Gemeinsam mit Fachleuten aus der Holzbaubranche hat die Rudolf Müller Mediengruppe die sechsteilige Seminarreihe „Fachkraft für die Arbeitsvorbereitung im Holzbau“ entwickelt. Drei der fünf Dozent:innen berichten, was sie dabei umtreibt. Annette Clauß ist im Ingenieurbüro Maas-Ingenieure gmbh in Werl als Bauingenieurin beschäftigt, Gerd Prause führt die Geschäfte von Prause Holzbauplanung GmbH & Co. KG in Lindlar, und Christoph Rohs ist als Zimmerer bei ihm in der Arbeitsvorbereitung tätig.
Warum, denken Sie, ist es sinnvoll, sich für die Weiterbildung „Arbeitsvorbereitung“ anzumelden?
Gerd Prause: Kurz und knapp: Weil es für Arbeitsvorbereiter und Arbeitsvorbereiterinnen eine der wenigen Möglichkeiten zu gezielter Fortbildung ist.
Christoph Rohs: Das sehe ich genauso. Arbeitsvorbereitung ist kein Ausbildungsberuf. Die meisten bringen sich das nötige „Know-how“ selbst bei. Ich könnte mir vorstellen, dass man nach dieser Weiterbildung seine Aufgaben stressfreier bewältigen kann.
Annette Clauß: Dem ist aus meiner Sicht nur noch hinzuzufügen, dass moderne Holzgebäude – gerade bei schlüsselfertiger Vorausplanung – ein komplexes Wissen über die statisch-konstruktiven, bauphysikalischen und haustechnischen Belange erfordern, die zu berücksichtigen sind. Das gilt umso mehr, je oberflächlicher die Bauantragspläne der Architekturbüros sind und je mehr die ausführenden Holzbauunternehmen mit Fragen der „klassischen“ Ausführungsplanung und Bauleitung bzw. Koordination der (fachfremden) Gewerke konfrontiert werden.
Wer sollte sich aus Ihrer Sicht zu der Weiterbildung anmelden? Für wen ist eine Teilnahme zweckdienlich?
Christoph Rohs: Auf jeden Fall für die in der Arbeitsvorbereitung Tätigen, die ihren Prozess optimieren möchten, neue Wege dazulernen wollen und bei ihrer Arbeit oft am gleichen Punkt hängen bleiben.
Annette Clauß: Ich denke, die Weiterbildung passt auch für Arbeitsvorbereiterinnen und Arbeitsvorbereiter aus Zimmereibetrieben, die sich für das Marktgeschehen bei quasi schlüsselfertig vorgefertigten Holzgebäuden interessieren und zukünftige Geschäftsfelder im Bereich Bestandsumbauten, Energetische Sanierung und Aufstockungen sehen.
Gerd Prause: Im Prinzip richtet sich die Seminarreihe an alle, die in der Arbeitsvorbereitung oder Werkstattplanung im Holzbau tätig sind, diese anbieten oder sich allgemein für Holzbau in der Praxis interessieren.
Annette Clauß, Sie unterrichten in der Weiterbildung als Referentin zu dem Thema Baupysik und im speziellen Brandschutz. Welche Inhalte können die Teilnehmenden erwarten?
Grundsätzlich ist Bauphysik nicht kompliziert, das Zusammenspiel ist die Herausforderung. Die optimalen Lösungen für den jeweiligen Aspekt (Wärme, Feuchte, Schall, Brand) können für andere Teilbereiche wenig förderlich oder gar entgegenrichtet sein. Es ist Ziel der Fortbildung, die Zusammenhänge zu erklären und somit die marktüblichen Konstruktionen zu verstehen. Das ist auch wichtig, um Bedenken gegen eine vorliegende Planung und Ausschreibung anmelden zu können, falls diese das erfordert. Dafür muss verstanden werden, was geplant wurde und wo die potenziellen Risiken einer Konstruktion liegen.
Gerd Prause, Sie übernehmen im ersten Modul das Thema Planungsprozesse. Warum ist dieses Wissen für die Arbeitsvorbereitung wichtig?
Ich werde den Stellenwert der Arbeitsvorbereitung im gesamten Prozess vermitteln, BIM für die Arbeitsvorbereitung erläutern und den idealen Planungsprozess und die Aufgaben der Arbeitsvorbereitung darin den Teilnehmenden näherbringen. Das ist wichtig, um die Rechte und Pflichten der Arbeitsvorbereitung einordnen zu können.
Christoph Rohs, Sie gestalten den Präsenztag, bei dem die Teilnehmenden Einblick in die Praxis des Aufmaßes und dessen Transformation in die Planungssoftware bekommen werden. Was werden die Teilnehmenden lernen?
Wir werden vor Ort ein Aufmaß mit Laserscanner und Tachymeter machen, was dem praktischen Umgang mit bestehenden Gebäuden dient. Die Teilnehmenden erfahren, wie schnell und sicher digitale Aufmaße sein können, lernen aber auch den Umgang mit Ungenauigkeiten. Beim Bauen im Bestand kann man durch ein präzises Aufmaß bereits im Prozess der Arbeitsvorbereitung mögliche Probleme bei der Montage vermeiden wie – als Beispiele aus der Praxis – die Fragen, ob die Wand auch im 3. OG noch zwischen die Bestandswände passt, ob die Bodenplatte rechtwinklig ist oder ob der Kran mit der Stromleitung kollidiert. Das meiste lässt sich im Vorfeld klären. Die Arbeitsvorbereitung lernt, weitere aufkommende Fragen zu beantworten.
Vielen Dank für das Gespräch!
Die Seminarreihe „Fachkraft für die Arbeitsvorbereitung im Holzbau“ bereitet mit fünf Onlinemodulen und einem Präsenztag auf diese verantwortungsvolle Rolle im Holzbauunternehmen vor. Sie findet zweimal jährlich statt. Die Termine, weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter:
