Blick auf die Teilnehmenden der Tagung
Die gemeinsame Frühjahrstagung bot ein vielfältiges Programm, das aufwies, wie wegbrechende Geschäfte kompensiert werden können. (Quelle: Der Zimmermann)

News 2024-02-26T12:33:28.419Z Der Holzbau geht in Serie

Etwa 270 Teilnehmer:innen folgten Ende Februar der Einladung der drei Holzbauvereinigungen DHV, 81fünf und ZMH zur gemeinsamen Frühjahrstagung nach Berlin. Im Fokus stand vor allem der Wohnungsbau: seriell saniert, modular gebaut oder als vorgefertigte Mehrgeschosser.

Vom 22. bis zum 24. Februar 2024 versammelten sich rund 270 Mitglieder der Holzbau-Organisationen Deutscher Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV), ZimmerMeisterHaus (ZMH) und der 81 fünf high-tech & Holzbau AG zur gemeinsamen Frühjahrstagung in Berlin. Seit 2018 führen die drei Vereinigungen einmal jährlich eine gemeinsame Tagung durch, um die Zusammenarbeit auch auf Mitgliederebene zu stärken.  Die drei Tage boten eine bunte Mischung aus Fachvorträgen und geselligem Beisammensein. Flankiert wurde die Tagung von 37 branchennahen Austellern aus der Industrie.

Marktpotenziale des Seriellen Sanierens

Nachdem Erwin Taglieber, Präsident vom DHV, Holger Kappler Präsident vom ZMH, und Thomas Elster Vorstand von 81fünf, die Anwesenden begrüßt und Neuigkeiten aus Lobby- und Verbandspolitik mitgeteilt haben, überbrachte Lothar Fehn Krestas vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwickung und Bauwesen ein Grußwort aus der Politik. Seine Worte enttäuschten allerdings viele der Anwesenden, da der Unterabteilungsleiter Baupolitik, Klimaschutz und Nachhaltigkeit schlecht vorbereitet wirkte.

Ahmed al Samarraie, der für den DHV das Hauptstadtbüro leitet, referierte anschließend gemeinsam mit Robert Raschpar, Senior Experte Serielles Sanieren bei Deutsche Energie-Agentur GmbH, zu den Potenzialen des Seriellen Sanierens für Holzbauunternehmen. Bereits bei der Anmoderation betonte Holger Kappler: “Im seriellen Sanieren stecke viel Marktpotenzial. Damit können wir wegbrechende Geschäfte wieder füllen.“

Energetische Verbesserung erforderlich

Al Samarraie bestätigte diese Einschätzung. Sowohl bei den Ein- und Zweifamilienhäusern als auch im Mehrfamilienhausbau muss ein wesentlicher Teil des heutigen Gebäudebestandes energetisch verbessert werden. Die Renovierungsquote der öffentlichen Gebäude beträgt aktuell 0,8 Prozent und soll auf drei Prozent gesteigert werden. Der Holzbau böte sich dafür an, unter anderem deshalb, weil sich unsere Baustoffe in der Preisentwicklung beruhigen, während die energieeffizienten Baustoffe anziehen.

Bild von Ahmed al Samarraie
Ahmed al Samarraie zeigte die Potenziale, die im seriellen Sanieren stecken, auf. (Quelle: Der Zimmermann)

Das bestärkte Robert Raschper, als er das Energiesprong-Gesamtpaket, ein Sanierungsprinzip, das mit vorgefertigten Elementen NetZero-Gebäude erzielen möchte, vorstellte: „wir müssen deutlich schneller werden, was die Dekobanisierung des Bestandes angeht.“ Der Staat fördere das serielle Sanieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Förderungen sei die BEG Förderung zum seriellen Sanieren die ganze Zeit durchgelaufen.

Lediglich die Bundesförderung serielles Sanieren nach BAFA, ist aktuell ausgesetzt. Man hofft aber darauf, dass sie erneut abgerufen wird. „Wenn dann saniert wird, haben wir eins gelernt. Der Bestand muss ordentlich beprobt werden, um darauf die Planung aufbauen zu können, ohne später Überraschungen erleben zu müssen.“ mahnt Raschper zum Schluss an.

Modular bauen heißt nicht Plattenbau

Als Referent zum zweiten Branchen-Trendthema dieser Zeiten, das modulare Bauen, war Axel Koschany eingeladen. Obwohl unter anderem im Beirat der Saint-Gobain Brüggemann Holzbau GmbH sitzend, wollte der studierte Architekt über alles reden, aber nicht über Holz. „Hier sitzen so viele Experten, wenn ich damit anfange, begebe ich mich auf sehr dünnes Eis.“ „Aber als Architekt macht mir das modulare Bauen Spaß.“

Hersteller sprächen von einer Zeiteinsparung von bis zu 30 Prozent. Zudem habe sich der Finanzmarkt gedreht. Finanzierung kostet wieder Geld. „Wir müssen den Leuten nur die Furcht vor der Platte nehmen. Für ein seriell gebautes Auto geben die meisten viel Geld aus. Gebäude sollen dagegen möglichst individuell gebaut werden.“ Koschany war an der Entwicklung des seriell-modularen Wohnungsbaus für das Immobilienunternehmen Vonovia maßgeblich beteiligt.

Als letzter Referent vor dem Feierabendbier weckte Dr. Maximilian Lude, Wissenschaftler und Gründer von Philoneos, Bureau für Zukunftsangelegenheiten, mit seinem sehr lebendigen Vortrag die Anwesenden auf. „Mein Wunsch an Sie: Stellen Sie Kontext her.“ Denn Kontextkompetenz sei in diesen Zeiten unabdingbar. Branchengrenzen verschwimmen, mehr Opportunitäten entstehen. Beispielsweise fertige der Stifthersteller Edding inzwischen Tinte für Tattoostudio. Man müsse den Kontext verstehen, um Geschäftsmodelle anpassen zu können. Das war eigentlich auch immer so, läuft nur heute unglaublich viel schneller.

Erwin Taglieber verabschiedet sich

Worte voller Lobes fanden Thomas Elster und Holger Kappler, als sie Erwin Taglieber verabschiedeten. Denn es war seine letzte gemeinsame Frühjahrstagung der Verbände. Bei der Herbsttagung vom DHV wird er sich nicht mehr zur Wiederwahl als Präsident stellen. „Es braucht frischen Wind im Vorstand.“ begründete er seine Entscheidung kurz und knapp. „Du bist ein zentrales Gesicht des Deutschen Holzbaus, wir werden Dich vermissen“. gab Thomas Elster dem Scheidenden zum Abschied mit.

Drei Männer stehen zusammen und halten ein Paket in der Hand
Abschiedsgeschenk für Erwin Taglieber (rechts) von Holger Kappler (links) und Thomas Elster. Er wird im Herbst nicht erneut als Präsident für den DHV kandidieren. (Quelle: Der Zimmermann)

Projektentwicklung geht auch mit Holz

Am dritten Tag stellte Sun Jensch die Koalition für den Holzbau vor, deren Geschäftsführung sie innehat. Die Koalition im Holzbau wurde im November 2021 gegründet und richte sich vor allem an Projektentwicker, Projektsteuerer und Investoren, um den mehrgeschossigen Holzbau voranzubringen.

Auch wenn die Anwesenden diese Initiative sehr begrüßen, blieb Jensch‘ Aussage, dass, wenn mit Holz gebaut wird, von durchschnittlich neun Prozent Mehrkosten gerechnet werden kann, nicht ohne Gegenrede. Die Ursache für die Mehrkosten sei laut den Wortmeldungen aus dem Publikum vor allem darin zu finden, dass, obwohl in Holz gebaut werden soll, immer noch in Mineralisch gedacht wird. Im Holzbau müssen alle Beteiligten allerspätestens in LP 2 hinzugeholt werden. Ansonsten treiben Planungsänderungen etc. den Preis in die Höhe.

Ein Foto von Sun Jensch
„Viele Investoren wollen mit Holz bauen. Nur leider zeigt der Faktencheck, dass der Wunsch noch oft an der Wirklichkeit scheitert.“ so Sun Jensch. (Quelle: Der Zimmermann)

Wolfgang Schäfer, beim DHV für die Technik zuständig, stellte aktuelle Entwicklungen aus der Normung vor. So soll zukünftig beim Bauen mit Laubholz, insbesondere Eiche, vorhabenbezogen von der Vorgabe der Einbaufeuchte von höchstens 20 Prozent in DIN 68800-2 abgewichen werden können, wenn die sich zwangsläufig einstellenden Verformungen berücksichtigt werden.  

Klarheit nun auch in DIN 18334 VOB/C

Klarheit herrscht nun auch in DIN 18334 (VOB/C), bei der Abrechnung von vorgefertigten Decken und Wänden. Bei der Abrechnung nach Flächenmaß können nun die größten Maße des Gesamtbauteils angenommen werden. Die Novellierung der Norm DIN 4108-3, die im März 2024 erscheinen soll, wird geänderte nachweisfreie Aufbauten enthalten, wie nicht belüftete Dächer mit Dachabdichtung oder die oberste Geschossdecke. In DIN 68800-2 soll eine Sockelausführung Eingang finden, bei der die Abdichtung höher als Oberkante Fertigfußboden gezogen werden soll. Denn so vermeide man Schäden, die durch unsachgemäße Gestaltung der Außenanlage hervorgerufen werden können.

Foto von Wolfgang Schäfer
Was sich in den Normen ändern wird, stellte Wolfgang Schäfer vor. (Quelle: Der Zimmermann)

Egal, wie groß der Wille ist, sich den aktuellen Anforderungen anzupassen: Ohne Fachkräfte lassen sich die besten Vorhaben nicht umsetzen. Deshalb hatte Paul Johannes Baumgartner mit seinem Vortrag „Vom Mitarbeiter zum Fan“ das Schlusswort der Referierenden.

Ein Beitrag von Angela Trinkert.

zuletzt editiert am 20. März 2026
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