Die Universitätsstadt Tübingen möchte mit der neuen Perugiabrücke ein Zeichen für moderne, nachhaltige und barrierefreie Stadtentwicklung setzen. Der Ersatzneubau des bisherigen Bankmannstegs über den Neckar dient dabei nicht nur als Verkehrsverbindung, sondern setzt auch neue Ansätze in der Holzbauweise um, integriert technische Infrastrukturlösungen und fungiert als zentraler Knotenpunkt für den Fuß-und Radverkehr in der Unistadt.
Die Perugiabrücke schließt eine kritische Lücke im Tübinger Radverkehrsnetz. Sie dient als essenzielle Zubringerstrecke zum geplanten Regionalstadtbahn-Haltepunkt „Neckaraue", der nur rund 500 Meter südlich liegt und täglich von etwa 1.200 Pendlern genutzt werden soll. Zudem ist die Brücke als Teil der Nebenroute 6.6 des Tübinger Radverkehrskonzepts konzipiert und bildet eine direkte Anbindung an die zukünftige Radschnellverbindung Tübingen–Reutlingen. Damit wird die natürliche Barriere des Neckars überwunden und eine durchgängige, konfliktarme Verbindung für Fußgänger und Radfahrende geschaffen.
Tragwerkskonzept und konstruktive Ausbildung
Das Herzstück der neuen Brücke, geplant vom Ingenieurbüro Miebach, bildet ein elegantes, S-förmig geschwungenes Tragwerk aus blockverklebtem Brettschichtholz. Mit einer Gesamtlänge von rund 69,4 Metern überspannt das Bauwerk den Neckarin drei Feldern(Stützweiten 14,0 m/41,4 m/14,0 m) und verbindet die Stadtteile Lustnau und die Südstadt sowie die Quartiere „Alte Weberei„ und „Aeulehöfe“ direkt miteinander. Die Konstruktion basiert auf zwei gebogenen Hauptträgern, deren Querschnittshöhe sich lastabhängig an die statischen Erfordernisse anpasst. Dies ermöglicht nicht nur eine hohe Tragfähigkeit, sondern auch eine materialoptimierte und ästhetisch ansprechende Form.
Nachhaltigkeit als Kernprinzip
Die Perugiabrücke ist ein aktiver Beitrag zur Klimaneutralität der Stadt Tübingen bis 2030. Als geschützte Holzbrücke gemäß DIN EN 1995-2/NA kommt überwiegend heimisches Nadelholz zum Einsatz. Über 200 Kubikmeter zertifiziertes Nadelholz aus heimischer Forstwirtschaft binden langfristig mehr als 200 Tonnen Kohlendioxid. Damit wird das Bauwerk selbst zu einem aktiven Klimaspeicher und leistet einen messbaren Beitrag zur angestrebten Klimaneutralität der Stadt Tübingen bis 2030.

Die Konstruktion ist bewusst modular und demontagefreundlich gestaltet. Alle tragenden und aussteifenden Bauteile sind lösbar verbunden, was Wartungen, Reparaturen oder einen späteren Rückbau ohne Beeinträchtigung des Gesamtwerks ermöglicht. Der Überbau ruht auf V-förmigen Stahlbetonpfeilern, die auf Großbohrpfählen gegründet sind, während ein überkragender Belag aus Betonfertigteilen die Holzträger optimal vor Witterungseinflüssen schützt.

Barrierefreiheit und Nutzerkomfort
Mit einer nutzbaren Breite von rund 5,50 Metern bietet die Brücke ausreichend Platz für eine getrennte und konfliktarme Führung von Fuß-und Radverkehr. Die Planung orientiert sich strikt an den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA). Alle Rampen weisen maximale Steigungen von unter sechs Prozent auf, was eine durchgängig barrierefreie Nutzung für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Eltern mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrende gewährleistet. Ergänzende taktile Leitelemente und ein zweiter Handlauf unterstreichen den inklusiven Ansatz des Projekts.
Intelligente Infrastruktur: Beleuchtung und Winterheizung
Um eine ganzjährige, verkehrssichere Nutzung zu garantieren, wurde eine elektrische Flächenheizung direkt in den Brückenaufbau integriert. Dieses System verhindert effektiv die Bildung von Eis und Schnee auf der Oberfläche,minimiert Unfallrisiken und macht den Einsatz von Streumitteln überflüssig. Dies trägt nicht nur zur Verkehrssicherheit bei, sondern schont auch die Umwelt und den Brückenbelag.
Die Beleuchtungskonzeption wurde ebenso sorgfältig auf die Bedürfnisse der Nutzer und den Schutz der Umgebung abgestimmt. Integrierte LED-Punktleuchten im Handlauf sorgen für eine gleichmäßige gute Ausleuchtung der Geh-und Radwege. Durch die niedrige Einbauhöhe und eine gezielte Lichtlenkung wird das Streulicht in die Umgebung sowie in den Gewässerraum minimiert.
Steckbrief „Perugiabrücke“-Rad-und Fußwegbrücke in Tübingen
Bauherr: Universitätsstadt Tübingen
Baujahr: 2025
Abmessungen:
Länge: ca. 69,40 m
Stützweiten: ca. 14,00/41,40/14,00 m
Breite: ca. 5,50 m
Konstruktion:
Geschwungene Blockträgerbrücke mit variablen Querschnitten, Belag aus Betonfertigteilplatten mit getrennter Fahrbahn für Radfahrer und Fußgänger, Brückenbelag mit Heizung für sichere Nutzung zu allen Jahreszeiten
Planung:
Brückenkonstruktion: Ingenieurbüro Miebach
Verkehrsplanung: Walter Ingenieure GmbH & Co. KG, Heilbronn
Fachplanung Elektrotechnik: Neher Butz Plus GmbH, Konstanz
Stützmauern Rampen sowie Schal-und Bewehrungspläne der Gründungsbauwerke der Brücke: tragwerkeplus GmbH & Co. KG, Reutlingen
Ausführung:
Generalunternehmer: Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG, Metzingen
Holzbau: Schaffitzel Holzindustrie GmbH & Co. KG, Schwäbisch Hall