Ein modernes Bürogebäude mit Glasfassade und Holzverkleidung bei sonnigem Wetter.
Die Fassadenlandschaft des Kreisverwaltungsgebäudes wurde mit vorgefertigten Wandelementen, Fenstern und Pfosten-Riegel-Fassaden in nur acht Monaten montiert. (Quelle: Conné van D’Grachten)

Nachhaltigkeit 2025-12-15T13:41:18.646Z Verwaltungsbau in Holz: Erweiterbar und rückbaubar

Die Kreisverwaltung Mainz-Bingen hat ein vierstöckiges Bürogebäude in Holzbauweise bauen lassen, das Platz für rund 300 Arbeitsplätze, eine Kantine und Tiefgarage auf zirka 5.000 m2 Nutzfläche bietet. Der vom Bundesland Rheinland-Pfalz geförderte, energieeffiziente Neubau ist modular konzipiert und dadurch einfach erweiter- oder rückbaubar.

Die vorgehängte Fassade besteht aus einer Holzrahmenkonstruktion aus Einzelelementen mit einer Verschalung aus beschichteter, vorgegrauter Weißtanne, die naturbelassen altert. Rubner Ingenieurholzbau hat für die Gebäudehülle rund 3.840 m² Fassade mit Wandelementen, ca. 566 Holz-Aluminium-Fenster und 230 m2 Pfosten-Riegel-Fassaden konstruiert, vorgefertigt und in acht Monaten vor Ort montiert. Durch die Vorfertigung der Holzbauteile parallel zum Massivbau der Tiefgarage und derTreppenhäuser konnten die Holztragkonstruktion und die Außenfassade direkt nach Abschluss des Rohbaus montiert werden. Dadurch sparte man wertvolle Bauzeit in dem Projekt ein. Die vorgefertigten Holzrahmenbau-Wandelemente kamen mit Abmessungen von bis zu 15 m x 3,5 m auf die Baustelle. Integriert im Element waren bereits sämtliche Fenster, Sonnenschutzanlagen, Blechleibungen, sowie die vorvergrauten Schalungsbretter. Durch den hohen Wiederholungsfaktor der Fassade konnte die Fertigung beschleunigt werden.

Ein modernes Bürogebäude mit einer Fassade Weißtanne, umgeben von Bäumen.
Die Gebäudehülle besteht aus einer Holzrahmenkonstruktion aus Einzelelementen mit einer Verschalung aus beschichteter, vorgegrauter Weißtanne, die naturbelassen altert. (Quelle: Conné van D’Grachten)

Weitgehender Verzicht auf Stahlkonstruktionen

Der Neubau wurde vom Architekturbüro Canzler in Zusammenarbeit mit dem Gebäudemanagement der Kreisverwaltung als viergeschossige Holzskelett-Konstruktion konzipiert. Das Volumen bildet ein langgestrecktes U, in dem mittig ein zweigeschossiger Pavillon mit Haupteingang eingestellt ist. Die Tragkonstruktionwurde von Fast + Epp GmbH geplant und berechnet und von W. u. J. Derix in Brettschichtholz aus Birke, die Decken in Brettsperrholz aus Fichte ausgeführt. Durch gesteckte Verbindungen konnte weitgehend auf Stahlbauteile verzichtet werden, die ansonsten zur Einhaltung der Brandschutzanforderungen hätten verkleidet werden müssen. Lediglich das Untergeschoss und die Treppenhauskerne wurden in Stahlbetonweise realisiert.

Eine moderne Fensterfront in einem Bürogebäude mit Blick auf ein gegenüberliegendes Gebäude.
Durch gesteckte Verbindungen konnte weitgehend auf Stahlbauteile verzichtet werden, die ansonsten zur Einhaltung der Brandschutzanforderungen hätten verkleidet werden müssen. (Quelle: Conné van D’Grachten)

Holzbauweise ist ideal für klare Achsraster

Die oberirdischen Bürogeschosse wurden nach einem klaren Achsraster geplant. Aufgrund dieser Struktur war die Holzbauweise ideal geeignet. Das im August 2023 fertiggestellte Gebäude wird heute als Verwaltungsgebäude für ca. 300 Personen genutzt. Es beherbergt in den vier oberirdischen Geschossen rund 180 Büros, Besprechungs-, Sanitär-, Technik-, Nebenräume sowie eine Kantine. Das Untergeschoss wird als Tiefgarage, Lager sowie für die technische Gebäudeausrüstung genutzt. Die Erschließung des Gebäudes erfolgt über drei Treppenhäuser und einer innenliegenden Versorgungszone.

Kreislaufeffektivität im Fokus

Die Auseinandersetzung mit der Kreislauffähigkeit verwendeter Rohstoffe und Produkte erforderte Sorgfalt und Reduktion bei der Materialauswahl sowie eine umfassende Dokumentation aller Bauteile und deren Eigenschaften durch einen digitalen Zwilling im BIM. Mithilfe des gesteckten Tragsystems ist es bei diesem Neubau gelungen, die Kreislaufeffektivität in großem Maßstab mitzudenken. Das Gebäude kann in Zukunft nicht nur einfach erweitert, sondern auch problemlos zurückgebaut werden. Die Bauelemente werden dann nach Material sortenrein getrennt und wieder dem Kreislauf zugeführt. Daher ist die Wirkung der eingesetzten Materialien auf die Umwelt weitgehend reversibel. Durch die rund zweitausend Kubikmeter verbauten Fichten- und Birkenhölzer wurden im Vergleich zur konventionellen Stahlbetonbauweise bereits bei der Herstellung rund 2.000 Tonnen CO2 eingespart.

Nur 55 Prozent Energiebedarf im Vergleich zu konventionellen Gebäuden

Des Weiteren benötigt das KfW55- Gebäude nur 55 Prozent der Energie eines konventionellen Neubaus. Dadurch werden jedes Jahr fast 200 Tonnen CO2 eingespart. Die Heizung wird über Kraft-Wärme-Kopplung mittels einer Holzpellet-Anlage geregelt, eine Photovoltaikanlage trägt einen Anteil am Stromverbrauch. Die politische Bewertung des Projektes betont vor allem Klimaschutz und Nachhaltigkeit: „Wir freuen uns darüber, dass wir hier Vorreiter sind und unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten können“, betont Landrätin Dorothea Schäfer.

zuletzt editiert am 15. Dezember 2025