Hallenbau Eine 6.300 m2 große Logistikhalle in Wolpertshausen bietet ihrem Besitzer gegenüber einer Stahlkonstruktion einiges an Mehrwert – und liegt preislich im gleichen Bereich.
Aufgrund der höheren Anforderungen an Gebäude preislich in die Region von Massivbaukonstruktionen gerückt, erfreut sich der Holzbau bei Projektentwicklern und Bauträgern schon seit einiger Zeit wachsender Beliebtheit. Das gilt auch für den Hallenbau, wo er im Vergleich zum Stahlbau größere Spannweiten, weniger Aufwand beim Brandschutz und ein besseres Arbeitsklima bietet.
Rundumbetreuung beim Hallenbau
Ein gutes Beispiel für diese Vorzüge ist die Produktions- und Logistikhalle eines Maschinenbauunternehmens in Wolpertshausen, projektiert und realisiert von der Na-Immo GmbH in Gengenbach. Der Immobilienentwickler plant, baut und verwaltet energieeffiziente und nachhaltige Immobilien für Kunden aus Industrie, Handel und Handwerk.
Dabei hat er sich auf Produktions-, Logistik- und Verwaltungsgebäude spezialisiert und kümmert sich je nach Kundenwunsch um das komplette Projekt von der Standortsuche über die Projektierung, Planung und Ausführung bis hin zur technischen Ausstattung und zur schlüsselfertigen Übergabe.
Außerdem stehen die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien, eine langfristige Werterhaltung und in diesem Zusammenhang auch die Nutzungsflexibilität und die Drittverwendbarkeit im Fokus. Ein angegliedertes Property Management sorgt auf Kundenwunsch nach Fertigstellung für eine wirtschaftliche Verwaltung und einen reibungslosen Betriebsablauf.
Projektentwickler und Bauleiter Bernd Andreas Göppert sieht in seinem Metier hervorragende Chancen für den Holzbau: „Nicht nur bei Kalthallen oder Lagergebäuden, sondern insbesondere auch bei der Anforderung an eine hohe Flexibilität in der Nutzung und ein hochwertiges Interieur kommt der Holzbau automatisch ins Spiel. In diesem Bereich ist er besonders wirtschaftlich.“
Zweigeteilt mit 6.300 m2 und nur einer Brandwand
Ein Anforderungsprofil, das auch bei der 11 m hohen Halle in Wolpertshausen im Pflichtenheft stand. Als Produktions- und Logistikzentrum ist sie zweigeteilt, beherbergt im kleineren Teil mit 1.800 m2 Fläche den Warenausgang mit Qualitätskontrolle und Kommissionierung, im größeren (4.500 m2) den Wareneingang mit Lager.
In letzterem sorgte das Immobilienunternehmen, das auch mit der technischen Ausstattung und dem Innenausbau betreut war, für eine optimale Nutzung der vorhandenen Fläche durch Schmalgangregale. Zur weiteren technischen Ausstattung gehören Hochregale und ein Paternosterlager, zwölf Elektrostapler-Ladestationen und eine PV-Anlage für Eigenstrom mit 650 kVA-Trafo. Beheizt wird die Halle mit Biogas-Nahwärme.
Beide Hallenteile sind im Winkel zueinander angeordnet, sodass im nordwestlichen Eck des Gebäudes ein von zwei Seiten geschlossener Hof entsteht, an dessen Flanken sich je zwei höhenverstellbare Laderampen und eine Einfahrt in den dazugehörigen Hallenbereich befinden. So ließen sich die Rangierflächen für Lkw in einem optimalen Rahmen lösen.

Auch sonst wurde die zulässige Grundflächenzahl kompromisslos genutzt, obwohl die Baustelle mit einer bis zu 15 m hohen Böschung auf der Nordseite und knappen Grundstücksabmessungen einige Herausforderungen bot.
Zwischen den Hallenteilen befindet sich eine Brandwand mit Brandschutztor, die das Gebäude in zwei Brandabschnitte trennt. In den kleineren wurde außerdem ein dreigeschossiges Büro in Massivholzbauweise mit Leimholzdecken integriert – ein „NatureOfficeCube“ (NOC), in dem sich die Qualitätskontrolle befindet.
Integriertes Büro mit 380 m2 in Holzmassivbauweise
Diese Kombination aus weit gespannten Tragwerken und „NatureOfficeCube“ ist eine Spezialität der Holzbau Binz GmbH & Co. KG im schwäbischen Ellwangen, die von Na-Immo im Zuge einer bewährten Partnerschaft immer wieder mit der Ausführung von Holzbauten beauftragt wird. Für Bernd Andreas Göppert ist das Unternehmen „ein äußerst zuverlässiger Generalunternehmer im Holzbau – inklusive der dafür notwendigen Ingenieurleistungen.“
Holzbau Binz ist mit 70 Mitarbeitenden im Wohnhausbau, im Gewerbebau und im Bau landwirtschaftlicher Gebäude aktiv. Mit zum Holzbauunternehmen gehören ein Sägewerk und eine zertifizierte Schlosserei, in denen es Holz für den Eigenbedarf und die im Holzbau benötigten Stahlteile selbst produziert.
Geschäftsführer Ingbert Binz sieht den „NatureOfficeCube“ mit seiner massiven Holzbauweise als ideale Hallenergänzung, „in der sich die Verwaltung, Büros, Werkstätten und vieles mehr unterbringen lassen – mit direktem Blick in die Halle“. Dabei bietet die weitgehend leimfreie Holzmassivbauweise neben dem gesunden Raumklima, einem hohen Wärmespeichervermögen im Sommer und einer guten Dämmwirkung im Winter zusätzliche Vorteile wie einen hervorragenden Schallschutz sowie eine gute Trennbarkeit und Wiederverwendbarkeit der eingesetzten Materialien.

„NatureOfficeCube“ und Halle sind individuell planbar, werden also im Entwicklungsprozess bei Na-Immo nach Maß auf den Bedarf des Kunden und die Gegebenheiten des Baugrundstücks abgestimmt. Der „NOC“ in Wolpertshausen bietet auf drei Ebenen ca. 390 m2 Büro- und Arbeitsfläche, wodurch sich die Nutzfläche der Halle auf 6.560 m2 erhöht. Das Bürogebäude wird durch eine geradläufige Treppe in die Halle erschlossen. Die Treppenbrüstung besteht wie die Gebäudefassade aus Sichtholz, wodurch das Bürogebäude zusammen mit dem eleganten BSH-Tragwerk einen repräsentativen und optisch ansprechenden Blickpunkt in der Halle bildet.
Die aus Brandschutzgründen erforderliche Fluchttreppe, als anthrazitfarbene Stahlkonstruktion an der Außenseite des Cube platziert, wurde von senkrechten Holzlamellen in gleicher Farbe eingefasst, um sie besser in die Hallenansicht zu integrieren. Oben auf den unterschiedlich langen Lamellen sitzen Stahlkappen in der CorporateColor des Hallennutzers.
Die Außenwände des „Cube“ wurden mit 18 cm Holzweichfaserplatten und einer senkrechten Holzleistenfassade in Anthrazit ergänzt. So setzt das integrierte Gebäude auch in der Außenansicht einen besonderen Akzent. Die Fassade wurde bei Holzbau Binz aus heimischem Holz gefertigt.
Weit gespannte Hallenkonstruktion
Zum flexiblen Massivholzgebäude gehört ein ebenso flexibles Hallenbausystem, das Holzbau Binz bereits mehrfach für gewerbliche Kunden umgesetzt hat. Mit seinen weiten Spannweiten ist es einer Stahlkonstruktion überlegen. „Da wir den Brandschutz über die Abbrandrate und speziell geschützte Verbindungen regeln können, setzt uns in der Regel nur die Schneelast eine Grenze“, erläutert Ingbert Binz: „Deshalb tun wir uns leichter als der Stahlbau und können kostengünstig große Spannweiten umsetzen, die eine hohe Flexibilität in der Nutzung ermöglichen. Bisher haben wir Binderlängen bis 50 m mit freien Spannweiten bis 44 m realisiert.“
In Wolpertshausen liegen die Spannweiten bei 27 m, in einem Hallenteil bei 30 m. Das Hallentragwerk gliedert sich in vier von Nord nach Süd verlaufende Primärachsen, von denen zwei in den Außenwänden liegen. Hier werden die senkrechten Lasten von BSH-Pendelstützen aufgenommen, die auf einem Stahlbetonsockel stehen – das geringe Gewicht der Holzkonstruktion ermöglichte hier einen geringen Gründungsaufwand (s.u.).
Im Inneren der Halle werden die senkrechten Lasten von BSH-Trägern auf eingespannten Stahlbetonstützen getragen. Die Auflager der Primärträger sind durch Holzlaschen stabilisiert. An den Schnittpunkten kamen außerdem spezielle, im Ingenieurbüro des Unternehmens entwickelte Stahlverbindungen zum Einsatz, die Holzbau Binz in der eigenen Schlosserei produzierte. Der Stützenabstand unter den Primärträgern beträgt 12 m.

Das Sekundärtragwerk ist in die Primärträger eingehängt. Es besteht aus Fischbauchträgern, die durch speziell auf die einzelnen Trägerbereiche abgestimmte BSH-Varianten zusätzlich optimiert wurden. Die Statik wurde im Ingenieurbüro von Holzbau Binz berechnet, die Brettschichtholzträger wurden vom Hersteller in drei Montagetagen getaktet mit mehreren Transporten zur Baustelle geliefert. Die längsten Träger befinden sich mit 30 m Spannweite im westlichen Hallenbereich. Hier ist das Sekundärtragwerk durch zwei Reihen von Holzverbänden gegen horizontale Lasten ausgesteift.
Die großen Spannweiten waren unter anderem durch die Wahl einer nicht allzu schweren Dachkonstruktion möglich. Diese besteht aus einer Trapezblech-Tragschale, einer Dampfbremse, einer 160 mm starken, durchgängigen Mineralwolldämmung, die auch hervorragende Brandschutzeigenschaften aufweist. Den äußeren Abschluss bildet eine Abdichtungsfolie.
Im Wandbereich sorgen Holzverbände für eine zusätzliche Aussteifung der Hallenkonstruktion. Die Wände der Halle bestehen aus Mineralfasersandwichelementen mit Metalldeckschalen, die auf dem Holzriegelwerk befestigt sind. Die Einhausungen der Verladerampen bestehen aus Holz-Mehrschichtplatten – auch dabei stand die Nachhaltigkeit im Fokus.

Das Holz für die Wandelemente bezog Holzbau Binz aus der Region, eingeschnitten und technisch getrocknet wurde es im firmeneigenen Sägewerk. Holzreste wurden im Trocknungsprozess thermisch verwertet. Die hohe Fertigungstiefe von Holzbau Binz ermöglichte gemäß der Firmenphilosophie „vom Baumstamm zum fertigen Gebäude“ eine nachhaltige Produktion mit kurzen Transportwegen.
Die Brandwand zwischen den beiden Hallenteilen besteht aus Brandwandplatten, die in Stahlbetonstützen liegen. Zwischen den Hallenteilen wurde mit einem Brandschutztor ein Durchgang realisiert.
Holzbau ermöglicht günstigen Hallenbau
Eine der Herausforderungen des Projekts war die Beschaffenheit des Baugeländes, das wegen seiner Hanglage im Norden um 4,50 m aufgefüllt werden musste, während man im Süden bis zu 4,50 m tief in den Hang hinein baute. Hier stehen die Außenwände auf Stützwänden aus Beton.
Im nördlichen Hallenteil war wegen der Aufschüttung bis in den Bereich der Brandwand eine Tiefgründung erforderlich, für die bis zu 15 m lange Pfähle eingesetzt wurden. Unter den eingespannten Betonstützen im Hallenbereich waren insgesamt vier Gründungspfähle erforderlich, bei den auf einem Stahlbetonsockel aufstehenden Holzstützen in den Wänden genügte eine Gründung in der Sechsmeterlinie. Die Wahl einer leichten Holzkonstruktion trug hier also zur Kostensenkung bei.
Das geringe Gewicht ist nicht der einzige Faktor, der zur Wirtschaftlichkeit von Holzkonstruktionen im Hallenbau beiträgt: „Wenn ich derartige Spannweiten realisiere, spare ich besonders beim Brandschutz“, erläutert Ingbert Binz: „Zum einen, weil ich nicht ab 1.600 m2 Hallenfläche einen zusätzlichen Anstrich benötige, dessen Wartung mir noch zusätzliche laufende Kosten beschert. Zum anderen, weil ich bis 3.000 m2 Fläche ohne zusätzliche technische Anlagen auskomme und bis 4.500 m2 mit Brandabschnitten und einer Brandmeldeanlage.“
Dies bedeutete im Wolpertshausen, dass man den Wunsch des Bauherrn nach einem offenen Lagerbereich ohne zusätzliche Brandwand problemlos erfüllen konnte. Eine Brandmeldeanlage war vom Betreiber ohnehin gewünscht, weil er schon wegen der eingelagerten Werte viel Wert auf Sicherheit legt. Deshalb wurde das Gebäude auch mit Fluchtwegen mit Notbeleuchtung und einer Trockenleitung für die Feuerwehr ausgestattet. „Die sah die Halle in einem abschließenden Gespräch entsprechend positiv“, erinnert sich Ingbert Binz.
Das Hallenbausystem seines Unternehmens bietet dem Bauherrn in seinen Augen „eine günstige, nachhaltige Immobilie in hochwertiger Bauweise bei maximaler Nutzungsflexibilität und geringen Kosten im Unterhalt.“ Ganz zu schweigen von weiteren Vorteilen des nachhaltigen Baustoffs, zu denen ein optisch ansprechendes Tragwerk, eine bessere Schmutzresistenz dank geschlossener Träger und ein aus den bauphysikalischen Eigenschaften von Holz resultierender Wohlfühlcharakter im Halleninneren gehören. Auch die Bauzeit verkürzt sich durch die Holzkonstruktion: In Wolpertshausen konnte die Halle nach Erdarbeiten und Gründung innerhalb von 10 Monaten fertiggestellt und bezogen werden.
Es kann von daher nicht verwundern, dass Na-Immo und Holzbau Binz bereits zwei Folgeprojekte auf der Agenda haben: Eine ähnlich große Halle in Crailsheim steht kurz vor der Übergabe, eine 15.000 m2 große Logistikhalle zwischen Schwäbisch Hall und Schwäbisch Gmünd befindet sich momentan in der Ausführungsplanung.
Dieser Beitrag ist bereits in bmH bauen mit Holz Spezial Band 21 „Gewerbe- und Sonderbauten“ erschienen.