Eine Gruppe von Geschäftsleuten in formeller Kleidung posiert für ein Gruppenfoto vor einem modernen Hintergrund.
Bereits beim letzten Wohnungsbau-Tag Ende März habe das Bündnis aus sechs führenden Verbänden und Organisationen der Bau- und Wohnungswirtschaft ein konkretes Vier-Punkte-Programm vorgelegt, um die Trendwende beim Wohnungsbau zu schaffen. (Quelle: Verbändebündnis Wohnungsbau/Tobias Seifert)

News 2026-05-22T09:12:51.806Z Wohnungsbautag fordert beim Wohnungsbau zum Handeln auf

Vor dem Hintergrund der heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baufertigstellungszahlen für 2025 warnt das Verbändebündnis Wohnungsbau in einer Pressemitteilung vor einer unzureichenden Menge an Neubauwohnungen. Die Zahl von lediglich 206.600 neu gebauten Wohnungen sei deutlich zu gering. Damit sei der Wohnungsneubau im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr noch einmal um 18 Prozent zurückgegangen. Die Neubau-Bilanz erreiche damit den niedrigsten Wert seit 13 Jahren. Das zeige: „Deutschland steckt in einer tiefen strukturellen Wohnbaukrise. Wir liegen weiter unter dem gesellschaftlich notwendigen Bedarf von 400.000 Wohnungen pro Jahr“, so das Verbändebündnis Wohnungsbau.

Bereits beim letzten Wohnungsbau-Tag Ende März habe das Bündnis aus sechs führenden Verbänden und Organisationen der Bau- und Wohnungswirtschaft ein konkretes Vier-Punkte-Programm vorgelegt, um die Trendwende beim Wohnungsbau zu schaffen. „Fast zwei Monate später sind wir keinen Schritt weiter“, so das Bündnis. Und dessen Prognose falle noch düsterer aus: Die Branchen-Experten erwarten in diesem Jahr sogar einen Absturz auf unter 200.000 neu gebaute Wohnungen.

„Dass sich der Wohnungsneubau trotz eines immer größeren Wohnungsmangels negativ entwickelt, ist eine Hiobsbotschaft – vor allem für Hunderttausende von Menschen, die dringend eine bezahlbare Wohnung brauchen. Aber auch für die Branche, der mehr und mehr die Produktionskapazitäten wegbrechen, die eigentlich für einen funktionierenden Wohnungsneubau dringend gebraucht würden. Und natürlich auch für die Bundesregierung, die ein ‚Bauen, bauen, bauen.‘ versprochen hatte“, erklärt das Verbändebündnis Wohnungsbau.

Ein Balkendiagramm zeigt die Baufertigstellungen im Wohnungsbau von 1995 bis 2025, mit einem deutlichen Rückgang nach 2000 und einer Stagnation in den letzten Jahren.
Quelle: Statistisches Bundesamt; 2025 Prognose ZDB

Angesichts dieser Perspektive für den Wohnungsmarkt fordere das Bündnis:

  • Eine schnelle, rechtssichere Umsetzung des gesetzlichen Standards „Gebäudetyp E“ als das neue Normal. Dies dürfe nicht erst zum Jahresanfang 2027 geschehen, sondern müsse zeitnah passieren. Pragmatische Vorschläge hierzu seien auf dem Wohnungsbautag dargestellt worden.
  • Nach dem Einbruch der Förderungen auf ein Drittel des Niveaus von 2022 sei es dringend erforderlich, ein einfaches Förderkonzept aufzusetzen, das nicht erst 2027 greift, sondern umgehend. Die im Koalitionsvertrag zugesagten Maßnahmen müssen zeitnah umgesetzt werden, so die Forderung. Die von der Bauministerin angekündigte Verlängerung der EH-55-Förderung sei überfällig. Sie müsse vor allem aber verlässlich und bezüglich der Zinsen attraktiv ausgestaltet werden. Durch eine solche Förderung könne massiv privates Kapital mobilisiert werden. Außerdem müsse auch die steuerliche Sonderabschreibung nach §7b EstG auf das EH 55 EE ausgerichtet werden und nicht weiter auf das EH 40 QNG. Dies sorge für einen Schub im Mietwohnungsbau.
  • Wohnungsbauprojekte sollen nach dem „Fast Lane“-Prinzip einen Abwägungsvorrang auf der Ebene einzelner Vorhaben bekommen, so das Bündnis. Schnelleres Planen, Genehmigen und Bauen müsse im Fokus der Prozessoptimierung bei Ländern und Kommunen stehen. Im Rahmen der Bau-BG-Novelle sollen dazu die Grundlagen geschaffen werden. Auch hier gelte es zu beschleunigen.
  • Als Pulsmesser für die Effektivität von Maßnahmen gelte es, eine Baubeginn-Statistik nach einheitlichen Kriterien zu etablieren. Dies stelle keine zusätzliche Bürokratie dar. Es vereinheitliche allerdings die Datenerhebung.

Branchen-Appell an die Bundesregierung: „Die Lösungen liegen auf dem Tisch“

Das Verbändebündnis Wohnungsbau appelliere eindringlich an die Politik: „Die Fertigstellungszahlen sind kein Schicksal, sondern das Ergebnis jahrelanger, unzureichender Rahmenbedingungen. Auf verschlechterte Finanzierungsbedingungen wurde mit komplexen, kleinteiligen Förderprogrammen, weiter verschärften Anforderungen und damit Kostensteigerungen reagiert. Das hat den Wohnungsneubau und die Modernisierung abgewürgt. Es gibt kein Erkenntnisproblem, wie der aktuelle Koalitionsvertrag deutlich macht, sondern ein Umsetzungsproblem.“

Bezahlbares Wohnen sei Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und sozialen Zusammenhalt. „Gleichzeitig ist ein starker Wohnungsbau ein zentraler Konjunkturmotor: Er schafft und erhält Arbeitsplätze im Handwerk, in der Industrie, in der Planung, im Fachhandel und stärkt die Wirtschaft weit über die Bauwirtschaft hinaus“, erklärt das Wohnungsbau-Bündnis.

Die aktuellen Zahlen seien deshalb mehr als ein Warnsignal – sie seien ein klarer Auftrag: „Jetzt ist die Zeit für entschlossenes Handeln – gemeinsam auf allen Ebenen“, fordere Bündnis.

In dem Bündnis haben sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), dem Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), dem Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) und der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) als Dachverband der Mauerstein-Industrie zusammengeschlossen. Koordiniert wird das Verbändebündnis vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB). Einmal im Jahr veranstalten die sechs Akteure der Bau- und Wohnungswirtschaft den Wohnungsbau-Tag. Er gelte als der Branchen-Gipfel zum Wohnungsbau in Deutschland.

Statements der Akteure im Verbändebündnis Wohnungsbau

Im Einzelnen äußern sich Vertreterinnen und Vertreter der Mitglieder im Bündnis wie folgt:

GdW-Präsident Axel Gedaschko fordert die Fast Lane für Wohnungsbauprojekte: „Der Wohnungsbau muss jetzt endlich Fahrt aufnehmen. Also: Schluss mit endlosen Diskussionen über Probleme, stattdessen schnelle Umsetzung der notwendigen Maßnahmen. In angespannten Märkten brauchen wir schnell eine „Fast-Lane“ – also einen verbindlichen Abwägungsvorrang – für das Wohnen, bundesweit einen rechtlich verlässlichen Basisstandard, die steuerliche Förderung des EH55 EE und Förderkonditionen, die sich nicht im Wochentakt ändern, sondern endlich eine Planbarkeit ermöglichen.“

BDB-Präsidentin Katharina Metzger vermisst politische Akzente: „Seit dem Wohnungsbau-Tag sind schon wieder zwei Monate vergangen. Es gibt kein Erkenntnisproblem, wie der Koalitionsvertrag zeigt, sondern ein Umsetzungsproblem. Mit Umsetzungen von Maßnahmen zum „Gebäudetyp E“ oder einer neuen Fördersystematik bis Januar 2027 ist die Hälfte der Legislaturperiode vergangen, ohne dass wirklich Akzente gesetzt wurden. Währenddessen stürzt der Wohnungsneubau ab und Kapazitäten verschwinden vom Markt.“

ZDB-Präsident Wolfgang Schubert-Raab sieht in Bauinvestitionen einen Motor für den Wohlstand: „Die Wohnungsnot wächst. Deswegen brauchen wir sofort eine Förderpolitik, die Investitionen in den Wohnungsbau lenkt, damit endlich nach Bedarf gebaut wird. Das ist nicht nur Sozialpolitik. Das ist Wirtschaftspolitik: Bauinvestitionen stärken Handwerk, Industrie und regionale Wirtschaftskreisläufe – sie sind Motor für den Wohlstand unserer Gesellschaft.“

BFW-Präsident Dirk Salewski hebt Wohnungsbau als Wachstumsfaktor hervor: „Die Fertigstellungszahlen beim Wohnungsneubau sind Gradmesser für den Erfolg des Landes insgesamt. Denn die Wertschöpfung beim Wohnungsneubau findet komplett inländisch statt. Ohne ausreichend Wohnungsneubau fehlt das Fundament für Wachstum. Wenn Häuser und Wohnungen fehlen, dann ist das ein knallharter Standortnachteil. Es wird Zeit, dass aus den Ankündigungen endlich Gesetze werden.“

DGfM-Vorsitzender Dr. Hannes Zapf fordert eine Kursänderung: „Der ungebremste Einbruch der Fertigstellungszahlen macht deutlich, dass die bisherigen Maßnahmen keinen spürbaren Erfolg gebracht haben. Deren Fortschreibung und Umstrukturierung wird daher nicht reichen. Es braucht echte Veränderungen, wie Zuschussprogramme und Abschreibungsmöglichkeiten für Selbstnutzer. Wenn die noch vorhandenen Produktionskapazitäten erhalten werden sollen, braucht es eine schnelle Antwort auf die Frage: Kommt da noch was?“

IG BAU-Bundesvorsitzender Robert Feiger weist auf den Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum hin: „Alle gegenwärtigen Versuche, die Wirtschaft anzukurbeln und mehr Menschen in Arbeit zu bringen, müssen ins Leere laufen, solange eine Grundvoraussetzung für funktionierende Arbeitsmärkte nicht erfüllt ist: Ausreichend bezahlbarer und bedarfsgerechter Wohnraum für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Will die Bundesregierung die Bremse beim Wirtschaftswachstum lösen, muss sie den bezahlbaren Wohnungsbau in Schwung bringen.“

Quelle: Verbändebündnis Wohnungsbau

zuletzt editiert am 22. Mai 2026
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