Das Institut für Holztechnologie in Dresden war auch in diesem Jahr wieder Treffpunkt der Holzschutz-Sachverständigen und -Sachkundigen sowie von interessierten Gästen. Über 90 Teilnehmende kamen am 21. März 2026 in das Konferenzgebäude des IHD zum Erfahrungsaustausch des Sächsischen Holzschutzverbandes.
Aufgrund seiner natürlichen Entstehung ist der Baustoff Holz einigen Risiken ausgesetzt. Zu diesen Risiken zählen bereits Einflüsse in der Wachstumsphase im Wald durch eventuelle Sturmschäden, der Befall durch holzverfärbende und holzzerstörende Pilze infolge eindringender Feuchtigkeit, der Befall von holzzerstörenden oder holzbewohnenden Insekten, aber auch die Gefahr eines Brandes.
Nach der Eröffnung der Tagung durch den Vorsitzenden des Sächsischen Holzschutzverbandes, Herrn Norbert Nieke, wurden in den Vorträgen mögliche Einflussgrößen detailliert dargestellt und erläutert.
Schadensfälle unter der Lupe
Herr Prof. Björn Weiß vom Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) referierte zum Thema „Schadensfälle unter der Lupe – aus dem Alltag des holzanatomischen Labors“. Für die genaue Ermittlung der Schadensursache ist die Arbeit auf der Baustelle nicht immer ausreichend. Die Unterstützung eines Labors wird deshalb gern in Anspruch genommen, denn zusätzlich zur makroskopischen Einschätzung des Befallsbildes am Objekt trägt eine mikroskopische Untersuchung noch besser zur genauen Bestimmung des Schaderregers bei. Die Holzanatomie hat im IHD eine lange Tradition. Holzartenbestimmung, Grenzflächenuntersuchung von beschichteten Hölzern, Bestimmung von Schaderregern sowie Bruchursachen von Holz gehören seit Jahrzehnten zu den Hauptaufgaben des Institutes. Die dafür unter Umständen notwendigen mechanischen Prüfungen und chemischen Analysen werden hier ebenso durchgeführt. Im Vortrag wurden Untersuchungen zur Aufklärung von Schadensursachen erläutert. So wurde zum Beispiel aufgezeigt, dass Konstruktionsvollholz mit Faserstauchungen und Faserbrüchen, die bereits während des Baumwachstums entstanden, widerrechtlich als tragendes Bauteil eingesetzt wurde. Anhand anderer Schadensfälle wurde der Einfluss von chemischer Korrosion auf die Standsicherheit von Hölzern nachgewiesen. Nicht zu unterschätzen ist die Toxizität bestimmter Holzbestandteile, was beim Einsatz von Holz als Koppelpfähle beachtet werden muss.
Brandschutz als wichtiger vorbeugender Holzschutz
Der Brandschutz als bedeutender und wichtiger Bestandteil des vorbeugenden Holzschutzes stand im Zentrum des Vortrages von Erhard Arnhold (Sachverständigenbüro Arnhold aus Weimar). Was im Neubau von Anfang an geplant wird, muss bei der Ertüchtigung von Denkmalobjekten nachträglich und besonders akribisch erarbeitet werden. Holz als brennbarer Werkstoff zeigt je nach Holzart, Rohdichte und Holzfeuchte ein unterschiedliches Brandverhalten. So nimmt die Abbrandrate mit steigender Rohdichte ab, woraus ersichtlich ist, dass unsere einheimischen Nadelhölzer schneller brennen als Eiche. Mit einer holzartenspezifischen Abbrandrate und der Branddauer kann ein Restquerschnitt bestimmt werden. Die sich beim Brand ausbildende Holzkohleschicht verringert aufgrund ihrer verringerten Wärmeleitfähigkeit die Abbrandgeschwindigkeit. Eine Erhöhung des Querschnittes in der Planungs- und Bauphase trägt bereits zu einem besseren Brandverhalten, bezogen auf die Abbranddauer, bei. Erhard Arnhold erläuterte als Sachverständiger die Entstehung, Ausbreitung und Bekämpfung des Brandes in der Anna-Amalia-Bibliothek im September 2004. Interessant ist, dass bereits Goethe als Verantwortlicher für die Bibliothek Bedenken bezüglich des Brandschutzes anmeldete und Veränderungen und Verbesserungen anmahnte. Der damalige Einbau einer Treppe war so nutzbringend bei der Rettung von Büchern beim Brandfall 2004. Das nach dem Brand umzusetzende Konzept des Baulichen Brandschutzes beinhaltete die Sicherung der Rettungswege, die Bildung von Brandabschnitten sowie die Ertüchtigung von Bauteilen. Beachtenswert ist, dass denkmalgeschützte bzw. denkmalgerecht erstellte Bauteile unter Umständen brandschutztechnisch unzureichend sind und deshalb besonders kritisch betrachtet und begründet werden müssen. Unabkömmlich aus heutiger Sicht ist der anlagentechnische Brandschutz. Bestandteile sind eine automatische Brandmeldeanlage für den Vollschutz und eine automatische Löschanlage für ausgewählte Bereiche. Diese wurde als Hochdruckwassernebellöschanlage ausgeführt. Sie wurde baulich so integriert, dass die Düsen für die Besucher kaum sichtbar sind.

Invasive Ameisen und ihr Einfluss
Ameisen sind bekanntlich holzbewohnende Insekten. Das heißt aber nicht, dass sie keine Schäden im Holz hinterlassen können. Obwohl sie selbst sehr klein sind, kann ihr Zerstörungspotenzial sehr groß sein. Das Vorgehen besonders der invasiven Arten stand im Mittelpunkt des Vortrages „Invasive Ameisen – zunehmende Bedeutung auch im Holzschutz?“ von Dr. Bernhard Seifert vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz. Eine invasive Art wird durch den Menschen in Gegenden außerhalb ihres natürlichen Gebietes eingeführt. Das kann ungewollt, aber auch absichtlich erfolgen. Durch Transporte über die Meere, mittels Straßentransport oder durch Luftfracht wurden und werden Pflanzen und besonders Insekten an neue unbekannte Stellen gebracht. Containerumschlagplätze, Plantagen oder auch Gartencenter sind oft die ersten Stationen nach der Einschleppung. Biodiversität und Ökosystemstabilität können dadurch gefährdet werden. Ebenso sind Schäden in Siedlungsbereichen möglich. Die Ergebnisse bei den Ameisen sind sehr unterschiedlich. Es gibt Arten, die bezüglich eventueller Schäden harmlos sind. Andere Arten verdrängen einheimische Konkurrenten. Wenige Ameisen mit Brut sind der Beginn eines systematischen Ausbaus. Es können mehrere oder gar Superkolonien gebildet werden. Diese breiten sich möglicherweise ungehindert aus. Anhand verschiedener Ameisenarten wurde das Vermögen der Aggressivität gegenüber fremden Artgenossen und der damit einhergehenden Ausbreitung beispielhaft dargestellt. Da in letzter Zeit die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) in Presse und Rundfunk einige Aufmerksamkeit erregt hatte, galt dieser Art die besondere Aufmerksamkeit in der Tagung. Durch die Bildung von Superkolonien werden Gehwege und Straßenbeläge unterhöhlt. Absenkungen und Brüche können die Folge sein. Eine direkte Holzzerstörung ist nicht zu erwarten. Durch bereits bekannte Schäden an Fassaden und deren Umgebung ist aber durchaus mit statischen Beeinträchtigungen zu rechnen. Bekannt ist, dass durch diese Ameisen Kommunikationsleitungen zerstört werden können. Die Bekämpfung der Großen Drüsenameise muss im Anfangsstadium bei noch beherrschbaren Kosten erfolgen. Sonst bleibt nur die Hoffnung auf ein Kollabieren der Superkolonie nach mitunter Jahrzehnten.
Bekämpfung von holzzerstörenden Insekten durch Nützlinge
Befalls-Szenarien an Holzkonstruktionen werden auch in Zukunft zum Tagesgeschehen der Sachverständigen und Sachkundigen für Holzschutz gehören. In profanen und besonders in sakralen Gebäuden steht unter Umständen eine umfangreiche Bekämpfungsmaßnahme an. Wie kann in Zukunft ein Insektenbefall bekämpft werden? Neben den in der DIN 68800-4 beschriebenen Möglichkeiten ist die Insektenbekämpfung durch natürliche Feinde nach wie vor interessant. Der Bausachverständige Christopher Baar von C. Gielisch GmbH, Büro Leipzig referierte zum Thema „Das Potenzial räuberischer Buntkäfer im Holzschutz“. Das Integrated Pest Management (= Integrierte Schädlingsbekämpfung) ist ein Konzept wertvoller Bestände, wie sie in Museen und Bibliotheken zu finden sind. Im Holzschutz konzentriert sich dieses Konzept auf die Bekämpfung holzzerstörender Insekten durch Nützlinge. Der Blaue Fellkäfer, der Hausbuntkäfer, der Weiche Buntkäfer und der Schwarzflügelige Holzbuntkäfer jagen in den Fraßgängen die Larven holzzerstörender Insekten. Zu der Beute der Nützlinge gehören der Gemeine Nagekäfer, der Gescheckte Nagekäfer, der Gekämmte Nagekäfer sowie der Hausbockkäfer. Bei Monitoringuntersuchungen in Mecklenburg-Vorpommern wurden am häufigsten der Blaue Fellkäfer und der Hausbuntkäfer als Nützlinge festgestellt. Sie besitzen demzufolge ein Potenzial für die biologische Bekämpfung von holzzerstörenden Insekten in Gebäuden. Fest steht, dass das Auffinden von Nützlingen in der Holzkonstruktion ein Indiz für einen aktiven Befall ist. Hinsichtlich optimaler Zuchtbedingungen und der Wirksamkeit in Gebäuden besteht zukünftig weiterer Forschungsbedarf.
Die 34. Sächsische Holzschutztagung zeigte, wie breit gefächert heute der Holzschutz gesehen werden muss. Die Signifikanz der Planung, insbesondere des Brandschutzes, wird weiter zunehmen. Die Analyse von Schäden und daraus zu ziehende Schlussfolgerungen in Vorbeugung und Bekämpfung werden auch weiterhin ihre Bedeutung haben.
Autor: Harald Urban (Sprecher des Sächsischen Holzschutzverbandes)