Ludwig Dünschede hinter einem Rednerpult (Quelle: Der Zimmermann)
Ludwig Dünschede vom Holzbauunternehmen Gisbert Dünschede GmbH aus Arnsberg gab den Anwesenden anhand verschiedener umgesetzter Beispiele einen Einblick, wie der Holzbau klug umgesetzt werden kann. (Quelle: Der Zimmermann)

Veranstaltungen

24. March 2022 | Teilen auf:

Holz(um-)bau und Handwerk

Die Bundesstiftung Baukultur lud am 23. März 2022 zu der Tagung „Holz(um-)bau und Handwerk“ nach Arnsberg im Sauerland ein. Die Veranstaltung legte den Fokus darauf, wie regionaler Bestand klug, nachhaltig und passend zur Region weiterentwickelt werden kann. Auch der Holzbau spielt dabei eine Rolle.

Der Veranstaltungsort war nicht zufällig gewählt. Vielmehr nahm die Südwestfalen Agentur als Mitveranstalterin die Tagung zum Anlass, das Modellvorhaben „Sauerland-Baukultur /Strategien für Südwestfalen“ zu präsentieren. Dr. Stephanie Arens von der Südwestfalen Agentur GmbH stellte das — im Rahmen des vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Strukturprogramms Regionale 2025 —Modellvorhaben vor. Sie erläuterte, wie es dazu beitragen möchte, eine kluge Bestandsentwicklung in Südwestfalen zum Erhalt der örtlichen Identität und Schonung von Umweltressourcen zu fördern. Ein Baustein dazu ist das Haus der Baukultur, das verarbeitende Unternehmen unter einem Dach vereinen und eine Bau- und Gestaltungberatung für alle am Bau Beteiligten bieten möchte. Dabei verpflichtet es sich dem ressourcenschonenden und nachhaltigem Bauen, also auch dem Bauen mit Holz und arbeitet eng mit dem Zentrum Holz in Olsberg zusammen.

Auch der Werkraum Bregenzerwald sieht sich als Kompetenzzentrum für das Handwerk und die Baukultur, wie Belinda Rukschcio als dessen Leiterin erläuterte. 26 Gewerke finden sich dort unter einem Dach und gestalten den Werkraum als Plattform und Ort für Austausch, Kooperation und Motivation. In diesem Rahmen wurde beispielsweise das Werkraumhäuschen als Anschauungsobjekt für das kreislaufgerechte Bauen und regionaltypische Bauen erstellt.

Dr. Diana Wiedemann stellte das Bauwerk Schwarzwald vor. (Quelle: Der Zimmermann)

Als drittes stellte Dr. Diana Wiedemann das Bauwerk Schwarzwald vor, deren Vorstandsvorsitzende sie ist. Die Leitidee des Kompetenzzentrums ist es, die im Schwarzwald regionalspezifische Bau- und Handwerkskultur zu fördern und eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne, Architektur, Handwerk und Design, Forschung und Ausbildung, Experiment und Praxis zu schaffen. „Jedes Gebäude wirkt nach außen. Damit ist die Gestaltung der äußeren Erscheinung keine Privatsache, sondern sie muss sich in die Umgebung einfügen,“ stellt Dr. Diana Wiedemann deutlich klar. Auch das Bauwerk Schwarzwald bietet den Bauschaffenden entsprechende Beratungen an.

Vom Netzwerken in die Praxis

Nachdem sich die drei Netzwerke vorgestellt hatten, erläuterte Prof. Christian Schlüter, acms Architekten aus Wuppertal, wie es seiner Meinung nach um die Chancen des Holzbaus beim Bauen im Bestand bestellt ist. Dabei sieht er in der Vorfertigung eine klare Optimierung der Bauqualität und stellt den Holzbau als Favoriten für Aufstockungen oder auch vorgefertigte Fassadenelemente vor. Allerdings gibt er zu Bedenken, dass auch der Holzbau im Neubau eine Co2 Fußabdruck hinterlässt:“ Wir müssen die Sanierungsquote im Bestand erhöhen und brauchen jetzt die Gebäudesanierung statt den Neubau, damit wir das Klimaziel erreichen. Ob das mit oder ohne Holz durchgeführt wird, ist dabei nicht die entscheidende Frage“, so sein Credo.

Den letzten der Impulsvorträge hielt Ludwig Dünschede vom Holzbauunternehmen Gisbert Dünschede GmbH aus Arnsberg. Er gab den Anwesenden anhand verschiedener gebauter Beispiele einen Einblick, wie Holzbau klug umgesetzt werden kann, ob im Neubau oder in der Sanierung. Damit schloss er den Rahmen von der Theorie zur Handwerkspraxis.

Das Strohdorf Neheim hat seinen Namen daher, weil früher die Dächer mit Stroh und Reet gedeckt waren. Nach mehreren Bränden erhielten die Gebäude harte Bedachungen. (Quelle: Der Zimmermann)

Rundgang mit Umsetzungsbeispielen

Am Nachmittag wurden im Rahmen eines Rundgangs durch das Strohdorf Arnsberg-Neheim verschiedene Beispiele der Bestandsentwicklung gezeigt. Leider zeigten einige Neubauten auch, dass trotz des Services der Bau- und Gestaltungsberatung einige Investierende und Architekturbüros sich nicht oder kaum für eine kluge und regionale Baukultur interessieren. Das Baurecht des Landes Nordrhein-Westfalen lässt den Bauschaffenden abseits des Denkmalschutzes zu viele Möglichkeiten offen, so dass den Kommunen über eine beratende Funktion hinaus die Hände größtenteils gebunden sind.

Ein Dialoggespräch zu dem Vierklang Handwerk, Umbau, Baukultur und Holzbau rundete die Veranstaltung ab und gab den Anwesenden viele Gedankenimpulse mit auf den Heimweg.

zuletzt editiert am 28.03.2022