Eine moderne Wohnanlage mit mehreren Etagen und großen Fenstern, umgeben von Grünflächen und Bäumen.
Die Fassaden zeichnen sich durch die dunkle Holzschalung und die großen Fenster aus (Quelle: www.ninabaisch.com)

Nachhaltigkeit 2026-01-26T13:54:55.298Z Zukunftsweisendes Wohnen in Holz

In Langenargen entstand auf dem Areal einer ehemaligen Saftfabrik ein neues Wohnquartier, das hinsichtlich Nachhaltigkeit, Architektur und Lebensqualität neue Maßstäbe setzen möchte. Neben einem modernen Energiekonzept weist Quartier auch eine ökologische Bauweise auf. Um das Projekt zu realisieren, wurde ein Holz-Deckensystem von Best Wood Schneider verwendet.

Das innovative Quartier trägt den Namen NaturELLA und besteht aus neun Häusern, die jeweils vier Geschosse hoch sind. Sie beherbergen 119 Wohnungen, die eine Größe von 65 bis 145 Quadratmetern haben. Geplant wurde das Projekt von dem Planungsbüro Plösser Architekten aus Friedrichshafen. Sie ordneten die Gebäude so entlang der Straße an, dass diese einen parkähnlichen Innenhof bilden. Dabei werteten die Architekten gemeinsam mit den Freianlagenplanern von Planstatt Senner das Gelände ökologisch auf und senkten dessen Versiegelung von ehemals 90 auf 40 Prozent. Darüber hinaus achteten sie darauf, dass der alte Baumbestand so weit wie möglich erhalten blieb. Das Grünkonzept sah vor, mehr als 100 neue Bäume zu pflanzen und grüne Bereiche zu schaffen. So ist das Quartier heute grüner als je zuvor und bietet mit den schön gestalteten Gemeinschaftsflächen und dem integrierten Dorf-Café ein Stück Lebensqualität. All dies hat ein Ziel: das Nachbarschaftsleben zu fördern und sicherzustellen, dass die Mieter möglichst lange hier leben. Die Wohnungen verfügen über eine Loggia oder Terrasse und sind mit einer möblierten Küche sowie einem eingerichteten Badezimmer ausgestattet. Abgerundet wird dies durch das sorgfältig geplante Beleuchtungskonzept. Doch das Quartier ist nicht nur für Besserverdienende, 27 Wohnungen sind öffentlich gefördert. Ihr Mietpreis liegt bei zehn Euro pro Quadratmeter, dabei haben sie die gleiche Ausstattung wie alle anderen.

Mit Holz gebaut

Bauherr des Projektes ist die Fränkel AG. Ihr war ein Aspekt bei dem Projekt besonders wichtig: die Nachhaltigkeit. Dies zeigt sich sowohl im Energiekonzept als auch in der Bauweise. Alle neun Gebäude bestehen weitestgehend aus Holz. Lediglich die Treppenhäuser wurden aus statischen Gründen mithilfe von Stahlbeton gebaut. So kam es, dass die ausführende Firma oa.sys baut GmbH aus Alberschwende (AUT) insgesamt 3660 Kubikmeter Holz verarbeitete. Dieses stammt aus Österreich und Deutschland und bindet ca. 3600 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Bei den Geschossdecken vertrauten die Planer auf die best wood CLT Box – Decke FS des Unternehmens Best Wood Schneider GmbH aus Süddeutschland.

Eine moderne Wohnanlage mit einem zentralen Spielplatz, umgeben von mehreren Wohngebäuden und Bäumen.
Lediglich die Treppenhäuser, die Tiefgarage und das Fundament bestehen aus Stahlbeton. Für alle anderen Bauteile setzten die Verantwortlichen Holz ein. (Quelle: www.ninabaisch.com)

Deckensystem aus Holz

Hierbei handelt es sich um ein Hohlkastenelement, das aus zwei CLT-Platten und mehreren Brettschichthölzern besteht, die als Abstandhalter fungieren. Ein integrierter Gefachschallschutz sorgt laut Hersteller für verbesserte Trittschalldämmung im tieffrequenten Bereich. Ein Vorteil des Deckensystems: Mit ihm sollen bis zu 40 Prozent weniger Material erforderlich sein als bei einer einschaligen Massivholzdecke. Die statische Leistungsfähigkeit solle jedoch die gleiche bleiben. Das bedeutet, dass das Deckenelement eine hohe Tragfähigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht habe und sich so leicht verarbeiten lasse. Das bestätigt auch Alexander Schneider, der Ansprechpartner bei oa.sys baut, indem er sagt:  „Bei diesem Objekt haben wir ungefähr 9.100 m² der CLT-Boxen eingebaut, sowie 5.100m² CLT Decken. Obwohl wir das System bis dahin noch nie verarbeitet haben, ging uns die Arbeit gut von der Hand.”

Ein Holzmodul mit Schüttdämmung, das für den Bau von energieeffizienten Gebäuden verwendet wird.
Mit dem Deckensystem von Best Wood Schneider sind große Spannweiten und dadurch stützenfreie Räume möglich (Quelle: Best Wood Schneider GmbH)

Decken mit hochwertiger Untersicht ab Werk

Zudem seien mit dem Deckensystem geringe Konstruktionshöhen und große Spannweiten möglich. In Kombination mit der Tatsache, dass die Deckenelemente im Brandfall bis 90 Minuten standhalten und mit einfachen Mitteln raumabschließend hergestellt werden können, eignen sie sich für den Mehrgeschossbau. Doch bei den Architekten war ein anderer Aspekt dafür ausschlaggebend, sich für Elemente von best wood Schneider zu entscheiden: Die CLT-Box weist auf der Unterseite eine hochwertige Sichtqualität auf und könne dementsprechend ohne weitere Bearbeitung als Zimmerdecke verwendet werden. Möglich werde dies, indem der Hersteller entweder nur Holz nutzt, das wenig Äste besitzt, oder dank einer besonderen Schnitttechnik eine gleichmäßig gerade Holzstruktur zeigt.

Manuel Plösser, der verantwortliche Architekt des Projekts, sagt: „Zum Thema Nachhaltigkeit gehört auch der ressourcenschonende Umgang mit Baumaterialien. Dies war bei dem Deckensystem gegeben. Die geschlitzte Sichtholzuntersicht in Weißtanne sorgt für eine wertige Gestaltung.“ Darüber hinaus spare der hohe Vorfertigungsgrad Zeit.

Nachhaltigkeit konsequent umgesetzt

Die konsequente Verwendung von Holz ist jedoch nur ein Teil des Nachhaltigkeitsgedankens, der sich durch das gesamte Projekt zieht. Neben der Bauweise wurde auch bei der Energieversorgung und der Gestaltung des Geländes großer Wert auf zukunftsorientierte Lösungen gelegt. Alle Gebäude werden dem Standard eines KfW-Effizienzhauses 40 gerecht. Die Dächer der Gebäude sind mit Fotovoltaikanlagen ausgestattet und werden begrünt. Dies erhöht die Leistungsfähigkeit der Anlage im Sommer um vier bis fünf Prozent, da durch die Bepflanzung die Umgebungstemperatur spürbar reduziert wird. Dies wirkt sich positiv auf den Ertrag der Anlage aus. Ergänzt wird das System durch eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe. Sie nutzt die Energie aus drei Grundwasserentnahmebrunnen und weist einen deutlich höheren Wirkungsgrad auf als herkömmliche Luft-Wasser-Wärmepumpen. Ziel ist, dass sich die Wohneinheiten von April bis September größtenteils autark versorgen können. Zudem ist geplant, im Sommer den Energieüberschuss in Wasserstoff umzuwandeln und diesen zu lagern. Er soll in den Monaten Oktober bis März Strom für die Wärmepumpen, E-Ladestationen und andere Nutzungen liefern.

Autorin: Dipl.-Ing. Claudia El Ahwany

zuletzt editiert am 26. Januar 2026