Das rohe Holz der Schindeln altert je nach Sonnen- und Regeneinstrahlung an jeder Fassade unterschiedlich. (Quelle: Foto: Velux/ Blee Halligan / Sarah Blee)
Das rohe Holz der Schindeln altert je nach Sonnen- und Regeneinstrahlung an jeder Fassade unterschiedlich. (Quelle: Foto: Velux/ Blee Halligan / Sarah Blee)

Technik

20. December 2021 | Teilen auf:

Holzrahmenbau: Bed & Breakfast mit verwinkelter Satteldachkonstruktion und Holzschindeln

In Aldringham in der englischen Grafschaft Suffolk beeindruckt das Hotel ‚Five Acre Barn‘ durch seine verwinkelte Satteldachkonstruktion und die Holzschindelverkleidung mit einer außergewöhnlichen Optik. 

Es handelt sich dabei um einen Anbau, der den Ostflügel eines bestehenden sanierten Gebäudes ersetzte, idyllisch gelegen auf einem großen Grundstück, umgeben von Mischwald und doch verkehrsgünstig nah an einer Hauptstraße. Nachdem die heutigen Besitzer Bruce Badrock und David Woodbine lange in London gelebt und gearbeitet hatten, wollten sie ein neues Kapitel ihres Lebens auf dem Lande beginnen. Sie kauften eine in die Jahre gekommene Scheune inklusive des fünf Hektar großen Grundstücks und planten, dort ein Hotel zu eröffnen. Die Grafschaft Suffolk ist dafür prädestiniert. Ist es doch eine malerische, lebendige Gegend nur zwei Autostunden von London entfernt und ein beliebtes Ziel für Wochenendausflüge.

Den Auftrag für die Sanierung und Umgestaltung der Scheune vergaben sie an Blee Halligan – ein recht junges, aber bereits sehr erfolgreiches und preisgekröntes Architekturbüro. Wichtig war den Bauherren dabei, dass nachhaltige und einfache Materialien zum Einsatz kommen sollten, die so weit wie möglich aus der Region stammen. Der Entwurf von Blee Halligan sah vor, die Scheune unter Bewahrung des historischen Charmes behutsam umzubauen. Das lohnte sich jedoch nicht für den in den 70erJahren an der Ostseite erfolgten Anbau eines Wohngebäudes. Dieser sollte abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden, so dass im Zusammenspiel mit der renovierten Scheune ein zeitgemäßes Ensemble entstehen würde. Hervorzuheben ist dabei der nachhaltige Ansatz, dass trotz des großen Grundstücks die bebaute Fläche und damit der versiegelte Boden kaum ausgeweitet wurden. In der Scheune fanden gemeinschaftliche genutzte Flächen wie großzügige Aufenthalts- und Essbereiche sowie die Wohnung der Eigentümer ihren Platz.

„Fünf Hektar Glück” beschreibt die Lage des Hotels in Aldringham bei London gut. Umgeben von der Natur sind neben der damaligen Scheune moderne Unterkünfte entstanden. (Quelle: Foto: Velux/ Blee Halligan / Sarah Blee)
Vom Korridor aus führen Terrassentüren direkt in den wilden und dicht bepflanzten Garten des Hotels. (Quelle: Foto: Velux/ Blee Halligan / Sarah Blee)
Der Einsatz von Velux Fenstern auf dem verwinkelten Satteldach ermöglicht nicht nur eine optimale natürliche Belüftung, sondern bereichert auch die Innenräume mit Lichteinfall aus unterschiedlichen Richtungen. (Quelle: Foto: Velux/ Blee Halligan / Sarah Blee)

Neubau mit kostengünstiger Holzrahmenkonstruktion

Besonders interessant ist der Neubau: Das Volumen des neuen Gebäudes ist eine komplexe Variation des Themas Satteldach. Die kosteneffiziente Holzrahmenkonstruktion ist etwas niedriger als die Scheune. Holzschindeln an den Fassaden und am Dach betonen das moderne und skulpturale Erscheinungsbild des Anbaus. Das rohe Holz der Schindeln altert an jeder Fassade unterschiedlich, je nach Sonnen- und Regeneinstrahlung, im Einklang mit dem Garten um das Gebäude. Dachrinnen und Fallrohre sind dank einer raffinierten, aber kostengünstigen Detaillösung versteckt. Die von Architekt Greg Blee als "Brücke“ bezeichnete Verbindung zwischen dem alten und neuen Teil verschmilzt dank ihrer dunklen Farbe mit der Umgebung.

Die einzelnen Wohneinheiten sind unterschiedlich gestaltet. Gemeinsam haben sie jeweils Balkontüren, die von den durch das Dach zusätzlich belichteten sonnendurchfluteten Räumen direkt in einen wilden, duftenden Garten führen. (Quelle: Foto: Velux/ Blee Halligan / Sarah Blee)

Im Neubau befindet sich heute der Hotelbereich. Das Gebäude sollte so niedrig wie möglich sein, da das Ziel der Architekten war, die Höhe der Bestandbauten in der Umgebung zu respektieren. Die Herausforderung war gleichzeitig, innerhalb des vorgegebenen Kostenrahmens so viele Räume wie möglich in das kompakte Volumen zu integrieren. „Unsere Kunden wollten, dass der neue Teil zeitgemäß und skulptural ist und gleichzeitig zur alten Scheune passt. Aus diesem Grund, aber auch aus finanziellen Gründen, mussten wir so viel Wohnraum wie möglich in ein sehr kompaktes Volumen packen", erklärt Greg Blee. Die Lösung dafür war die Schaffung eines Obergeschosses über dem Korridor. Durch diese zweite Ebene konnten entlang des hellen Korridors mit kleinen Tischen und gemütlichen Nischen fünf Wohneinheiten eingerichtet werden: Vier davon jeweils mit Bad und Sitzecke mit TV im Erdgeschoss sowie einem Bett in einer gemütlichen Ecke unter dem Dach, alle erhellt durch große Dachfenster. Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, diese Art von Grundriss zu schaffen. „Dachfenster ermöglichen eine optimale Querlüftung sowie einen romantischen Blick über die Baumkronen in Richtung Himmel, direkt vom Bett aus", beschreibt Greg Blee die Vorteile, von denen heute insbesondere die Gäste des „Five Acre Barn“ profitieren.

Der Einsatz von Velux Fenstern bereichert die Innenräume zudem mit Lichteinfall aus verschiedenen Richtungen. Die einzelnen Wohneinheiten sind unterschiedlich gestaltet. Gemeinsam haben sie jeweils Balkontüren, die von den durch das Dach zusätzlich belichteten sonnendurchfluteten Räumen direkt in einen wilden, duftenden Garten führen. Während der Ausblick in den Garten mit seiner dichten Bepflanzung für Intimität sorgt, schafft das Dachfenster Offenheit und himmlische Weite. Die Gäste, die morgens vom Bett aus auf die sich bewegenden Baumkronen und das Wolkenspiel über dem Garten der Five Acre Barn blicken, stimmen dem zweifellos zu. Weite Teile des Gartens wurden bewusst nicht kultiviert. Durch das Bewahren von Wildblumenwiesen und dichten Bewuchs blieb nicht nur für die Gäste die ganz besondere Atmosphäre des fünf Hektar großen Grundstücks erhalten. Auch Insekten und Wildtieren wird weiterhin ein attraktiver Lebensraum geboten.

Die Fassaden des Ensembles vor (oben) und nach der Renovierung (unten): Der alte Anbau wurde abgerissen und durch einen neuen Flügel ersetzt. Die alte Scheune wurde sehr behutsam saniert, mit minimalen Änderungen an der Fassade. Um den historischen Charme zu erhalten, wurden beschädigte Dachziegel durch solche mit Patina ersetzt. (Quelle: Plan: Blee Halligan)
Grundriss des Erdgeschosses vor (links) und nach der Renovierung (rechts): Die Architekten ersetzten den alten Ostflügel durch einen zeitgemäßen Neubau, in dem sich heute die Unterkünfte für die Gäste des „Five Acre Barn“ befinden. (Quelle: Pläne: Blee Halligan)
Die Lage der alten Scheune und des sich im Osten anschließenden neuen Anbaus auf einem fünf Hektar großen mit Mischwald bewachsenen Grundstück und gleichzeitiger vorhandener Anbindung an die Hauptstraße verdeutlicht die Zeichnung. (Quelle: Plan: Blee HalliganPreviousNextClose)

Der Wunsch der Besitzer Bruce Badrock und David Woodbine, mit dem neuen Kapitel ihres Lebens auf dem Land ihr Glück zu finden, scheint aufgegangen zu sein. Sogar so gut, dass sie mit ihrem Hotel auf dem großen Grundstück nicht nur sich, sondern auch ihre Gäste glücklich machen. Dafür muss man nur mal einen Blick auf die begeisterten Google-Rezensionen zum „Five Acre Barn“ werfen. Fünf Hektar Glück scheinen nicht übertrieben zu sein.

zuletzt editiert am 20.12.2021