Dieses Bild zeigt ein modernes, geometrisch gestaltetes Gebäude mit einer markanten Fassade, umgeben von wilden Grünflächen und einigen Bäumen unter einem bewölkten Himmel. Im Vordergrund führt eine Treppe zum Eingang des Gebäudes.
Die Holzkonstruktion mit V-förmigen Stützen und transparenter Fassade ist auch als Statement zu verstehen. Sie zeigt die ressourcenschonende Holzbauweise und steht für den offenen Austausch, der in der Innovationsfabrik 2.0 stattfinden soll. (Quelle: Achim Birnbaum)

Technik 2024-06-28T09:12:12.275Z Ein Fachwerk für neue Ideen

Die Innovationsfabrik 2.0 in Heilbronn ist wie geschaffen für zukunftsweisende Ideen. Weithin sichtbar präsentiert der Kubus seine Holzkonstruktion als Sinnbild für den durchlässigen Wissensaustausch, der hier stattfinden soll. Im Inneren bietet der Holzbau – realisiert vom Schweizer Holzbauunternehmen Blumer Lehmann – viel Offenheit und ein natürliches Raumklima für kreatives Schaffen.

Seit dem Frühjahr beziehen die Mieterinnen und Mieter ihre Büros, Werkstätten und Ateliers in der neuen fünfgeschossigen Innovationsfabrik 2.0 im Heilbronner Zukunftspark. Vor allem Start-ups und Unternehmen der Kreativwirtschaft schaffen hier nach und nach neue Arbeitswelten. Der Schweizer Holzbauunternehmen Blumer Lehmann wurde direkt von der Bauherrschaft, der Stadtsiedlung Heilbronn, mit der Planung und Ausführung des gesamten Holzbaus beauftragt. Der Bau- und Immobiliendienstleister Implenia realisierte das Gebäude schlüsselfertig nach den Plänen von Waechter + Waechter Architekten.

Holz als Tragstruktur – und als Statement

Die transparente Architektur des Holz-Hybrid-Gebäudes mit seiner sichtbaren Holzkonstruktion ist einerseits inspiriert von den historischen Fachwerkhäusern des Heilbronner Landes. Anderseits symbolisiert sie den durchlässigen Wissensaustausch, den die Innovationsfabrik fördern will. Wie bei Holz-Hybrid-Bauten üblich, besteht die Konstruktion aus vorgefertigten Elementen. Sowohl die sichtbare Holzkonstruktion als auch die Holzbalken für die Decken und die Schalungen aus Holzwolle-Leichtbauplatten wurden im Werk von Blumer Lehmann in transportfähiger Größe vorgefertigt und auf der Baustelle montiert.

Dieser hohe Vorfertigungsgrad der Bauteile ermöglichte eine kurze Bauzeit. Jedoch stellten die enormen Dimensionen der Bauteile die Holzbauspezialisten auch vor die größte Herausforderung bei diesem Projekt. So erforderte die Produktion der Elemente nicht nur geeignete Hebemittel, sondern auch den passenden Produktionsstandort. Hinzu kam die logistische Herausforderung des Transports vom Produktionsstandort von Blumer Lehmann in Großenlüder nach Heilbronn sowie die Montage, bei der die Elemente mit einem Kran eingehoben werden mussten.

 Bauelemente wie Möbel

Das Prinzip von viel sichtbarem Holz setzt sich auch im Inneren fort. So sind in den lichtdurchfluteten Kommunikations- und Begegnungszonen die Holzbalken der Konstruktion sichtbar. Auch architektonisch sind die Holzelemente Teil des Innenausbaus und wurden beispielsweise mit Steckdosen versehen. Insgesamt blieb die Konstruktion im ganzen Gebäude unverkleidet und sichtbar. „Wir haben die Holzbauteile wie Möbelstücke behandelt, damit sie die Bauphase sauber und ohne Kratzer überstehen“, blickt Projektleiter Christian Giger auf die umsichtigen Bauarbeiten zurück. Das erforderte vom Holzbau-Team von Blumer Lehmann besondere Sorgfalt und Vorsicht im Umgang mit den einzelnen Bauteilen. Dem Transport, der präzisen Verarbeitung, einem zuverlässigen Wetterschutzkonzept sowie dem Montagekonzept kam deshalb eine noch größere Bedeutung zu als ohnehin schon.

Präzision über fünf Stockwerke

Eine weitere knifflige Aufgabe für Projektleiter Giger und sein Holzbau-Team waren die V-förmigen Fassadenstützen, die das architektonische Erscheinungsbild prägen. Damit die V-Stützen bis ins fünfte Obergeschoss formschlüssig ineinander greifen, war eine starke Ingenieurleistung gefragt. Höchste Präzision bei Planung, Fertigung und Montage sowie häufige Abstimmungen im Projektteam waren unabdingbar. Erst bei der Montage auf der Baustelle und im Zusammenspiel mit allen äußeren Einflüssen sollte sich schließlich zeigen, ob die Elemente tatsächlich wie geplant zusammenpassen würden. Denn selbst kleinste Abweichungen würden sich bei dieser enormen Höhe zu großen Unstimmigkeiten summieren.

„Die Schwierigkeit beim Holzbau in diesen Dimensionen sind die Toleranzen“, sagt Giger. Denn: „Schon die Produktionsmaschine hat eine Toleranz von 1 bis 2 mm. Dazu kommt, dass Holz schwindet und quillt. Und dass die hölzernen V-Stützen im Erdgeschoss mit Beton und Stahl in Verbindung stehen und somit andere Toleranzen gelten.“ Diese unterschiedlichen Toleranzen und die Passgenauigkeit der riesigen Bauteile standen deshalb bei der Montage im Mittelpunkt. Am Ende passte alles. Über alle fünf Geschosse hinweg bis hinauf zum Dach trafen die Stützen exakt aufeinander. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Holzspezialisten zusätzlich auf Nummer sicher gingen, indem sie die Konstruktion laufend mit dem Tachymeter vermaßen und die Daten in das 3D-Planungsmodell übertrugen. So konnten sie ständig Ist- und Soll-Zustand vergleichen und – wenn nötig – Anpassungen vornehmen.

Flexibler Raum mit Atmosphäre

Die Fachwerkstruktur des Holz-Hybrid-Gebäudes verleiht ihm sein unverwechselbares Aussehen und dient gleichzeitig der Aussteifung des Gebäudes. So sind im Inneren der Innovationsfabrik keine Stützwände notwendig. Der Raum kann flexibel aufgeteilt und genutzt werden. Und: Der nachhaltige Baustoff Holz sorgt auch im Innenraum für eine ruhige und angenehme Atmosphäre, die das kreative Schaffen fördern soll.

zuletzt editiert am 28. Oktober 2025
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