Anfang des Jahres sorgte die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e. V. (DGfM) mit der Meldung „Stein ist grün und günstiger als Holz“ für Aufsehen in der Holzbaubranche. Diese Meldung blieb von der Holzbaubranche nicht unkommentiert. Wir haben die wichtigsten Aussagen beider Seiten gegenüber gestellt. Markus Langenbach
Deutscher Holzwirtschaftsrat e.V.
Der Deutsche Holzwirtschaftsrat (DHWR) zeigt sich verwundert über die Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM), in der verschiedene Vorteile von Holz als Baustoff in Frage gestellt wurden. Denn die besonderen Leistungen von Holz beispielsweise bezüglich Klimafreundlichkeit und Vorfertigung bleiben unbestritten. Zukünftige Herausforderungen sind nur mit allen Baustoffen zu bewältigen
Die Leistungen von Holz als Baustoff in Frage zu stellen, ist aus DHWR-Sicht weder zeitgemäß noch zukunftsträchtig. Zahlreiche Richtlinien und Gesetze haben bislang den Holzbau rechtlich benachteiligt. Angesichts zunehmender Urbanisierung und Wohnungsknappheit hat die Branche erst kürzlich beim Kongress „Das Ende der Steinzeit – Holz für die Märkte von Morgen“ darauf gedrängt, endlich eine Gleichstellung der Baustoffe zu erreichen und die Vorteile von Holz zu nutzen. Dass in Deutschland ausreichend Holz zur Verfügung steht und auch mehr Holz nachwächst als geerntet wird, hat die letzte Bundeswaldinventur wieder exemplarisch gezeigt.
Vor diesem Hintergrund hat die Branche mit dem WWF eine gemeinsame „Zukunftsoffensive Holzbau“ entwickelt, in der sie die drängenden Handlungsfelder für die nächsten Jahre benennt.
Dass Holz nicht dogmatisch als alleiniger Baustoff genutzt werden muss, versteht sich von selbst. Große Erfolge können beispielsweise mit einer Hybridbauweise erreicht werden, bei der die jeweils verwendeten Baustoffe danach ausgewählt werden, für welche Eigenschaften sie an entsprechender Stelle am besten geeignet sind. Aus Sicht des DHWR ist es daher unerlässlich, dass die Branche den Herausforderungen der Zukunft gemeinsam begegnet. Bezüglich des Vergleichs von Holzbau- und Massivbaukonstruktionen weist der DHWR auf folgende Sachverhalte hin:
Zur LCEE-Studie
Die genannte Basisstudie der TU Darmstadt und LCEE-Life Cycle Engineering über die Ökobilanz von Transportholz ist nicht konform mit den aktuellen Normen der Ökobilanzierung gerechnet. Außerdem ist die Studie nicht durch eine kritische Prüfung verifiziert. Was sie darstellt ist eine Berechnung für den Auftraggeber ohne jegliche Überprüfung.
Zur Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft und zur Biodiversität
Fakt ist, dass die Gesamtwaldfläche in Deutschland nach der letzten Bundeswaldinventur (2012) in den letzten zehn Jahren um 50.000 Hektar gewachsen. Fakt ist auch, dass wir weniger nutzen als zuwächst: Einem jährlichen Holzzuwachs von 122 Millionen Kubikmetern Biomasse Holz steht eine jährliche Nutzung von nur 76 Millionen Kubikmetern verwertbaren Holzes gegenüber. Jedes Jahr verzichten die Waldeigentümer auf 11 Millionen Kubikmeter Holz, um es zur Förderung der Biodiversität verrotten zulassen. Im Jahr 2012 befanden sich circa 225 Millionen Kubikmeter Totholz im Wald. Das entspricht der dreifachen jährlichen Holzerntemenge. Dies entspricht der Hälfte des jährlichen Brennholzbedarfs der deutschen Haushalte und einem Wert von circa 550 Millionen Euro.
Zum Thema Nadelholz in Deutschland
Fakt ist, Nadelholz ist mit 85 Prozent des eingesetzten Holzes der wichtigste nachwachsende Rohstoff für die Bauwirtschaft. Fakt ist weiterhin, dass der Holzvorrat des Nadelholzes zwischen 2002 und 2012 zugenommen hat. Gelichzeitig gibt es zahlreiche Innovationen, um mehr Laubholzprodukte auch im konstruktiven Baubereich einzusetzen. Deutschland exportiert mehr Nadelbauholz als es importiert, so dass es weiteres Potenzial für eine Nachfragebefriedigung aus inländischer Produktion gibt. Darüber hinaus stehen den Nachbarländern Deutschlands ungenutzte Nadelholzvorräte, mit denen eine mitteleuropäische Nachfragesteigerung nach Bauholz befriedigt werden könnte.
Kosten Check
Die Baukosten eines Gebäudes, das überwiegend in Holzbauweise errichtet wird, liegen auf einem Niveau, das vergleichbar mit der konventionellen Bauweise ist. Für die Kostenbilanz des Holzgebäudes spricht allerdings, dass ohne größeren Mehraufwand höhere Energiestandards erreicht werden können, was die laufenden Betriebskosten senkt. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Massivbau – und Holzbauweise ist, dass die Holzbaukonstruktionen als Gesamtheit eben im Schlüsselbau zu sehen sind .
Faktor Zeit: Modulbauweisen/ Serielles Bauen
Speziell als während der Flüchtlingskrise zuletzt schnell Wohnraum benötigt wurde, konnte der Holzbau seinen Zeitvorteil ausspielen. Durch die hohe Vorfertigung der Holzbauelemente, bei der die Gebäudetechnik bereits integriert ist, sind die Bauzeiten deutlich schneller als bei Gebäuden in Massivbauweise mit nachlaufender Gebäudetechnik.
Sicherheit und Brandschutz
Grundsätzlich gelten im Brandschutz bei Gebäuden für alle verwendeten Materialien bzw. Baukonstruktionen dieselben bauordnungsrechtlichen Anforderungen. Für unterschiedlich verwendete Baustoffe sind immer die baurechtlich geforderten Feuerwiderstandsdauern nachzuweisen. Auch im Holzbau werden mit allen erforderlichen Baumaßnahmen die brandschutztechnischen Ziele eingehalten. Ähnliches gilt für die baurechtlichen Einhaltungen des Wärme- und Schallschutzes.
Effektives Energiesparen im Holzbau
Insgesamt erfüllen mehr als drei Viertel aller heute gebauten Holz(fertig)häuser die Energieeffizienzklasse hoch bis höchst energieeffizient (KFW 55/KFW 40/KFW 40+) und sind entsprechend zukunftsfähige und werthaltige Gebäude, die durch den Bund gefördert werden. Während sich der konventionelle Bau schwer tut, überhaupt die gesetzlichen Mindestanforderungen zu erfüllen.
