Am 20. und 21. März fand im Tagungshotel Lufthansa Seeheim der erste „Trialog Holzbau“ statt. DHV, 81fünf und ZimmerMeisterHaus luden neben ihren Mitgliedern auch Projektentwickler, Architekten, Bauingenieure, Vertreter der Immobilienwirtschaft und Investoren ein, um Strategien, Innovationen und nachhaltige Lösungen im Holzbau praxisnah zu diskutieren. Dank Industriestipendien konnten auch Auszubildende und Studierende vergünstigt teilnehmen. Insgesamt folgten 267 Teilnehmer dem Ziel der Veranstalter, Hürden abzubauen, voneinander zu lernen und gemeinsame Chancen im Holzbau zu erkennen.
Denkanstoß für neue Ideen und Inspiration für intensive Gespräche war ein hochkarätiges Vortragsprogramm. Den Reigen eröffneten kurze Beiträge mit Neuigkeiten aus den Verbänden. Erwin Taglieber, Präsident des DHV, der im Rahmen seines Vortrags den neuen DHV-Manager Michael Pohlers vorstellte, sieht die Zusammenarbeit der Verbände als Möglichkeit, den Dialog zu intensivieren, Wissen zu bündeln, und gemeinsam tragfähige Lösungen und bessere Produkte zu entwickeln. Hindernisse seien dabei konkurrierende Interessen am Rohstoff Holz, uneinheitliche Bauordnungen, eine überbordende Bürokratie und praxisferne Regelwerke, weshalb ein Schwerpunkt des DHV auf den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen liegt. Im Anschluss stellte Erwin Taglieber die Initiative „Holz rettet Klima“ vor, deren Zweck es ist, die Ergebnisse faktenbasierter Forschung durch Institutionen wie den Informationsdienst Holz in die Praxis umzusetzen und den Klimaschutzbeitrag des Holzbaus in das öffentliche Bewusstsein zu tragen.


Katrin Schmidt-Wagner, Vizepräsidentin von ZimmerMeisterHaus, stellte die Gruppe als starkes Netzwerk vor, das seit fast vier Jahrzehnten für besondere Ideen im Holzbau und gemeinsames Lernen und Wachsen stehe. Heute ist die Gruppe mit insgesamt 103 Manufakturen, 2713 Mitarbeitern und 2784 Bauvorhaben im Jahr deutschlandweit aktiv. Im Fokus stehen der Transfer von Wissen und Erfahrungen, die Bündelung von Know-how und seine Weitergabe über Experten, das gemeinsame Marketing und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Produktqualität.

Abschließend umriss Thomas Elster die rasante Entwicklung von 81fünf in den letzten 10 Jahren, in denen das Netzwerk unter anderem auf 110 Mitglieder gewachsen ist und seine Umsätze verdreifacht hat. Zu den Kernwerten gehören dabei die Nachhaltigkeit, der gegenseitige Respekt, Vertrauen und Aufrichtigkeit sowie eine intensive Zusammenarbeit, in der man mehr erreicht als ein einzelnes Unternehmen. In Zukunft könne 81fünf so etwas sein wie der „Küchentisch auf der Party des Holzbaus, an dem Vertrauen, Ideen und Freundschaften wachsen, um gemeinsam die Zukunft der Holzbranche zu prägen“.
Bis zu drei Vorträge parallel
Den Übergang zu den Fachvorträgen markierte die Keynote von Prof. Jury Troy, Professor an der TU Wien, der für eine ganzheitliche Haltung zum nachhaltigen Bauen mit Holz plädierte, in der sich ökologische Verantwortung, architektonische Qualität und praktische Umsetzbarkeit miteinander verbinden. Es folgte ein Vortrag von Prof. Dr. Klaus Nesensohn, Vorstand der Beratungsfirma refine, über die integrierte Projektabwicklung (IPA). Sie sei ein Hebel gegen instabile Arbeitsflüsse, mangelnde Produktionslogik, fehlende Transparenz und fragmentierte Vertragsmodelle, als deren Folge man laut internationalen Studien bis zu 50 Prozent der Bautätigkeit als Verschwendung sehen könne.
In der Folge verteilte sich das Auditorium auf drei Tagungsräume, in denen am Freitagnachmittag jeweils drei Vorträge parallel abliefen. Stefan Demetz und Matthias Koch von ATP architekten ingenieure zeigten anhand von Praxisbeispielen, dass die entscheidenden Weichen für Qualität, Kosten, Nutzen und Nachhaltigkeit bereits in der ersten Projektphase gestellt werden. Florian Eitel von Schlosser Holzbau plädierte anhand mehrerer Projektbeispiele er für eine serielle und vorgefertigte Bauweise, systemisches Denken, konstruktive Standards und die frühzeitige Integration der Gebäudetechnik zur Schaffung bezahlbaren, förderfähigen Wohnraums.
Lars Langhans, Inhaber von Kollaxo Markt und Medien, ließ in seinem Vortrag über Unternehmenskommunikation mit zwei Aussagen aufhorchen: Glaubwürdigkeit und Haltung seien heute wichtiger als Reichweite, und klassische Pressearbeit erlebe als Vertrauensanker in der Informationslandschaft eine Renaissance. Prof. Dr. Anja Seng, Professorien an der FOM Hochschule und Direktorin des ifpm, beschäftigte sich mit den künftig notwendigen Kompetenzen von Mitarbeitern und Führungskräften. Dabei skizzierte sie drei zentrale Skill-Cluster: Digital- und Datenkompetenz, Problemlösefähigkeit in komplexen und dynamischen Situationen und Kollaborations- und Kommunikationskompetenz.
Bei einem Vortrag über den Gebäude-Typ E zeigte Dr.-Ing Anne Niemann, Leiterin Forschungszentrum Einfach Bauen TU München, dass architektonisch durchdachte, robuste und materialgerechte Gebäude mit reduzierter Haustechnik langfristig wirtschaftlicher, nachhaltiger und nutzerfreundlicher sein können als hochkomplexe Lösungen. Dr.-Ing. Markus Flaig, Geschäftsführer von BE Ingenieure, plädierte angesichts der Tatsache, dass Brettsperrholz im Mehrgeschossbau ein leistungsfähiges, aber keineswegs universelles Bauprodukt ist, für eine frühe und enge Verzahnung von Planung und Produktwahl sowie fundiertes Fachwissen.
Gerd Meurer, Geschäftsführer von WEM, berichtete über ein mehrfach ausgezeichnetes Einfamilienhaus aus Holz, Stroh und Lehm, an dessen Beispiel er einen ganzheitlichen Ansatz für zukunftsfähiges, klimapositives Bauen erläuterte. Matthias Herres von Herres Architekten plädierte für einen bewussten, respektvollen und kreativen Umgang mit bestehender Bausubstanz. Prof. Achim Menges, Architekt und Lehrender an der Universität Stuttgart, zeigte auf, wie durch robotergestützte Holzbauweisen Holzbausysteme mit hoher struktureller Leistungsfähigkeit entstehen. Gefertigt wird in mobilen, containerbasierten Mikro‑Fabriken, montiert mit robotisch assistierten Kransystemen.
Langsamkeit und Augenhöhe
Der Samstag begann mit einem Vortrag über den Brandschutz im Holz-Modulbau. Referent Reinhard Eberl-Pacan, Architekt und GF der brandschutz plus GmbH, widmete sich intensiv den mit diesem Thema verbundenen rechtlichen, planerischen und wirtschaftlichen Fragestellungen und stellte tabellarische Entscheidungshilfen vor. Marc Chatzidimpas, Geschäftsführer der MC Media, referierte über Personalakquisition. Klassische Recruiting‑Instrumente verlören an Bedeutung, wichtiger sei heute strategisches, datenbasiertes Employer Branding in Kombination mit Social‑Media‑Recruiting. Ein Vortrag von Bernhard von Oppeln-Bronikowski, Geschäftsführer von NRH Architekten, thematisierte die städtische Nachverdichtung als zentralen Hebel zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Matthias Helmreich von der ETH Zürich zeigte auf, wie digitale Planungswerkzeuge, Automatisierung und Robotik besser ineinandergreifen können und wie diesbezügliche Forschungsergebnisse durch Transformation in anwendbare Lösungen den Holzbau effizienter, präziser und skalierbarer machen.

Mit ihrer Aufforderung an die Zuhörer, das Leben und die eigene Arbeit vom Ende her zu denken, setzte Christiane zu Salm, ehemalige Managerin und heute Studentin der Philosophie, mit ihrer Keynote den perfekten Schlusspunkt unter die Veranstaltung. Die Dinge so zu sehen führe, erläuterte die Referentin aus ihrer Erfahrung als Sterbebegleiterin heraus, zur Entdeckung der Langsamkeit und ihrer besonderen Vorzüge in einer Zeit permanenter Beschleunigung und hohen Entscheidungsdrucks. Der Fokus wechsle von Geschwindigkeit zu Sinnhaftigkeit, Klarheit und Stimmigkeit – gleich, ob man mit dieser Haltung ein im Rückblick erfülltes Leben führe oder ein Gebäude plane, das die Jahrzehnte überdauert und als wertvolles Vermächtnis der Erbauer auch späteren Generationen gute Dienste leistet.
Die Stille nach dem Schlussakkord lud alle Anwesenden ein, auch den ‚Trialog Holzbau‘ noch einmal vom Ende her zu überdenken. Dabei war zu erkennen, dass viele Linien der beiden Tage, in denen immer wieder um Zukunftsfähigkeit, Vertrauen, Augenhöhe, Respekt, Haltung, Wertigkeit und langlebige Qualität gegangen war, in diesem Vortrag zusammenliefen. Dies galt auch für die Gespräche abseits der Vorträge, bei denen im Fokus stand, Perspektiven anderer Disziplinen nachzuvollziehen, aus gebündeltem Wissen eine neue, gemeinsame Perspektive zu entwickeln und so zu zukunftsfähigen Lösungen im Holzbau zu kommen.
Dieser Prozess des gemeinsamen Entwickelns und Wachsens beeindruckte auch die Stipendiaten, die von der Veranstaltung mit der Erfahrung nach Hause gingen, „dass die Themen, die bei uns im Studium relevant sind, auch in den Unternehmen umgesetzt werden und dass umgekehrt das, was wir lernen, relevant für die Praxis ist“. Gelobt wurde auch der offene Austausch über eine Vielzahl von Themen, die Im Ausbildungsalltag sonst keinen Platz haben: „So steigt unsere Begeisterung, dass es in dieser Branche noch viele Zukunftsthemen gibt, bei denen wir selbst mit anpacken können. Wenn wir sehen, wie diese Branche ihre Zukunft selbst entwickelt, wird uns klar: Wir sind diese Zukunft, und wir werden in diesem Holzbau als Mitwirkende gebraucht werden und unseren Platz finden.“
Autor: Dr. Joachim Mohr