Eine Baustelle mit einer komplexen Dachkonstruktion aus Stahlträgern und Holz.
Aufgrund konstruktiver und feuchtebedingter Schäden musste die Mensa M in Karlsruhe saniert werden. (Quelle: Stephan Baumann)

Technik 2026-05-05T07:59:27.899Z Sanierung in der Struktur

Wie die Mensa Moltke in Karlsruhe konstruktiv erneuert und gestalterisch präzise bewahrt wird: Ein Detailbericht von JOA studio für architektur über den Zwischenstand eines einzigartigen Sanierungsmodells.

Die Mensa Moltke in Karlsruhe zählt zu den architektonisch markantesten Hochschulbauten ihrer Entstehungszeit. Sie wurde nach dem Entwurf des Berliner Architekten J. Mayer H. geplant und realisiert. Ihre kraftvolle, skulpturale Struktur aus geneigten und verzweigten Wand- und Stützelementen, die fließenden Raumkonturen sowie die präzise Lichtführung prägen das Gebäude so stark, dass selbst geringste Abweichungen unmittelbar wahrnehmbar wären.

Eine Baustelle mit einem großen Kran im Vordergrund und mehreren Rohren, die über das Gelände verlaufen. Im Hintergrund ist ein Gebäude mit Gerüst zu sehen.
Quelle: Stephan Baumann

Rund zehn Jahre nach der Fertigstellung zeigte sich jedoch, dass eine grundlegende Sanierung unausweichlich ist. Auslöser hierfür sind konstruktive und feuchtebedingte Schäden. Aufgrund der außergewöhnlich prägnanten Gestaltungselemente stellt die Maßnahme kein gewöhnliches Sanierungsprojekt dar, sondern vielmehr ein bautechnisches Unterfangen, vergleichbar mit einem Eingriff an einem hochkomplexen räumlichen Organismus.

Ausgetüftelte Sanierungsstrategie

Der eigentliche Fokus liegt daher auf der Frage: Wie lassen sich Dach und große Teile der Außenhülle austauschen, wenn das Gebäude seine charakteristische Formensprache und das ursprüngliche Erscheinungsbild nahezu vollständig bewahren soll? Die Antwort liegt in einer Sanierungsstrategie, die sich an der präzisen Rekonstruktion orientiert – nicht als Kopie, sondern als zeitgemäße Weiterentwicklung, die die technischen Anforderungen von heute erfüllt und gleichzeitig die unverwechselbare architektonische Identität schützt.

Ein großes Holzgerüst auf einer Baustelle, umgeben von Metallgerüsten und Baugeräten.
Quelle: Stephan Baumann

Dafür wurden sämtliche Wand- und Dachelemente nach den ursprünglichen Plänen konstruiert und in der Werkstatt millimetergenau vorgefertigt. Die Besonderheit: Die Holzelemente folgen bis auf das Rastermaß keiner klassischen Modularität, sondern sind aufgrund der Geometrie Unikate. Ihre Herstellung mittels Schraub-Press-Verleimung können nur sehr wenige Betriebe im deutschsprachigen Raum gewährleisten. 

Anspruchsvolle Herangehensweise im Detail

Der Anpressdruck beim Verleimen der Furnierschichthözer (Kerto) wird durch die definierte Verschraubung im Werk erzeugt. Eine Herstellung auf der Baustelle ist nicht ohne weiteres möglich und nicht mit der konventionellen Fügung des Baustoffes Holz im Holzrahmenbau zu vergleichen. Möglich werden durch die tragenden Hohlkastenquerschnitte allerdings große Spannweiten von mehr als 10 m, bei einer statischen Höhe von weniger als 30 cm. Gleichzeitig mussten sämtliche Bestandsmaße vor Ort mit den Konstruktionsunterlagen von 2005 abgeglichen werden – eine Herausforderung, da verdeckte Schäden oder andere Abweichungen erst im Rückbau sichtbar wurden. Die Vorproduktion stand damit immer in einem Spannungsverhältnis zur Realität der Baustelle.

Innenansicht einer modernen Baustelle mit futuristischer Architektur und Gerüsten.
Quelle: Stephan Baumann

Fingerspitzengefühl in der Statik

Auch aus statischer Sicht verlangt die Sanierung eine außergewöhnliche Eingriffsplanung. Der Austausch kompletter Wand- und Dachelemente musste in Bauphasen organisiert werden, in denen das Gebäude temporär neue Lastpfade und Aussteifungen erhielt. Die Eingriffe erfolgten punktgenau und unter laufender Kontrolle der Standsicherheit – ein sequenziell hochpräziser Prozess, der stellenweise einem konstruktiven Puzzle im Maßstab 1:1 glich.

Logistische Planungs- und Koordinationsanforderung

Die Logistik stellt eine weitere Hürde dar. Die Flächen des angrenzenden Engländerplatzes werden durch die Interimsmensa und zur Zwischenlagerung belegt. Durch die extrem beengten Platzverhältnisse auf dem Campus der Hochschule Karlsruhe kommt nur eine einzige Kran Position infrage. Diese muss mit einer Ausladung von rund 70 Metern und über zwei Tonnen Traglast selbst die größten Dachelemente sicher manövrieren können – ein Umstand, der den gesamten Bauablauf bestimmt und jede Montage-Bewegung minutiös vorab festzulegen gilt. Diese Anforderungen werden durch die Bennert GmbH, zuständig für die Zimmermannsarbeiten optimal umgesetzt.

Großes Detail on Top

Entscheidend für das Gelingen ist das großflächige Wetterschutzdach, das zur Sicherstellung des Mensabetriebes bis zur Sanierung bereits 4 Jahre vor Baubeginn errichtet wurde. Es schafft konstante Montagebedingungen, erfordert im Vorfeld jedoch ein frühzeitiges Durchdenken aller späteren Arbeitsschritte – von der Demontage über den Transport bis zur Einpassung der neuen Bauteile. Parallel dazu muss der Küchenbetrieb im Erdgeschoss über ein Interimsgebäude und gesicherte Funktionsbereiche aufrechterhalten werden. Technische Anlagen, WC-Kerngruppen und raumbildende Ausbauten blieben weitgehend bestehen und verlangen eine sorgfältige Anarbeitung zwischen Alt und Neu.

Zwischenfazit und Ausblick

Durch all diese Maßnahmen entsteht kein neues Gebäude, sondern eine erneuerte Version seiner selbst – technisch präziser, konstruktiv robuster, funktional erweitert, im Inneren punktuell transformiert. Doch die Gestalt, die räumliche Atmosphäre und die charakteristische äußere wie innere Struktur bleiben erhalten. Die Mensa Moltke zeigt damit exemplarisch, wie vielschichtig Sanierung im Holzbau werden kann, wenn die architektonische Identität ebenso wertvoll ist wie die Konstruktion selbst: ein Weiterbauen in der Struktur, ohne ihre Sprache zu verändern.

Die Sanierungsmaßnahmen am Gebäude sollen Anfang 2027 abgeschlossen werden.

Aktuelle Projektbeteiligte:

Architekturbüro: joa studio für architektur gmbh, Karlsruhe
HLS :Ingenieurbüro IBH Zaehle & Buse Beratende Ingenieure PartG mbB, Karlsruhe
Elektro: Ingenieurgesellschaft Jergler mbH & Co. KG, Rheinstetten
Küchentechnik: Ingenieurbüro Schaller Partnerschaftsgesellschaft mbB, Karlsruhe
Gebäudeautomation: FC-Gruppe GmbH, Karlsruhe
Tiefbau:Arcadis Germany GmbH, Darmstadt
Holzbau: Bennert GmbH Betrieb für Bauwerkssicherung, Klettbach
Bauherr: Land Baden-Württemberg, Amt Karlsruhe

zuletzt editiert am 05. Mai 2026