Ein Vortrag in einem vollbesetzten Auditorium mit einem Redner am Pult.
Bei seiner Antrittsvorlesung stellte Florian Kaiser „Potenziale im kreislaufgerechten Bauen mit Holz“ vor sowie drei mögliche Baustrategien. (Quelle: SJacob-Freitag)

News 2026-01-29T09:34:48.983Z Neue Professur „Kreislaufgerechter Holzbau“ am KIT Karlsruhe

Am 28. Januar 2026 hielt Florian Kaiser vom Stuttgarter Architekturbüro Atelier Kaiser Shen seine Antrittsvorlesung zur neu geschaffenen Tenure-Track-Professur „Kreislaufgerechter Holzbau“ am KIT Karlsruhe, die er seit dem Wintersemester 2024/25 als Erster innehat.

Rund 330 Gästen stellte er die „Potenziale im kreislaufgerechten Bauen mit Holz“ vor sowie die möglichen drei Baustrategien: pragmatisches Weiterbauen, kreislaufgerechtes Bauen (Pre-Use) und Bauen mit Altholz (Re-Use). Anhand der erweiterten und sanierten Mehrzweckhalle in Ingerkingen, für das sein Büro den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025 erhalten hat (siehe bmH bauen mit Holz, Ausgabe 1-2026, S. 14 ff) demonstrierte er, wie Bestandserhalt mit zeitgenössischer Architektur verbunden werden kann. Die Halle kombiniert 60 Prozent erhaltene Baumasse mit innovativer Holzkonstruktion.

In Forschung und Lehre widmet sich Prof. Florian Kaiser den Potenzialen beim kreislaufgerechten Bauen mit Holz. „Dabei steht das Ziel im Vordergrund, ökologische und technische Kreisläufe zu schließen und die bisher vorherrschende lineare Bauwirtschaft zu überwinden“, so die Kurzformel. Mit dem Forschungsprojekt „Domino Zirkular“ soll der praktische Nachweis erbracht werden, dass dies möglich ist. Dessen Herzstück soll ein 1:1-Demonstrator aus 85 Prozent wiederverwendeten Bauteilen werden. Dabei werden gemeinsam mit Studierenden Holzbauteile aus Rückbauprojekten zu neuen Konstruktionen und Holzbauelementen gefügt. Kaiser betonte immer wieder die Bedeutung kreislauffähiger Konstruktionen, die Stroh und Lehm ebenso einschießen wie Holzelemente.

Der junge Professor erwähnte auch die bekannte Aussage „Was schön ist, ist nachhaltig“. Doch er warnte vor diesem Trugschluss, denn Nachhaltigkeit erfordert durchdachte Konstruktionen und Rückbaubarkeit. „Mit 13,3 Millionen m3 Altholz jährlich in Deutschland liegt großes Potenzial in der Wiederverwendung tragender und nichttragender Bauteile aller Art“, gab er zu bedenken. Die neue Ästhetik des kreislaufgerechten Bauens wird am KIT erforscht und 2027 bei der IBA Stuttgart präsentiert.

Weitere Infos unter: https://khb.ieb.kit.edu , instagram.com/kit.khb

Autorin: Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe

zuletzt editiert am 03. Februar 2026