Eine große Gruppe von Handwerkergesellen in traditioneller Zunftkleidung steht vor einem historischen Gebäude.
Vor der Kirche St. Stephan in Mainz stellten sich die Restauratoren für ein Gruppenbild auf. (Quelle: Der Zimmermann)

News 2024-10-14T12:34:18.589Z Herbsttagung des Restauratorenverbands im Zimmererhandwerk: In Mainz war auch Paris ein Thema

Am 11. und 12. Oktober 2024 fand die Herbsttagung des Verbandes Restauratoren im Zimmererhandwerk e.V. in den benachbarten Städten Wiesbaden und Mainz statt. Etwa 70 Teilnehmende nutzten die Tagung, um sich fachlich weiterzubilden und sich auszutauschen.

Zimmermeister Sebastian Schmäh, Vorsitzender des Verbandes Restauratoren im Zimmerhandwerk e.V., betonte in seiner Begrüßung die Wettbewerbsvorteile: „Wir arbeiten nachhaltig, das wird in Zukunft eine noch größere Rolle spielen, beispielsweise bei der Vergabe von Krediten. Aktuell ist ein Nachhaltigkeitsbericht nur für große Unternehmen verpflichtend, das wird sich ändern.“ Schmäh kündigte zudem an, dass er im nächsten Jahr nicht erneut nach als Vorsitzender kandidieren wird. „Zehn Jahre sind genug, jetzt sind die Jüngeren dran.“

Die Verwaltung der Stadt Mainz wurde durch die Wirtschaftdezernentin Manuela Matz, die ein Grußwort überbrachte, und Dr. Kathrin Nessel, Leitung der Abteilung Denkmalpflege, vertreten. Frau Dr. Nessel stellte in ihrem Vortrag die Bauzeugnisse aus Holz der Stadt Mainz vor, wie das aus dem 15. Jahrhundert stammende Haus Aschaffenburg, das als ältestes Mainzer Fachwerkhaus gilt.

Ein Zimmermann hält einen Vortrag in traditioneller Zunftkleidung.
Andreas Beck steckte die Anwesenden mit seiner Begeisterung an, als er von den Sanierungsarbeiten der Kathedrale Notre-Dame de Paris erzählte. (Quelle: Der Zimmermann)

Von Mainz nach Paris ging es mit Andreas Beck, Ausbildungsmeister im Bildungszentrum Holzbau Biberach. Bei einer Einladung des Bildungszentrums nach Frankreich, ergab sich die einzigartige Gelegenheit, die Zimmerei von Le Bras Frères in Val de Briey zu besuchen. Das Unternehmen ist an der Sanierung des Daches der Kathedrale Notre-Dame de Paris beteiligt.

Spitzturm benötigt 400 m³ Eichenholz

Andreas Beck erzählte in seinem faszinierenden Vortrag; beginnend mit dem verheerenden Brand und den Löscharbeiten und endend bei den aktuellen Restaurierungsarbeiten. Für die Rekonstruktion des Dachstuhls wird sehr viel Eichenholz benötigt, allein für den Spitzturm circa 400 m³. Diese Vielzahl an Raummetern war getrocknet nicht zu bekommen, so dass feuchtes Holz verarbeitet wird. Tellerfedern sollen den Schwund, der beim Trockenen auftritt, ausgleichen. Bearbeitet wurde das Holz wie das ursprüngliche, im Hauptschiff waren die Sparren behauen, in den später erstellten Nebenschiffen bereits gesägt.

Stolz berichtete Andreas Beck, wie sie mit einer Idee zu den Arbeiten beitragen konnten. Sie stellten den französischen Kollegen die Planfräse vor, eine Handmaschine, mit der sich - beispielsweise für Überblattungen - glatte, ebene Oberflächen herstellen lassen. Die Maschine wurde in Frankreich sofort begeistert aufgenommen.

Eine Gruppe von Menschen spaziert durch das historische Zentrum von Bacharach, umgeben von malerischen Fachwerkhäusern.
Die Stadtführung führt auch in die Mainzer Altstadt, in der noch einige mittelalterliche Fachwerkhäuser zu finden sind. (Quelle: Der Zimmermann)

Am Nachmittag folgte eine Stadtführung durch Mainz. Neben den Fachwerkhäusern, wurde auch die Kirche Sankt Stephan besucht. Deren besondere und berühmte Fenster wurden ab 1978 von Marc Chagall gestaltet, der sie als Beitrag zur jüdisch-deutschen Aussöhnung verstanden wissen wollte.

Der nächste Tag begann mit einem Fachvortrag von Prof. Dr.-Ing. Christoph Duppel, Leiter des Studienganges Baukulturerbe der Hochschule RheinMain zu dem etwas sperrigen Thema „Grundlagenermittlung am Baudenkmal: Konventionelle und innovative Methoden der Bauwerkserkundung und -bewertung“. Dabei verglich er den Umgang mit historischen Gebäuden mit einem Besuch beim Arzt: „Nach der Anamnese folgt die Diagnose und dann die Therapie. Beim Denkmal ist die Reihenfolge dazu analog mit Erkunden, Bewerten und Instandsetzen.“

In der anschließenden Mitgliederversammlung stellte Konstantin zu Dohna, Hauptgeschäftsführer Holzbau Baden-Württemberg, die Entwicklungen im Holzbau allgemein und in der Restaurierung im Speziellen vor. Mit seinem Fazit brachte er es kurz auf den Punkt: “Die Lage ist besser als die Stimmung.“

Nicht so gute Nachrichten überbrachte Bernd Otto, Ausbildungsmeister im Bildungszentrum Holzbau Biberach. Es hätte sich nur sehr wenige zu den verschiedenen Kursen der Weiterbildung „Geprüfter Restaurator/in im Handwerk – Master Professional“ angemeldet. „Wir müssen den Fachmeister für Restaurierungstechnik stärker bekannt machen. Er entspricht der alten Weiterbildung zum geprüften Restaurator. Diese Weiterbildung ist von der Handwerkskammer Ulm für Restaurierungsarbeiten im Zimmerhandwerk anerkannt.“ betonte Bernd Otto zum Schluss der Veranstaltung. Die nächste Mitgliederversammlung soll im Oktober 2025 in München stattfinden.

zuletzt editiert am 20. Februar 2026
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