Vollholzhaus: Fichte und Zirbe für eine archaische Form
Foto: Gustav Willeit

Technik 2020-07-14T00:00:00Z Vollholzhaus: Fichte und Zirbe für eine archaische Form

„Das Gebäude basiert auf der archaischen Form eines Hauses, bei der keine Unterscheidung zwischen Dach und Fassade gemacht wird. Die aufstrebende Form des Daches macht das Gebäude von weitem sichtbar, gleichzeitig nimmt das Dach durch seine tief liegende Trauflinie eine schützende Haltung ein. Dabei taucht die Form des Trapezes als wiederkehrendes Element im gesamten Entwurf auf“, schreiben die Brunecker Pedevilla Architects auf deren Webseite über die Umsetzungpläne.

Der Betreiber des Hotel Aqua Bad Cortina ließ sich neben seinem Hotel und einer Therme ein Vollholzhaus errichten, seine ciAsa. Dieser ladinische Begriff steht für „Haus. Als Ende Oktober 2018 der Sturm „Vaia“ mehrere tausend Hektar Waldfläche in den Dolomiten niederriss, sah Nicol Alberti Mutschlechner darin eine Chance, das Holz aus den Wäldern, die vom Sturm befallen worden sind, für den Bau des Hauses zu nutzen, vor allem jenes zwischen 1.500 m und 1.700 m über dem Meeresspiegel – die besten Lagen für Fichten. Mit holzius, Anbieter patentierter, leim- und metallfreier Vollholzelemente für Wohnhäuser, war ein Partner gefunden, der die Möglichkeit bot, das eigene Mondholz – Fichte in feinfasriger Qualität und Zirbe – zu nutzen und dem Ganzen einen noch persönlicheren Charakter zu verleihen.

Vollholzhaus: Fichte und Zirbe für eine archaische Form
Foto: Gustav Willeit

Das für die Fassade verwendete Lärchenholz ist auch ohne jegliche Behandlung von Natur aus wasserbeständig. Beim Untergeschoss, das zugleich die Verbindung zum naheliegenden Hotel herstellt, kamen möglichst naturbelassende Stein-Findlinge aus den Dolomiten sowie das eigene Thermalwasser, das mit Weißzement auf der Baustelle angemischt wurde, zum Einsatz.

Vollholzhaus: Fichte und Zirbe für eine archaische Form
Foto: Gustav Willeit

Im holzius-Werk in Prad wurden die vorgeschnittenen, naturgetrockneten Teile innerhalb eines Monats unter Berücksichtigung der natürlichen Wachsrichtung des Baumes – von unten nach oben – verarbeitet. Ohne Leim und Metall mit garantierter Formstabilität fand die Produktion der Vollholzelemente statt. Die 6 cm starken Holzdielen wurden zu 36 cm starken Wänden mit fertiger Oberfläche verbunden, wiederum in der einzigartigen, patentierten Bauart mit Gratleiste samt Kanten in Schwalbenschwanzform. Durch diese Ausführung erzielen die Vollholz-Innen- und Außen-Wände eine hohe Tragfähigkeit, wodurch ein mehrgeschossiges Gebäude setzungsfrei gebaut werden kann.

01_IMG_4182_GW-sm

Durch die großzügigen Wandstärken wird ein sehr niedriger Wärmeübertragungswert erreicht, womit auf jede weitere Wärmeisolierung verzichtet werden kann. So sind auch keine Folien und keine Dampfsperren in den Wandelementen verbaut. Trotzdem erfüllt das Haus die strengen Kriterien eines Klimahauses in Südtirol und wurde als Klimahaus A zertifiziert.

Vollholzhaus: Fichte und Zirbe für eine archaische Form

zuletzt editiert am 04. August 2021
Newsletter