Die Waldschutzorganisation PEFC Deutschland erläutert, wo der deutsche Wald in diesem Jahr steht, welche Entwicklungen der vergangenen Jahre sich fortsetzen und was von 2025 für den Wald zu erwarten ist.
Die starken Niederschläge des vergangenen Winters und Frühjahrs waren laut PEFC ein Glück für den Wald. Deutschlands Waldböden konnten, selbst im besonders betroffenen Ostdeutschland, wieder Wasser speichern. Dies habe sich positiv auf den Gesundheitszustand des Waldes ausgewirkt. So sei zum Beispiel in Baden-Württemberg der Anteil deutlich geschädigter Waldbäume laut Waldzustandsbericht des Landes seit 2023 immerhin um vier Prozent zurückgegangen, auch wenn er mit rund 40 Prozent immer noch auf einem besorgniserregend hohen Niveau sei. Ähnlich sieht es in den anderen Bundesländern aus. Die Waldschutzorganisation PEFC Deutschland sieht sowohl positive als auch negative Trends.
Waldumbau auf gutem Weg
Die Ende 2024 vorgestellte vierte Bundeswaldinventur (sie berücksichtigt die Entwicklung bis einschließlich 2022) stellte fest, dass sich die gesamte Waldfläche Deutschlands seit der letzten Inventur vor zehn Jahren vergrößert hat, wenn auch mit 15.000 Hektar nur geringfügig. Die Fläche der Laubbäume hat im Vergleich zu ihrer Fläche seit 2012 um sieben Prozent zugenommen, ebenso die allgemeine Strukturvielfalt der Wälder in Deutschland. So findet sich aktuell auf 79 Prozent der Waldfläche Mischwald. Zudem sind 77 Prozent der Wälder zwei- oder mehrschichtig aufgebaut. Dies ist vor allem dem aktiven Waldumbau der Forstleute und Waldbesitzenden zu verdanken, der zu einer besseren Anpassung der Wälder an den Klimawandel führen soll.
Diplom-Forstwirt Dirk Teegelbekkers, Geschäftsführer von PEFC Deutschland, erklärt: „Der Waldumbau weg von Reinbeständen hin zu von biologischer Vielfalt geprägten Waldökosystemen bildet eine der Maßnahmen, die in unseren PEFC-Standards für nachhaltige Waldbewirtschaftung fest verankert sind. Zu diesen Maßnahmen zählen etwa auch der Erhalt von Biotopbäumen – sie bieten Lebensraum für unzählige Organismen, unterstützen den Nährstoffkreislauf und verbessern die Bodenstruktur. Die PEFC-Standards gelten bereits für rund 80 Prozent der deutschen Waldfläche. Auf erfreuliche Weise belegen die Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur einmal mehr, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Im Vergleich zu 2012 gibt es einen Rückgang bei den Reinbeständen, und der Totholzvorrat ist deutlich gestiegen.“
Priorität: Anpassung an Klimawandel
Nach wie vor bilden die Auswirkungen des Klimawandels die größte Herausforderung für den Wald. Dürre und Borkenkäferbefall haben bundesweit seit 2018 etwa 700.000 Hektar Kalamitätsfläche verursacht. Dies stellt Waldbesitzende vor enorme finanzielle und auch logistische Herausforderungen bei der Wiederaufforstung. Dabei haben auch staatliche Förderprogramme zur Wiederbewaldung eine große Bedeutung. Aus Sicht von PEFC Deutschland ist der eingeschlagene Weg der richtige: Es müssen klimaresilienter Mischwälder entstehen und der Schwerpunkt dabei auf die Verjüngung und Diversifizierung des Baumbestandes liegen.
Verbesserte Waldbrandprävention
Die Trockenheit und Hitze der vergangenen Jahre haben zu einer erhöhten Brandgefahr geführt. Zwischen 2018 und 2022 gab es in Deutschland vermehrt Waldbrände, hauptsächlich verursacht durch menschlichen Einfluss. Die lokalen und regionalen Feuerwehren haben in den vergangenen Jahren auch im Rahmen interregionaler Kooperationen Fortschritte bei der Waldbrandprävention und -bekämpfung gemacht. So ist man auf zukünftige Waldbrandereignisse besser vorbereitet.
Stimmen aus dem Wald
Achim Klausner, Revierleiter aus Baden-Württemberg und Förster des Jahres 2024, meint: „Die Anpassung unserer ökologisch als auch ökonomisch so wichtigen Wälder kann nur gelingen, wenn wir verlässliche Rahmenbedingungen für die engagierten Forstleute haben, die den Wald nachhaltig pflegen, bewirtschaften und für den Klimawandel fit machen. Für diese Mammutaufgabe sind Förderprogramme unerlässlich.“
Für Rudolf Rupp, Waldbesitzer auf der Schwäbischen Alb, ist der Waldumbau existenziell: „Der Privatwald ist nicht nur Privatangelegenheit, sondern auch Dienst an der Gemeinschaft. Behutsames Umbauen des Waldes bringt am Ende einen stabileren, vitaleren Wald, der dem Klimawandel besser standhält.“
Prof. Dr. Andreas Bitter, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von PEFC Deutschland und ebenfalls Waldbesitzer, sieht die Waldbesitzenden in Deutschland auf einem guten Weg: „Waldbesitzer und Forstleute fördern bereits seit Jahren die Vielfalt im Wald“. Denn auch im Wald gelte: „Wer das Risiko streut und auf die Mischung verschiedener Baumarten und Bäume unterschiedlichen Alters in den Waldbeständen setzt, kann Ausfälle besser kompensieren. Eine breitere strukturelle und genetische Vielfalt erhöht zudem die Widerstandsfähigkeit.“
