170 Teilnehmer aus 55 Manufakturen und von 33 Marktpartnern waren vom 24. bis 26. November in Schwäbisch Hall angereist, um am traditionellen Herbsttreffen der ZimmerMeisterHaus Gruppe teilzunehmen. Als Lohn für ihre teilweise lange Anreise winkten eine Veranstaltung mit einem unterhaltsamen und informativen Veranstaltungsprogramm und ein fruchtbarer Erfahrungsaustausch unter Kollegen.
Im Rückblick berichtete Präsident Holger Kappler von einem Geschäftsjahr mit schwierigen Rahmenbedingungen, zu denen eine niedrige Neubauquote trotz hohen Wohnungsbedarfs gehörte. Als besondere Chance für ZimmerMeisterHaus-Manufakturen sieht Holger Kappler Projekte aus der seriellen Sanierung, wo wegen der komplexen Aufgabenstellungen im Bestand professionelle Handwerker gefragt sind und der Trend seiner Meinung nach vom Projekt zum Produkt gehen wird.
Geschäftsbericht und Brandschutzupdate
Dem Bericht von Geschäftsführer Matthias Schlosser ließ sich entnehmen, dass 2023 die in Deutschland steigende Holzbauquote nicht den allgemeinen Rückgang bei den Baugenehmigungen ausgleichen konnte. Dabei ist der Rückgang der Baugenehmigungen im Mehrgeschossbau ähnlich wie im Einfamilienhausbereich. Wer wie die ZimmerMeisterHaus-Manufakturen derzeit noch über eine gute Auslastung verfügt, befindet sich also sozusagen auf der Sonnenseite der Branche. Die Bewertung des betriebswirtschaftlichen Ergebnisses durch die Manufakturen sank in 2023 minimal auf die Note 2,3, die Geschäftsfelder verschoben sich bei vielen in Richtung Bauen im Bestand.
Bei den ERFA-Gruppen stößt denn auch die serielle Sanierung auf Interesse, weitere Schwerpunkte liegen auf der betrieblichen Weiterentwicklung in Technik und Unternehmensführung. Strategisch stehen zusätzlich Themen wie Digitalisierung, Wissenstransfer, Kommunikationsstruktur und Themenvielfalt im Vordergrund.
Im Anschluss gab Ralf Stoodt, Bauexperte in der ZMH-Geschäftsstelle, den Zuhören ein „Brandschutzupdate“. Er begann mit der Warnung, unzulängliche Planungen ohne Brandschutznachweis nicht zu akzeptieren: „In letzter Konsequenz muss das Holzbauunternehmen die Übereinstimmung erklären und haftet im Zweifelsfall.“
Generell befinde man sich beim Brandschutz in einer Übergangsphase, da die neue Musterholzbaurichtlinie zwar vorliege, aber erst nach und nach in den einzelnen Bundesländern anwendbar werde. Im Rahmen dieses Prozesses würden allgemeine Bauartgenehmigungen (aBG) die allgemeinen bauaufsichtliche Prüfzeugnisse (abP) allmählich ersetzen, auch wenn Letztere im Übergang noch vielerorts akzeptiert würden.
Mit Inkrafttreten der Musterholzbaurichtlinie würden außerdem die europäischen Klassifizierungsdokumente zum Brandschutz und damit alle in Data-Holz.eu niedergelegten Konstruktionen anwendbar. Außerdem sprach Ralf Stoodt das Thema Holzfassaden in den Gebäudeklassen 4 und 5 an. Hier sollte das Holzbauunternehmen nicht von der Musterholzbaurichtlinie abweichen. Denn auch hier hafte es im Zweifel – nicht nur im Holz-, auch im Holzhybridbau.
Unterhaltsam, lehrreich, informativ
Das allgemeine Vortragsprogramm begann mit einem Grußwort von Benjamin Würth. Der kommende Vorsitzende des Stiftungsrats der Würth-Gruppe startete mit einem Dank an die Anwesenden: „Es ist in der momentan nicht einfachen Zeit wichtig, mit Partnern zusammenzuarbeiten, die nach vorne schauen, das Ganze positiv sehen und sich das Ziel setzen, aus der Situation das Beste zu machen und sich weiterzuentwickeln.“
Nach einem Einblick von Thomas Klenk in die Strategie der Firma Würth und einem Vortrag von Thomas Mück aus der Akademie Würth über die Zukunft des Lernens folgte ein verblüffender Vortrag von Udo Hermann, Schreinermeister mit eigenem Unternehmen, zum Thema digitale Assistenz. Eröffnet von der digitalen „Sekretärin“ Ella, die der Referent mit KI-Tools konfiguriert hatte, gipfelten seine Ausführungen zu den Vorteilen einer KI-Anwendung im Handwerk in praktischen Beispielen.
Es folgte ein Vortrag von Martin Langen, Geschäftsführer der B+L Marktdaten GmbH zum Thema „Weg aus der Krise“. Die positive Nachricht: Aus einer Fülle von Gründen, zu denen günstige Boden- und Immobilienpreise, sinkende Zinsen, steigende Einkommen und Mieten gehören, rechnet Langen mit einem schrittweisen Wiederanspringen der Baukonjunktur. Dies könnte bereits bis Ende 2024 einen Großteil der Branche erfassen, wobei die Effekte erst in 2025 oder 2026 wirtschaftlich spürbar sein werden. Selbst für den Einfamilienhausbau rechnet der Referent durch eine Stabilisierung auf einem gegenüber 2023 leicht erholten Niveau. Überraschend dürfte für viele Zuhörer seine Einschätzung zu derzeit im Trend liegenden Geschäftsfeldern gewesen sein – Modulbau und Serielle Sanierung werden seiner Meinung nach Nischenmärkte bleiben: „Ersterer, weil es zum Problem werden wird, die Anlagen auszulasten, letztere, weil der Preisunterschiede zum Wärmedämm-Verbundsystem zu groß ist.“
Das Ende des Vortragsprogramms stand im Zeichen der KI: Prof. Dr. Thomas Wortmann von der Universität Stuttgart referierte zum Thema „Computing in der Architektur“. Auch wenn im Baubereich oft die breite Datenbasis fehlt und neuronale Netze nicht im eigentlichen Sinne „intelligent“ seien, weil ihnen zum Beispiel das Verständnis für eine räumliche Zuordnung fehle, könne KI Architekten „als Inspiration und Startpunkt“ dienen.
Frank Astor, Führungskräftetrainer und Unternehmercoach, gab den Teilnehmern Tipps für erfolgreiches Unternehmertum in Zeiten künstlicher Intelligenz. Hier helfen „Die sieben Säulen für nachhaltigen Erfolg“, die von einer klaren Standortbestimmung bis hin zu einer intensiven Beschäftigung mit KI und einer regelmäßigen Überprüfung der eigenen Ziele und ihrer Umsetzung reichen.
Wie immer nutzten die Mitglieder das abwechslungsreiche Rahmenprogramm – die Besichtigung der ZimmerMeisterHaus Manufaktur KEGA Holzbau in Eberstal, der Besuch mehrerer Würth-Locations und zwei gemütliche Abende in Schwäbisch Hall – um sich im persönlichen Gespräch mit Kollegen und Markpartnern auszutauschen. So sind über die Jahre viele Freundschaften innerhalb der Gruppe entstanden – Kennzeichen des besonderes ZMH Spirits, der aus der Beteiligung, Begeisterung und dem Gemeinschaftsgefühl aller wächst und für viele ein wichtiger Anlass ist, auch weite Wege zu den Treffen zurückzulegen. Die begleitende Ausstellung der Marktpartner nutzten viele Teilnehmer, um sich zu informieren, den Herstellern Anregungen zur Weiterentwicklung zu geben und langfristige Beziehungen zu pflegen.
