Konjunkturbarometer ❙ 2011 war ein Superjahr für das Zimmererhandwerk. Die Konjunktur verlief konstant gut und dies trotz verschärfter Schuldenkrise und allgemeiner Verunsicherung.
Nach mehreren von Umsatzrückgängen geprägten Jahren wird das Jahr 2011 mit einem seit Langem nicht erlebten hohen Umsatzzuwachs von 10,5 Prozent schließen. Damit steigt der Branchenumsatz seit 2001 erstmals wieder über die 90-Milliarden-Euro-Grenze und dürfte am Ende 2011 bei 90,6 Milliarden Euro liegen. Die Hauptbeiträge dafür lieferten vor allem der Wohnungs- wie auch der Wirtschaftsbau", so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, im Januar 2012.
Wesentlich zu dieser positiven Entwicklung trug der Wohnungsbau bei. Hier kam es zu einem deutlichen Umsatzzuwachs um 15,6 Prozent auf 30,4 Milliarden Euro. Neben Modernisierung und Sanierung gewann insbesondere der Wohnungsneubau an Fahrt; die Zahl der Baufertigstellungen im Neubau liegt mit 164.000 deutlich im Plus. Die umsatzstärkste Bausparte war mit einem Umsatz von 33,1 Milliarden Euro wieder der Wirtschaftsbau. Bis Oktober 2011 stieg der Umsatz um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr und das in allen Gebäudeklassen. Sorgenkind ist einzig der öffentliche Bau: Der Umsatz im öffentlichen Hochbau wird voraussichtlich
6,2 Milliarden Euro erreichen, nach 6,5 Milliarden Euro im Vorjahr ( 5 Prozent).
2011 war also ein erfolgreiches Jahr. Dies untermauern auch die gestiegenen Auftragseingänge des Bauhauptgewerbes. In den ersten elf Monaten 2011 stiegen die Auftragseingänge des Bauhauptgewerbes preisbereinigt um 3,7 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Gute Bewertung für das letzte Quartal
Auch die befragten Unternehmen unseres Konjunkturbarometers bezeichnen ihre aktuelle Lage als gut (Schulnote 1,84). Die Beurteilung erreichte im Winterquartal 2011 sogar den Höchststand. Über das Jahr 2011 hinweg stieg die Beurteilung der Ertragslage kontinuierlich an. Das Jahr startete nur mit einer Drei (3,01), stieg im zweiten Quartal auf eine glatte Zwei (2,1) und steigerte sich im dritten Quartal auf eine Zwei Plus (1,86).
Private Auftraggeber dominieren weiterhin die Auftragseingänge. 71,4 Prozent der Aufträge führten die Holzbauunternehmer in diesem Segment aus. Gewerbliche Auftraggeber (18,2 Prozent ) und öffentliche Auftraggeber (10,4 Prozent) spielen nur eine untergeordnete Rolle. Der Anteil der öffentlichen Aufträge sinkt kontinuierlich. Ihren Höchststand erreichten sie im dritten Quartal 2009 zu Zeiten des ersten Konjunkturprogramms der Bundesregierung mit 22,5 Prozent. Im Regelfall pendeln sie um 15 Prozent mit Tendenz nach unten. Das Niveau der gewerblichen Auftraggeber pendelt um 17 Prozent. Es gibt nach beiden Seiten Ausreißer, zum Beispiel im vierten Quartal 2010 mit 13,8 Prozent oder auch im dritten Quartal 2011 mit 11,2 Prozent. Über die Hälfte der ausgeführten Arbeiten erledigten die Unternehmen im Altbau (53,5 Prozent). Der Neubau lag bei 46,5 Prozent. Die Maschinen und Personalauslastung sank im letzten Quartal 2011 leicht auf 71 Prozent und 91 Prozent. Diese Auslastung übertrifft die des Vorjahres um 4 Prozent und 6 Prozent. Umsatzstärkster Bereich waren wieder die klassischen Zimmererarbeiten. Mit 46,9 Prozent dominieren sie den Anteil am Umsatz stark. Mit 14,3 Prozent folgt der Hausbau als zweitstärkster Bereich. Ihm folgen Dachdeckungen (13,3 Prozent) und Trockenbau (7,7 Prozent). Geringen Umsatz erarbeiten die Unternehmen mit Denkmalpflege (6,6 Prozent), Montage (5,4 Prozent), Ingenieur-Holzbau
(3,1 Prozent) und Treppenbau (2,7 Prozent).
Der Auftragsbestand sinkt vor allem saisonal bedingt von 2,5 auf 2,0 Monate. Ebenso verschieben sich die Erwartungen an den Umsatz. Für das erste Quartal 2012 rechnet nur eine geringe Zahl an Unternehmern mit besseren Umsätzen (4 Prozent). Immerhin knapp die Hälfte (45 Prozent) erwarten gleich gute Umsätze. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) rechnen mit sinkenden Umsätzen. Dies entspricht exakt dem Bild aus dem Vorjahresquartal. Die Investitionsneigung der Unternehmen weist keine Besonderheiten auf. 13 Prozent planen Erweiterungsinvestitionen, 37 Prozent Ersatzinvestitionen und die Hälfte plant keine Investitionen.

Nachlassende Dynamik, aber keine Rezession
Der Konjunkturausblick leidet vor allem unter dem außerordentlich hohen Ausmaß an Verunsicherung wegen der sich zuspitzenden Eurokrise. Der Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes rechnet mit einem, moderaten Umsatzwachstum von 1,6 Prozent. Die KfW erwartet 2012 ein kalenderbereinigtes Realwachstum von 1 Prozent. "Nach den zwei konjunkturell sehr guten Jahren 2010 und 2011 wäre dies zwar ein markanter, aber immer noch ‚normaler’ Abschwung", so Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Dies hieße: nachlassende Dynamik, keine Rezession. Bedingung dafür sind laut Irsch aber, dass die europäische und nationale Politik die Eurokrise rasch und wirkungsvoll entschärft. Die allgemeinen Risiken liegen in der Entwicklung der Gesamt- und der Finanzwirtschaft. "Gelingt die Kriseneindämmung nicht bald, dürfte auch Deutschland im kommenden Jahr eine Rezession nicht erspart bleiben." Die Schuldenkrise trübt also die Erwartungen für 2012.
Die Chancen für den Holzbau stehen 2012 trotzdem gut. Lösungen für Energieeffizienz, Klimaschutz, Stadtverdichtung und Renovierung bleiben Trends. Zunehmend bestimmen Fragen der Energiewende das Baugeschehen. Auch viele öffentliche Gebäude und private Auftraggeber schätzen Holz mittlerweile als den Baustoff der Zukunft.
Ein stabiler Arbeitsmarkt, niedrige Zinsen und die gestiegenen Einkommen der privaten Haushalte um 3,1 Prozent wirken sich positiv auf den Wohnungsbau aus. Auch führen der Investitionsrückstau in den letzten Jahren sowie ein unverminderter Zuzug in die Ballungsräume zu einer Belebung des Wohnungsneubaus. Arbeiten im Bestand sollen auch in diesem Jahr mindestens in derselben Höhe wie 2011 anfallen. In diesem Segment ist ein weiteres Wachstum der Umsätze also möglich. Auch für den Wirtschaftsbau lassen Frühindikatoren darauf schließen, dass ein Umsatzwachstum möglich ist. Trotz gestiegener Einnahmen der Gebietskörperschaften bleibt die hohe Staatsverschuldung das entscheidende Problem des öffentlichen Baus. Deshalb zeichnet sich in diesem Segment eine negative Perspektive ab. Die Mittel aus den Konjunkturprogrammen sind ausgeschöpft und Finanzierungsspielräume der öffentlichen Auftraggeber für Investitionen bleiben eng. Der Umsatz im öffentlichen Bau wird 2012 weiter zurückgehen.
Laura Westerhoff