um die Dämmung unterzubringen, musste entweder innen oder außen auf den eigentlich reizvollen Anblick der rohen Backsteinwände verzichtet werden. Nicht nur aus bauphysikalischen Gründen fiel die Entscheidung auf eine Aussendämmung.

Das Gebäude wurde komplett mit einer energetisch hocheffizienten Holzfassade umkleidet, die in einer vertikalen Balkenstruktur eine Welle nachempfunden wurde. Die Balken sind dreidimensional profiliert und verleihen so der Fassade gerade in der Perspektive eine subtile Dynamik. Die Fassade spielt mit den verschiedenen Bedeutungen des Themas Holz. Einerseits wirkt sie, auch durch die dreidimensionale Wirkung, sehr zeitgenössisch. Andererseits bezieht sie sich klar auf historische, pragmatische Holzkonstruktionen von Zweckbauten aus der Erbauungszeit des Güterbahnhofs. Die hölzerne Hülle versteckt nicht ihre technische Funktion und ihre Neuheit, ordnet sich aber dennoch der bestehenden Kubatur und der historischen Bedeutung des Bestandes unter.

Die neue Holzfassade verändert die Ansichten der früher backsteinsichtigen Halle zwar enorm, zugleich nimmt sie aber in abstrahierter Form Bezug auf die Holzverkleidungen unzähliger Güterhallen und Zweckbauten der Bahn aus der Entstehungszeit des Güterbahnhofes. Die bewusst rauhe Ästhetik der neuen Fassade nimmt Bezug auf den Bestand.

Pirmin Jung Güterbahnhof Remagen Fassade

Innen: Mix aus Holz und Backstein

Das massive Backsteinmauerwerk blieb dafür im Inneren der Halle sichtbar. Das Thema Holz wird hier in verfeinerter Form bespielt, indem hölzerne Raumzellen den weiträumigen Innenraum gliedern und die Funktionalität eines zeitgenössischen Bürobetriebs gewährleisten.

Pirmin Jung Güterbahnhof Remagen nach Umbau. Foto: Dominik Ketz

Die Ziegelwände und die historischen Dachbinder bleiben sichtbar. Um einerseits den eindrucksvollen Hallenraum erfahrbar zu lassen, andererseits ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen, nehmen drei Raumboxen aus Holz und Glas die Funktionsräume des Büros auf und bieten Rückzugsmöglichkeiten an .Die Raumboxen nehmen dabei Funktionsräume (Teeküche, Plotterraum, Küche), Besprechungsräume und Ruhearbeitsräume auf. Das Raumkonzept ermöglicht ein ruhiges und konzentriertes Arbeiten, ohne den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen zu verlieren. Geschaffen wurden 25 Arbeitsplätze. Während die Arbeitsplätze entlang der Außenmauern und Fenster liegen, so sind in der Mitte der Halle kleine Rückzugsorte geschaffen worden, aus viel Holz und Glas, in denen die Mitarbeitenden bei Bedarf ungestört arbeiten können. Eine Auralisation im Vorfeld ermöglicht ein durchdachtes Raumkonzept, das ein ruhiges und konzentriertes Arbeiten ermöglicht, ohne den Sichtkontakt zu verlieren.

Pirmin Jung Güterbahnhof Remagen Holzbau

Pirmin Jung Güterbahnhof Remage Boxenmontage

Pirmin Jung Güterbahnhof Remagen nach Umbau. Foto: Dominik Ketz

Konstruktion aus drei Schichten

Die Halle besteht nun aus drei Schichten, wobei die beiden neuen aus Holz gefertigt sind. Die Raumboxen innen sind selbsttragende Konstruktionen auf Ständerwerk aus Douglasie. Die Backsteinwände der alten Halle tragen das historische Dachtragwerk. Die Holzfassade und die neue Dachdämmung schliesslich tragen sich in großen Teilen selbst und bilden die neue Hülle des Gebäudes.

Pirmin Jung Güterbahnhof Remage Boxenmontage. Foto: Pirmin Jung

Im Inneren herrscht eine klare Hierarchie der Materialien. Die alten Backsteinwände muten eher roh an, die Konstruktion der Raumzellen aus Douglasie ist in Zimmermannsqualität erbaut. Im Inneren der Raumzellen schließlich sind feine Möbel und Oberflächen aus astreiner Weißtanne, kombiniert mit einzelnen Polsterungen, angeordnet. So konnte die ursprüngliche rauhe Atmosphäre der massiv gemauerten Halle weitgehend erhalten bleiben. Die kleineren Innenräume der Raumzellen bieten die nötige Intimität und Ruhe, auch in gestalterischer Hinsicht. Aus massivem Bestand und hölzernen Ergänzungen entsteht ein neues stimmiges Gesamtbild.

Die energetischen Maßnahmen setzen auf Nachhaltigkeit und erreichen einen hohen Autarkiegrad.

Pirmin Jung Güterbahnhof Remage Boxenmontage. Foto: Pirmin Jung

Infrastruktur gab Ausschlag für Standort

Bei der Wahl von Pirmin Jung für den Erwerb des Güterbahnhofes in Remagen hatten gleich mehrere Punkte den Ausschlag gegeben: ein infrastrukturell attraktiver Standort in Innenstadt lage mit direkter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und die Nähe zum damaligen Standort in Sinzig und damit un veränderte Arbeitswege für die Mitarbeiter. „Wenn man als Architekturbüro an so ein Projekt rangeht, schaut man sich zuerst die Gegebenheiten an, die hier durch die Bundesstraße auf der einen und den Bahngleisen auf der anderen Seite nicht ganz einfach waren. Ein Gebäude und seine Außenanlage sollen sich in die Umgebung einfügen und trotzdem gut daherkommen. Ein Projekt wie dieses wird vorrangig von innen gelebt. Trotzdem soll es klar und als Einheit auch nach außen wirken.

Pirmin Jung Güterbahnhof Remagen vor Umbau

Pirmin Jung Güterbahnhof Remage Boxenmontage. Foto: Pirmin Jung

25 Mitarbeiter am Standort Remagen

Am Standort Remagen arbeiten insgesamt 25 Mitarbeiter. In den weiteren Standorten Augsburg in Deutschland, sowie den vier Schweizer Standorten Rain vor den Toren von Luzern, Frauen feld im Kanton Thurgau, Sargans im Kanton St. Gallen und Thun im Kanton Bern haben weitere 68 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Der Großteil der Mitarbeiter sind Ingenieure, vielfach auch mit einer Handwerksausbildung wie Pirmin Jung selbst auch. 18 Mitarbeiter zählen zur Organisation und agieren in den Bereichen Kommuni kation, IT und Personal.

„Mit dem Einzug in unseren neuen Firmensitz in Remagen haben wir endlich ein Gebäude mit dem wir uns als Ingenieure und als kreatives Team voll identifizieren können. Ein Objekt, das nicht nur optisch ein Hingucker ist, sondern auch mit unserem energetischen Kon zept und einer gut überlegten Ausstattung überzeugt. Hier ist Neues mit Altem harmonisch kombiniert und lässt eine ganz besondere (Arbeits-)Atmosphäre entstehen. Hier kommt der besondere Pirmin Jung-Spirit richtig zur Geltung“, hebt Tobias Götz, Geschäftsführender Ge sellschafter Pirmin Jung Deutschland GmbH, hervor.

Pirmin Jung Güterbahnhof

Im Oktober 2020 wurde das Projekt, als zukunftsweisendes Beispiel für das innovative Bauen mit Holz mit dem grenzüber greifenden Holzbaupreis Eifel 2020 ausgezeichnet.

Foto: Pirmin Jung und Horst Jung
Foto: Pirmin Jung und Horst Jung