Holzlager, Bauprodukte Quelle: bmH bauen mit Holz
Quelle: bmH bauen mit Holz

Holzmangel

11. May 2021 | Teilen auf:

Gegenmaßnahmen zum Holzmangel: Exportverbot, Sägestreik oder mehr Holz ernten?

Der Holzhunger der USA ließ die Preise für exportiertes Holz deutlich ansteigen und liegt für in die USA exportiertes Fichten-/Tannen-Schnittholz im Februar 2021 um 50 % höher als im Vorjahresmonat, gegenüber Februar 2019 sogar 66 % höher. Die Erzeugerpreise im Inland stagnieren dahingegen. Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks beleuchtet Ursachen und mögliche Gegenmaßnahmen.

Der Index der Erzeugerpreise der Produkte des Holzeinschlags aus den Staatsforsten (ohne Umsatzsteuer) war im Februar 2021 mit einem Stand von 72,7 (2015 = 100) um 0,4 % höher als im Vormonat (Januar 2021) und um 2,3 % niedriger als im entsprechenden Vorjahresmonat (Februar 2020). Die indexierten Preise für Stammholz und Stammholzabschnitte blieben mit einem Stand von 71,6 (2015 = 100) im Durchschnitt unverändert gegenüber dem Vormonat (Eiche Stammholz ± 0,0 %, Buche Stammholz +2,1 %, Kiefer +0,8 %, Douglasie +0,5 %; dagegen Fichte -0,5 %). Die Erzeugerpreise für Industrieholz sind im Durchschnitt um 1,2 % gestiegen (Nadelholz +4,1 %; dagegen Laubholz -1,3 %).

Grafik 1: Ergebnisse der ZVDH-Umfrage April 2021 Beim Lattholz meldeten rund 60 % der Betriebe eine Preissteigerung von mehr als 50%, vereinzelt wurde sogar eine Verdreifachung des Preises beobachtet. 45 % Lieferanten hielten sich für einen Tag an das Angebot und rund 44% hielten ihr Angebot für eine Woche

Gegenmaßnahme: Exportverbot von Holz

Im Januar und Februar lagen die deutschen Ausfuhren von Nadelschnittholz (inklusive Hobelware) mit 1,56 Mio. m³ auf dem Niveau der Vorjahresperiode: Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband erklärt: Aktuellen Zahlen zeigen, dass die Produktion von Holzprodukten auch im Februar mit einem Plus von mehr als 11 % nochmal deutlich gestiegen, der Export mit einer Steigerung von 0,7 % jedoch nahezu unverändert auf Vorjahresniveau geblieben ist. Insgesamt habe die Nadelschnittholzproduktion in Deutschland mit über 25 Mio. m3 (+8 %) im vergangenen Jahr einen neuen Rekord erreicht.

Die Branche fahre ihre Produktionskapazitäten seit Jahren aus, um Schadholz schnellst möglich zu verarbeiten. Begrenzungen in der Schadholzaufarbeitung entstünden unter anderem wegen unzureichender Möglichkeiten in Lagerung, Transport und Logistik. Manche Produkte erfordern zudem in der Herstellung frisches Holz. Einige Unternehmen seien zudem wegen der Einschränkungen durch das Forstschäden-Ausgleichsgesetz, das die Verfügbarkeit von Fichtenfrischholz in diesem Jahr limitiert, bezüglich Investitionen verunsichert.

Insgesamt ist also kein Exportanstieg zu verzeichnen. Es gibt allerdings Verschiebungen bei den Abnehmerländern: Durch das gewaltige Corona-Hilfspaket der US-Regierung fließt offenbar auch ein Teil des Geldes in die US-Holzindustrie. Diese kann dann im Import sehr viel höhere Preise zahlen. So haben die Amerikaner allein in den ersten beiden Monaten 2021 rund 33 % mehr Nadelschnittholz aus Deutschland importiert und 22 % mehr Laubschnittholz.

In beiden Bereichen ist Deutschland – deutlich nach Kanada – jetzt der zweitgrößte Lieferant. Die Exporte nach Österreich legten in diesem Zeitraum (Januar/Februar 2021) um 10 % auf 152.000 m3 und nach Frankreich um 9 % auf 143.000 m3 zu. Konstant blieben hingegen die Mengen in die Niederlande (142.000 m3 ) und nach Belgien (130.00m3 ). Die prozentual größten Zuwächse erzielte Deutschland mit einem Plus von 74 % auf 127.000 m3 in Richtung Großbritannien, während die Lieferungen nach Italien (86.000 m3 ; -11 %), China (79.000 m3 ; -46 %) und Indien (36.000 m3 ; -29 %) deutlich zurückgingen. Insgesamt wurde also nicht mehr Holz exportiert als in den Vorjahren.

Gegenmaßnahme: Aufruf zum Sägestreik

Die deutsche Forstwirtschaft ruft zu Gegenmaßnahmen auf. Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Georg Schirmbeck, forderte die Waldbesitzer in Deutschland zum „Sä gestreik“ auf und erklärt: Waldbauer erhalten im Schnitt zwischen 70 und 75 Euro pro Festmeter Fichtenholz. Später werde das Schnittholz für ein Vielfaches auf dem Weltmarkt weiterverkauft. Es sei genügend Holz da, man erlebe eine riesige Spekulationsblase. Einige wenige große Holzhandelskonzerne dominierten den Markt.

Dies wiederum sieht die Arbeitsgemeinschaft Rohholz kritisch und sagt: „Forderung nach Einschlagsstopp sendet falsches Signal“. Aus Sicht der AG Rohholz trage dies eher dazu bei, den Markt weiter zu verunsichern. Panikkäufe verknappten das Angebot und die er hoffte Entspannung rücke in weite Ferne.

Arbeitsgemeinschaft Rohholz: "Forderung nach Einschlagsstopp sendet falsches Signal"

Gegenmaßnahme: Einschlagbeschränkung von Fichten aufheben

Eine aktuell in Kraft getretene Verordnung schränkt den erlaubten Einschlag von Fichten deutlich ein. Durch sie wird der Fichteneinschlag im Forstwirtschaftsjahr 2021 auf 85 % des Durchschnitts der Jahre 2013 bis 2017 begrenzt. Die Einschlagsbeschränkung gilt rückwirkend ab dem 1. Oktober 2020 bis zum 30. September 2021. Sie gilt für Holz, das nicht vom Borkenkäfer befallen ist. Das politische Instrument war gedacht, um den Markt zu beruhigen und die Preise zu stabilisieren nach dem sehr hohen Anfall von Schadholz in den vergangenen Jahren (Forstschäden-Ausgleichsgesetz).

Die Auswirkungen werden wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte 2021 wirksam. Dann werden viele Forstbetriebe ihre Quote ausgeschöpft haben. Gleichzeitig zur hohen Marktnachfrage käme es dann zu einer künstlichen Verknappung des Rohstoffangebots.

Die Folge: die dramatische Lage auf dem Holzproduktmarkt könnte sich weiter verschärfen. Aber auch gibt es hier wieder zwei Meinungen, denn die Verordnung bringt Waldbesitzern auch Vorteile: Laut dem Beratungsunternehmen Ecovis bringt die Verordnung für Waldbesitzer steuerliche Erleichterungen: Zur Abgeltung der Betriebsausgaben dürfen Steuerpflichtige, die nicht buchführungspflichtig sind und den Gewinn nicht durch Bilanzierung ermitteln, im Jahr der Einschlagsbeschränkung 90 Prozent der Einnahmen abziehen. Außerdem gilt für alle Kalamitätsnutzungen für den Zeitraum der Einschlagsbeschränkung ein ermäßigter Steuersatz bei der Einkommensteuer.

Holzeinschlag insgesamt, Schadholzeinschlag und durch insekten verursachtes Schadholz. Foto: Statistisches Bundesamt, Destatis, 2021

Die Folgen: Der Holzmarkt ist zweigeteilt

Während die Holzpreise für Waldbesitzer nur ganz langsam steigen, verdienen viele Sägewerke und Exporteure richtig Geld. Auf der anderen Seite schlagen aktuell viele Waldbesitzer wegen der sehr niedrigen Preise viel weniger Holz als üblich. Das heißt: Der Markt ist extrem knapp versorgt und Holz ist derzeit Mangelware. Leidtragende sind neben den Waldbesitzern, die mit den sehr niedrigen Preisen zurechtkommen müssen, viele Handwerker und die heimische Bauindustrie, die auf das Bauholz angewiesen sind. Sie müssen für die überhaupt noch auf dem Markt verfügbare Ware oftmals sehr hohe Aufschläge zahlen. Lieferanten halten ihre Angebote oft nur noch tageweise, höchstens für eine Woche.

Baustellenstopps, Kurzarbeit, verschobene oder stornierte Aufträge und Konventionalstrafen sind die direkten Folgen für Handwerksbetriebe. Auch bleiben die Betriebe auf den unvorhergesehenen hohen Kosten sitzen. Für Bauherren, also Verbraucher, wird Bauen teurer. Zudem ist die Energiewende in Gefahr, wenn im alten Gebäudebestand nicht genügend energetisch saniert werden kann.

Ab 2022 will Russland ein Exportverbot für Rundholz in Kraft setzen. Das betrifft vor allem China, in geringerem Maße auch Finnland. China wird zunächst seinen Rundholzbedarf von woanders her decken und mittelfristig auf Schnittholzimporte umstellen. Beides kann unter anderem aus Europa kommen. Das wird die Lage weiter verschärfen.

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