Die Firma Wiehag aus Altheim, Oberösterreich, hat vor kurzem den Auftrag für den Bau der Holzdachkonstruktion für die Crossrail Station in Canary Wharf in London erhalten. Das vom Londoner Architekturbüro Foster + Partners entworfene Bahnhofsgebäude steht mitten im Wasser des West India Docks, einem Seitenarm der Themse. Umgeben von den Wolkenkratzern des Finanzzentrums Canary Wharf bildet dieser Bau ein architektonisches Highlight und einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Der gesamte Bau der sogenannten Crossrail-Linie ist zurzeit einer der größten Baustellen Europas und soll im Endausbau u.a. den Flughafen Heathrow mit dem durch Olympia zu neuem Leben erwachten Ost-London verbinden.
Das Gebäude ist zirka 300 Meter lang, hat vier Geschosse unter Wasser und zwei ober Wasser sowie einen eindrucksvollen Landschaftspark auf dem obersten Deck. Dieser Park wird mit einer grazilen Holzbaulösung und Membrankissen überdacht, wobei immer wieder Freiräume für viel Luft- und Lichtzufuhr sorgen.
Wiehag arbeitet zurzeit mit Foster am finalen Design und wird im August nächsten Jahres mit der Montage beginnen. Sechs Monate später werden Wiehag und Seele gemeinsam das Bauwerk dem Kunden übergeben.
„Der Bau der Crossrail Station in Canary Wharf kostet 500 Mio. Pfund, obwohl nur ein sehr kleiner Anteil davon für das Holzdach verwendet wird, ist es der größte Holzbau im gesamten Königreich“, erklärt Johannes Rebhahn, verantwortlich für das internationale Projektgeschäft bei Wiehag.
Wiehag liefert in enger Zusammenarbeit mit der ebenfalls aus Oberösterreich stammenden Firma Seele das gesamte Dach inklusive der Membrankissen. Der Kunde erspart sich dadurch aufwendiges Projektmanagement, da das Zusammenspiel und die Schnittstelle zwischen Membrandach und Holzbaukonstruktion sehr komplex sind. Die Rohware - das Holz - kommt aus nachhaltigen österreichischen Fichtenwäldern. Am Standort Altheim - dem nach eigener Aussage des Unternehmens weltweit modernsten Fertigungswerk für Holzbauprojekte - werden daraus die montagefertigen Einzelteile gefertigt.
Der weltweit anerkannte Architekt Sir Norman Foster hat in den letzten 40 Jahren immer wieder bewiesen, dass er für tollkühne, innovative und dabei ökologische Architektur steht. Die „Gherkin“ im Zentrum Londons, der Neubau der Berliner Reichskuppel, der Flughafen in Peking oder die Ökocity Masdar in Abu Dhabi sind nur einige seiner weltbekannten Objekte.
Die Gitterstruktur aus Holz besteht aus etwa 1500 Einzelträgern aus Brettschichtholz. Einige davon sind doppelt gekrümmt, um die Architektur der Vordächer zu ermöglichen. Die Vordächer reichen 30 Meter weit über das Wasser dies ist eine besondere Herausforderung für die Ingenieure und den Innviertler Montagetrupp. Mittels temporären, über dem Wasser schwebenden Holzplattformen, schafft man sich dabei Zugang zu diesem Bereich. 450 Stahlknoten verbinden die Holzträger zu unregelmäßigen Dreiecken, mit denen diese atemberaubende „Freiform“ erreicht wird. Die extrem weit auskragenden Vordächer im westlichen und östlichen Gebäudeende und die vier sogenannten „dog ears“, welche die Fassade bilden, setzen das Holzdach besonders eindrucksvoll in Szene. Es wurden ursprüngliche Pflanzen gewählt, um die originäre Biodiversität der Region zu berücksichtigen.
