Ein Stapel von Sperrholzplatten in einer industriellen Presse.
Kern des holzbewehrten Holzes ist die Superlamelle. Dieses Bild zeigt, wie in der Forschungswerkstatt der TU München die Furniere verpresst werden. (Quelle: Niklas Kainz, TUM)

2026-05-13T13:37:08.797Z Holzbewehrtes Holz: Mehr Tragfähigkeit durch Superlamellen

Holzbewehrtes Holz verbindet die bewährten Eigenschaften von Nadel-Brettschichtholz mit einer gezielten Verstärkung durch Laubholzfurniere – der sogenannten Superlamelle. Hierfür wurden jetzt wirtschaftliche und digital gestützte Produktionsprozesse entwickelt. Die Ergebnisse zeigen laut Pressemitteilung der FNR neue Marktchancen für den Holzbau sowie eine Steigerung der Tragfähigkeit und Robustheit von Holzbauteilen – insbesondere bei konstruktiven Schwachstellen wie Durchbrüchen oder Anschlüssen. 

Die Entwicklung des Brettschichtholzes Anfang des 20. Jahrhunderts war ein Meilenstein für den modernen Holzbau, da nun durch das Verleimen mehrerer Holzschichten deutlich größere und belastbarere Bauteile möglich wurden. Doch trotz seiner hohen Tragfähigkeit und Formstabilität weist BSH, wie es im Fachjargon genannt wird, durch die Verwendung von Nadelholz materialtypische Schwächen auf – insbesondere bei Beanspruchungen quer zur Faser.

Vom Brettschichtholz zur Weiterentwicklung

Vor diesem Hintergrund wurde Anfang der 2020er Jahre am Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion der Technischen Universität München das Konzept des holzbewehrten Holzes (HBH) entwickelt. In einem ersten Forschungsvorhaben konnten die grundlegenden mechanischen Eigenschaften untersucht und nachgewiesen werden, dass sich durch die gezielte Kombination von Brettschichtholz mit hochfesten Furnierlagen die Tragfähigkeit in kritischen Bereichen deutlich steigern lässt.

Im nun abgeschlossenen Forschungsvorhaben „HBH_Teil_2“ lag der Fokus auf der Weiterentwicklung hin zu einer wirtschaftlichen Herstellung sowie der Vorbereitung der praktischen Anwendung.

Ein massiver Holzbalken in einer Werkstattumgebung, der die Maserung und Struktur des Holzes zeigt.
Stirnansicht eines Trägers aus holzbewehrtem Holz (HBH): In der Mitte des neuartigen Holzbauelements ist die integrierte Furnierbewehrung, die sogenannte Superlamelle, gut zu erkennen. Sie trägt zur Steigerung der Biege- und Zugfestigkeit bei. (Quelle: Niklas Kainz, TUM)

Superlamelle als Schlüssel zur höheren Tragfähigkeit

Kern des HBH-Konzepts ist die sogenannte Superlamelle aus Furnierschichtholz. Sie wird gezielt in den Querschnitt integriert und trägt dazu bei, die je nach Richtung unterschiedlichen Festigkeiten – also die sogenannten anisotropen Materialeigenschaften des Holzes – auszugleichen.

So entsteht ein stabförmiges Holzprodukt mit deutlich verbesserter Tragfähigkeit und Robustheit, das insbesondere eine Alternative zur Verstärkung von Holzkonstruktionen mit speziellen Geometrien ist – etwa bei Satteldachträgern oder Trägern mit Durchbrüchen. Außerdem bietet es Laststeigerungspotenzial bei einer Vielzahl von Anschlusssituationen wie biegesteifen Stößen oder Hirnholzverbindungen.

Diagramm des Prozesses der Furnierverarbeitung mit Klebstoffauftrag, Auflegen auf das Pressbett, Verpressen und Ausschneiden.
Schneiden, kleben, sortieren und legen. Im Projekt wurde der Produktionsprozess der Superlamellen erprobt, hier ein Schema für eine Standard-Superlamelle. (Quelle: Julia Larikova, TUM)

Getrennte Produktion – gemeinsam stabiler

Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist ein Produktionskonzept, bei dem die Herstellung von Superlamelle und Gesamtbauteil voneinander getrennt wird. Diese Aufteilung ermöglicht eine flexible Fertigung und führt zu Zeitersparnissen.

Zugleich eröffnet sie neue Marktchancen für kleine und mittelständische Unternehmen: Während die Superlamellen beispielsweise bei Furnier- oder Sperrholzherstellern produziert werden können, erfolgt die Weiterverarbeitung zu holzbewehrtem Holz etwa bei den Zimmereien mit etablierten Verfahren wie der Blockverklebung.

Ein Holzstück wird in einer Pressvorrichtung getestet, um seine Druckfestigkeit zu bestimmen.
Bestimmung von mechanischen Kenngrößen war ein Ziel der Projekts HBH_Teil_2, etwa mit einem Druckversuch an einem Ausschnitt einer Superlamelle. Dank der Struktur wird die Fähigkeit zur Querbelastung des Holzwerkstoffs deutlich erhöht. (Quelle: Niklas Kainz, TUM)

Digitale Fertigung und Materialwahl

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung digital gestützter Fertigungsansätze. Durch robotergestützte Verfahren und digitale Planung sollen Superlamellen künftig anforderungsgerecht ausgelegt und dann mit entsprechend angepasster Leistungsfähigkeit hergestellt werden können.

Hierfür wurden verschiedene Produktionsmethoden untersucht, darunter das robotergestützte Ablegen von Furnierstreifen, der CNC-Zuschnitt individueller Furniersegmente sowie segmentierte Fertigungskonzepte.

Eine Materialprüfmaschine, die einen Holzstab auf Druckfestigkeit testet.
Zugversuch an einer Superlamelle. Die materialtypischen Schwächen von Holz werden durch Furnierlagen ausgeglichen. (Quelle: Niklas Kainz, TUM)

Als besonders geeignetes Material für die Furniere wurde die Buche identifiziert, die aufgrund ihrer hohen Festigkeit und guten Verfügbarkeit in Deutschland überzeugt. Für die Verklebung haben sich insbesondere PRF- und MUF-Klebstoffe bewährt.

Perspektiven für die Praxis

Die Ergebnisse des Projekts zeigen laut FNR, dass HBH eine leistungsfähige und wirtschaftlich herstellbare Weiterentwicklung des Brettschichtholzes darstellt.

Eine Anwendung ist demnach bereits heute möglich, beispielsweise im Rahmen von Pilotprojekten mit Zustimmungen im Einzelfall. Damit soll ein entscheidender Schritt zur praktischen Umsetzung und Markteinführung dieses neuen Holzbauprodukts erreicht wurden sein.

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zuletzt editiert am 13. Mai 2026