Laut Mitteilung des Sächsischen Holzschutzverbandes fand am 15. März 2025 im Konferenzgebäude des Instituts für Holztechnologie Dresden die 33. Sächsische Holzschutztagung statt. Die laut Veranstalter insgesamt 90 angemeldeten Planer, Sachverständigen und Ausführenden erwarteten u. a. neue Erkenntnisse bei der Feststellung eines Insektenbefalls und dessen Bekämpfung z. B. bei älteren Bauwerken, aber auch Hinweise und Vorschläge bei der Erstellung neuer Holzhausbauten.
Akustische Detektion holzzerstörender Insekten
Ein vorhandener Insektenschaden werfe immer die Frage nach der Befallswahrscheinlichkeit auf, denn nur ein aktiver Befall müsse bekämpft werden. Eine Möglichkeit, diesen zu erkennen, sei bei Hausbocklarven schon immer die Wahrnehmung der Fraßgeräusche gewesen. Während Fraßgeräusche von den größeren Hausbocklarven u. U. ohne technische Hilfsmittel geortet werden können, sei das bei den kleineren Larven von Gewöhnlichem Nagekäfer oder gar Splintholzkäfer ohne technische Hilfsmittel unmöglich. In den vergangenen Jahrzehnten seien mehrere Techniken zu Detektionsversuchen entwickelt worden, was aber lediglich bei Hausbock und Termiten Erfolg gezeigt hatte.
Stefan Biebl (Ingenieurbüro für Holzschutz Benediktbeuern) stellte, so heißt es weiter in der Mitteilung, in seinem Vortrag die Schallemissionsprüfung (englisch: Acoustic Emission „AE“) vor, die in Industrie und Bauwesen zur Überprüfung von Druckbehältern oder auch zur Überprüfung von Spannbetonbrücken angewendet werde. Mit dieser Methode ließen sich auch Körperschallemissionen aktiver Insektenlarven visualisierbar machen. Das in Zusammenarbeit mit Vallen Systems entwickelte mobile IADS-Gerät (IADS = insect activity detection system) zeige in der Praxis gute Ergebnisse bei Larven des Gewöhnlichen Nagekäfers sowie der Splintholzkäfer. Die Vorteile lägen auf der Hand. Ein aktiver Befall könne sofort ermittelt werden. Weitere Untersuchungen zur gezielten Umsetzung in die Praxis seien noch nötig, um die optimale Nutzung des Produktes zu erreichen.
Schlupfwespen gegen den Nagekäfer
Ein vorhandener Insektenbefall sei zwar nicht wünschenswert und sollte nach dem Willen der Auftraggeber schnellstmöglich für immer beseitigt werden, was allerdings nicht realitätsnah sei. Bekämpfungsmaßnahmen würden durchaus vollumfänglich angestrebt, erforderten jedoch unter Umständen einen umfangreichen Zeitrahmen mit entsprechender Beobachtung.
Gerd Wapler (monumentconsult GmbH, Isen) erläuterte in seinem Vortrag die Möglichkeit, Schlupfwespen (Spathius exarator) gegen den Gewöhnlichen Nagekäfer einzusetzen. In der Erzdiözese München-Freising sei ein Forschungsprojekt zur Wirksamkeit in der Praxis angestrebt worden. In insgesamt 15 Kirchen mit 193 Referenzflächen sollte die Veränderung der Befallsstärke nach mehrmaligem Schlupfwespeneinsatz geprüft werden.
In dem fünfjährigen Projekt wurden verschiedene Monitoringmethoden zwecks Erfassung der jahresbezogenen Ausfluglöcher von Nagekäfern und Schlupfwespen eingesetzt. Da in 12 von 15 Kirchen ein natürliches Vorkommen von Schlupfwespen (Spathius exarator) nachgewiesen wurde, könnte auf ein ausreichendes Vorhandensein von Nagekäferlaven geschlossen werden. Eine deutliche Reduzierung der Larven des Gewöhnlichen Nagekäfers sei nachgewiesen worden. Da die Schlupfwespen von Kirchenbesuchern kaum bemerkt wurden, werde diese Maßnahme auch nicht als störend empfunden. Neben anderen Methoden der Bekämpfung holzzerstörender Insekten könne die Schlupfwespenbehandlung durchaus in Zukunft einen Beitrag zum Erhalt von Holzobjekten und Kunstwerken in Kirchen leisten. Ob als Einzelmaßnahme oder als Teil eines Gesamtkonzeptes – eine sachkundige Beurteilung und Begleitung sei bei allen Schritten unabdingbar.
Baufeuchtemanagement beim Geschossbau von Holzbauten
Ausgehend von DIN 68800-1 beschreibe der Begriff Holzschutz in der heutigen Zeit die Anwendung von „Maßnahmen, die eine Wertminderung oder Zerstörung von Holz und Holzwerkstoffen besonders durch Pilze, Insekten oder Meerestiere verhüten sollen und damit eine lange Gebrauchsdauer sicherstellen“. Hiermit sei in erster Linie der baulich-konstruktive Holzschutz gemeint. Veränderungen im Holzbau seien dahingehend anzutreffen, dass Gebäude zunehmend aus Holz gebaut werden. Offensichtlich nehme auch die Größe der Gebäude zu. Pilzschäden an Holzkonstruktionen seien immer die Folge von zu hoher Feuchtigkeit, die in die Konstruktion eingedrungen sei und nicht schnell genug oder gar nicht abgeleitet worden sei. Da Feuchteschäden eine sehr große Gefahr für das Holzbauwerk seien, müsse sich ein Planer zuerst mit der Frage befassen, wie die Holzkonstruktion während der Bauphase zu schützen sei.
Michael Förster (proclima, Schwetzingen) verwies laut Mitteilung in seinem Vortrag auf bekannte Normen und Regelwerke, die wichtige Informationen z. B. zur Qualitätssicherung an Holzbauwerken enthalten würden. Die Erstellung eines Witterungsschutzkonzeptes sollte unvorhersehbare Wetterereignisse nicht außer Acht lassen, denn bei Notfallmaßnahmen müsse umgehend reagiert werden können. Obwohl die Vorteile eines exquisiten Bauwerksschutzes (z. B. durch Schutzdächer ab Beginn der Arbeiten) bekannt, aber teuer seien, werde öfter mit einem Bauteilschutz gearbeitet. Optimal sei das Aufbringen von Bauteilschutzmaterialien bereits in der Vorfertigung.
Witterungsschutz auf der Baustelle müsse bereits bei der Planung beginnen. Die Kosten für den Witterungsschutz seien kalkulierbar – die Kosten für eine Schadensbeseitigung nicht abzusehen.
Holzschutzaspekte am Praxisbeispiel eines modernen Massivholzgebäudes in Dresden
In heutiger Zeit stünden wir beim Neubau von umfangreichen Holzkonstruktionen vor weit größeren Anforderungen als unsere Vorfahren, so der Sächsische Holzschutzverband. Grundsätzliche und besondere bauliche Maßnahmen seien in der DIN 68800-2 aufgelistet, deren Umsetzung in der Praxis erfordere umfangreiche Kenntnisse und Fähigkeiten. Die Planung aller Holzschutzmaßnahmen müsse rechtzeitig erfolgen.
Marlene Brugger und Thomas Kanthak (RKA Architekten Dresden) berichteten in ihrem Vortrag zu den Erfahrungen, einen Massivholz-Neubau als Bauleiter und Baubetreuer zu begleiten. Feuchteschutz, Schallschutz, Wärmeschutz, Umweltschutz, Klimaschutz seien zu beachten. Eine besondere Rolle im Holzhausbau komme dem Brandschutz zu. Die länderbezogenen Forderungen seien unbedingt zu erfüllen.
Die Qualität des Umgangs mit den Massivholzelementen auf der Baustelle hänge im großen Maß vom Witterungsschutz für diese Elemente ab. Somit könne der Feuchteschutz als wichtigster Holzschutz verstanden werden. Regen und Schnee, Feuchteeintrag durch zu hohe Luftfeuchte, fehlende Dämmung, Feuchteeintrag durch andere Gewerke, aber auch Leckagen und Havarien könnten enorme Probleme und spätere Schäden verursachen. Feuchteschutz könne aber nur ordentlich ausgeführt werden, wenn er auch geplant würde.
Planungsänderungen während der Bauphase führten zu einem vorher nicht kalkulierten, erhöhten Aufwand, was Nachfinanzierungen nötig mache. Im Holzbau sollten wasserführende Leitungen nicht in den Fußböden, sondern wegen der besseren Erreichbarkeit in Vorwänden oder Abhangdecken verlegt werden. Wenn zukünftig im Holzhausbau noch mehr Wert auf die Vorfertigung mit gleichzeitiger Beachtung des Bauteilschutzes gelegt werde, werde auch die Qualität der Ausführung verbessert werden und den Erfolg im Holzhausbau gewährleisten.
