Bundesumweltminister Carsten Schneider hat die aktuelle Klimabilanz Deutschlands vorgestellt. Die Treibhausgasemissionen sanken 2025 gegenüber dem Vorjahr um knapp eine Million Tonnen (0,1 Prozent) auf etwa 649 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Während die Emissionen im Verkehrs- und Gebäudesektor stiegen, verbesserten vor allem Industrie und Wald die Bilanz. Laut einer Mitteilung von „Die Waldeigentümer“ (AGDW) ist dies besonders bemerkenswert, da die positiven Klimaschutzeffekte des Waldes zuletzt infrage gestellt wurden.
Laut den vom Umweltbundesamt vorgelegten Zahlen wurden für den Wald in der deutschen Klimabilanz 2025 Negativemissionen von rund 19 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten veranschlagt. Diese Zahl erfasst die Klimaschutzleistung, welche die CO2-Senke Wald als Kohlenstoffspeicher erbringt. Nicht erfasst ist hingegen die CO2-Vermeidung, die durch den Wald über die Holznutzung in anderen Wirtschaftsbereichen wie z.B. dem Bausektor geschieht. Die Holzenergienutzung wird in der Klimabilanz nicht dem Wald, sondern dem Energiesektor gutgeschrieben. Dabei werden durch die Holzenergie bundesweit pro Jahr mehr als 30 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente vermieden. „Die Klimaschutzwirkung des Waldes fällt weitaus größer aus als es die heute vorgelegten Zahlen erscheinen lassen. Eine angemessene Beurteilung der Klimaschutzleistung des Waldes sollte daher auch die Nutzung von Holz zum Ersatz klimaschädlicher Materialien und Energieträger berücksichtigen“, fordert AGDW-Präsident Prof. Andreas Bitter. Der Klimaschutzeffekt des Waldes entspricht bei nachhaltiger Waldbewirtschaftung dessen CO2-Bindung im Zuge des Holzzuwachses. Regelmäßige Waldpflege stabilisiert den Holzzuwachs und hält die CO2-Pumpe Wald am Laufen.
Holznutzung sichern, Bestände umbauen
In den Klimabilanzen wird im sogenannten LULUCF-Sektor (Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft) für den Wald hingegen derzeit vor allem die Steigerung des Kohlenstoffspeichers berücksichtigt, der auf der Entwicklung der Holzvorräte basiert. Deutschland verfügt bereits über historisch hohe Holzvorräte, die rund 85 Prozent über dem EU-Durchschnitt liegen. „Angesichts der zunehmenden Risiken durch den Klimawandel müssen wir, gefördert durch eine Intensivierung der Nutzung, die Wälder konsequent mit klimastabilen Baumarten umbauen. Nur wenn Holznutzung und Waldumbau zusammenkommen, kann der Wald auch langfristig maßgeblich zum Klimaschutz beitragen“, unterstreicht AGDW-Präsident Bitter. Vor diesem Hintergrund fordert die AGDW mit Blick auf Deutschlands Klimaziele für 2030 realistische Werte für den Wald als Kohlenstoffspeicher. „Die Zielvorgaben zur Senkenfunktion des Waldes müssen im deutschen Klimaschutzgesetz sowie in der entsprechenden EU-Verordnung angepasst werden. Wenn der Wald ein verlässlicher Verbündeter im Klimaschutz bleiben soll, müssen die politischen Rahmenbedingungen den Realitäten des Klimawandels folgen“, mahnt der AGDW-Präsident.
