Innenraum des Pavillons
Bis zum 12.6.2022 kann der Pavillon im Rahmen des Fuggerschen Jubiläumsprogramms am Augsburger Rathaus besucht werden. (Quelle: Eckhart Matthäus)

Technik

10. May 2022 | Teilen auf:

Pavillon zeigt Möglichkeiten des Holzingenieurbaus

Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Fuggerschen Stiftungen wurde Anfang Mai auf dem Rathausplatz in Augsburg der interaktive Ausstellungspavillon „Fuggerei NEXT500“ feierlich eröffnet. Züblin Timber verantwortete die Statik, Konstruktion und Umsetzung des einzigartigen Holzbauwerks. Der Pavillon wurde vom für experimentelle Formgebung renommierten Architekturbüro MVRDV in Rotterdam entworfen und ist bis zum 12.6. Teil des Jubiläumsprogramms.

Das aufsehenerregende Bauwerk ist eine Neuinterpretation eines typischen Fuggerei-Wohnhauses mit Satteldach. Es besteht aus einem lang gestreckten Zeilenbau, der nach etwa 10 m in eine 8,50 m lange, ansteigende Auskragung führt. Für die Außenhülle wurden im Züblin Timber-Werk in Aichach 36 bis zu 50 m² große und bis zu 6 t schwere Einzelbauteile aus Leno-Brettsperrholz gefertigt. Für die aufwendigen, mehrfach in sich gekrümmten Freiformflächen kamen ein 3D-CAD-Modell sowie ein modernes 7-Achs-CNC-gesteuertes Bearbeitungszentrum zum Einsatz. Im Anschluss an die Produktion wurde der Pavillon innerhalb von zwei Wochen unter den Blicken neugieriger Passantinnen und Passanten auf dem Rathausplatz montiert.„Eine der Herausforderungen des Projekts war der weit auskragende Teil, der mehr als drei Meter über dem Boden freischwebt. Aufgrund der abhebenden Zugkräfte musste er mit eigens dafür angefertigten 1,8 t schweren, verdeckt eingebauten Stahlteilen sowie mit 2.700 Vollgewindeschrauben verankert werden“, erklärt Rupert Beier, Projektleiter bei Züblin Timber. Darüber hinaus musste der Pavillon so konzipiert und gefertigt werden, dass eine Nutzung auch nach dem Jubiläum und an anderer Stelle möglich ist.Die etwa 130 m³ Brettsperrholz, die in dem Projekt verbaut wurden, stammen zum Großteil aus den nachhaltig beforsteten Fuggerschen Stiftungswäldern. Bezogen auf den jährlichen Zuwachs dieser 3.200 ha großen Forstfläche, braucht diese Menge an Holz drei Tage, um nachzuwachsen und bindet rund 100 t CO2.

Fertigung der bis zu 50 m² großen Einzelbauteile aus Holz.
Die bis zu 50 m² großen Einzelbauteile wurden im Züblin Timber-Werk in Aichach gefertigt. (Quelle: Züblin Timber, Sandra Sitzmann)
Fuggerei Augsburg Außenansicht
Die Fuggerei Augsburg in der Außenansicht (Quelle: Eckhart Matthäus)

„Fuggerei NEXT500“ als weltweites Zukunftsmodell

Die Fuggerei-Reihenhaussiedlung in Augsburg ist die weltweit älteste noch bestehende Sozialsiedlung. 1521 vom Kaufmann Jakob Fugger gestiftet, bietet sie noch heute rund 150 bedürftigen Augsburgerinnen und Augsburgern einen preiswerten Wohnraum. Was schon damals eine Innovation war, erfährt mit dem jetzt eröffneten Holzbauwerk eine moderne und in die Zukunft gerichtete Interpretation. Unter dem Motto „Fuggerei NEXT500“ sollen im Sinne der mit der Fuggerei verbundenen Werte wie Selbstbestimmung, Würde, Nachhaltigkeit und Sicherheit weltweit neue Fuggereien gebaut werden. In Litauen und Sierra Leone gibt es bereits Pläne dazu. Der Pavillon am Rathausplatz wird nach dem 12.6. demontiert und an anderer Stelle für die Bürgerinnen und Bürger Augsburgs wieder aufgestellt.

zuletzt editiert am 10.05.2022