Geklebte Brettschichtholz-Beton und Holz-Faser-Kunststoff-Verbundplatten, umgeben von Bäumen und Betonwänden.
Mit Holz-Hybridsystemen sollen die jeweiligen Stärken der verschiedenen Materialien gezielt genutzt werden. Diese Aufnahme zeigt einen Versuch, die langfristigen Kriech-Biegebelastungen geklebter Brettschichtholz-Beton und Holz-Faser-Kunststoff-Verbundplatten zu testen. (Quelle: Fraunhofer WKI, Yan Libo)

Forschung 2026-03-24T06:48:46.727Z Wie Holz-Verbindungen halten

Im Forschungsvorhaben „HolzFKV-HolzHBV-Bau“ untersuchte eine Nachwuchsgruppe des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung, wie sich geklebte Holz-Faser-Kunststoff- und Holz-Beton-Verbundsysteme unter verschiedenen Belastungen und Umweltbedingungen über lange Zeiträume verhalten. Die Ergebnisse sollen wichtige Grundlagen für den Einsatz dieser Holz-Hybridmaterialien im Bauwesen liefern, den Wissenstransfer in die Baupraxis stärken und wissenschaftliche Expertise auf einem noch wenig erforschten Gebiet etablieren. Das Vorhaben wurde über die FNR vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert. 

Holz zählt zu den besten Baustoffen für nachhaltiges Bauen: Es lässt sich gut verarbeiten, besitzt eine hohe Festigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht und hinterlässt einen geringen CO₂-Fußabdruck. Gleichzeitig hat Holz als Baustoff auch materialbedingte Grenzen: Die Zug- und Druckfestigkeit ist senkrecht zur Faserrichtung geringer und Holz reagiert auf Feuchtigkeit aus der Umgebung.

Holz-Hybridverbunde

Holz mit anderen Werkstoffen zu hybriden Verbundsystemen zu kombinieren, ist ein vielversprechender Ansatz. Dadurch lassen sich die jeweiligen Stärken dieser Materialien nutzen und gleichzeitig die materialbedingten Schwächen von Holz reduzieren. Doch über das Langzeitverhalten dieser für das Bauwesen so interessanten Holzhybridsysteme ist noch wenig bekannt. 

Verbesserte Oberflächenbehandlung 

Hier setzte das Forschungsvorhaben „HolzFKV-HolzHBV-Bau“ an. Seit 2018 untersuchte eine Nachwuchsgruppe unter der Leitung von Professor Dr. Libo Yan vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) und dem iBMB der TU Braunschweig die kurz- und langfristigen Eigenschaften verschiedener Holz-Hybridverbunde und ihrer einzelnen Materialien wie Holz, pflanzliche Naturfasern und Textilien, Glas- und Kohlefasern, Klebstoffe, faserverstärkte Polymerverbundwerkstoffe (FKV) und Recyclingbeton mit einer multiskaligen Forschungsmethode. 

In zahlreichen Experimenten ergründete sein Team die Mikrostruktur sowie die chemischen und mechanischen Eigenschaften der Verbundwerkstoffe und ihre Wechselwirkungsmechanismen. Dabei entwickelten sie geeignete Oberflächenbehandlungen für ein verbessertes Bindungsverhalten der Materialien.

Holz-Beton-Verbundplatten werden in einer Druckprüfmaschine getestet, um ihre Belastbarkeit zu überprüfen.
Auch mit einem Vierpunkt-Biegeversuch an einer mittelgroßen Holz-Beton-Verbundplatten hat das Team um Professor Yan Libo mithilfe optischer Fasersensoren und digitaler Bildkorrelationstechniken das Langzeitverhalten von Hybridsystem untersucht. (Quelle: Fraunhofer WKI, Yan Libo)

Vorhersagemodelle

Um das Langzeitverhalten der Material-Verbünde zu ermitteln, wurden eigens für die verschiedenen Belastungen und Umweltbedingungen Lebenszyklus-Vorhersagemodelle entwickelt und die Verbünde schließlich getestet. Die nun vorgelegten Ergebnisse und Daten fördern den Einsatz von Hybridbaustoffen im Bauwesen und verbessern das Verständnis über die Dauerhaftigkeit bestehender Hybridstrukturen.

Erfolgreiche Nachwuchsförderung und Interesse der Wissenschaftsgemeinschaft

Auch aus Sicht der Nachwuchsförderung war das Projekt sehr erfolgreich. Neben dem Nachwuchsgruppenleiter arbeiteten vier Postdoktorandinnen und Postdoktoranden sowie neun studentische Hilfskräfte im Projekt mit. Insgesamt entstanden im Umfeld der Forschungsarbeiten 35 Bachelor- und Masterarbeiten. Nachwuchsgruppenleiter Libo Yan: „Vor allem freut es mich, dass sechs Studierende aus unserem Team während des Projekts erfolgreich promoviert haben.“ Zwei weitere Doktoranden arbeiten noch an ihren Dissertationen. 

Auch international stoßen die Forschungsergebnisse auf großes Interesse: Die Publikationen aus dem Projekt wurden bislang mehr als 2.400-mal in der wissenschaftlichen Literatur zitiert und über 9.000-mal auf ResearchGate aufgerufen.

Medieninteresse an Demonstrator

Nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Öffentlichkeit finden die Arbeiten Beachtung. Dafür nutzt das Team einen Demonstrator eines neuen Fußbodensystems aus Brettsperrholzplatten und Recyclingbeton, die mit Klebstoff verbunden sind. Der verwendete Beton enthält zehn Prozent Reisschalenasche als Zementersatz und ist mit pflanzlichen Textilfasern verstärkt.

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zuletzt editiert am 24. März 2026