DasBild zeigt eine Videoaufnahme mit Herrn Prause und eine Folie auf der Renderings von Sonderbauten abgebildet sind. (Quelle: Der Zimmermann)
Der Holzbau ist in der Gesellschaft angekommen. Mehr und mehr große Gebäude und Sonderbauten werden in Holz geplant und erstellt. Dafür sind neue, andere Prozesse als die, die für den Ein- und Zweifamilienhausbau üblich sind, notwendig. (Quelle: Der Zimmermann)

Digitale Weiterbildung

07. December 2021 | Teilen auf:

Holzbaugerechter Planungsprozess: Gut geplant ist halb gebaut

Knapp 80 Interessierte nahmen am 16. November am Onlineseminar mit Gerd Prause zum Thema „Holzbaugerechter Planungsprozess: Gut geplant ist halb gebaut“ teil. Dass der Holzbau einen anderen Planungsprozess als der mineralische Bau benötigt, arbeitete der Referent deutlich heraus.

Zum Einstieg listete Gerd Prause fünf Voraussetzungen auf, die für ein gutes Holzbauprojekt notwendig sind:

  • Falls für ein Bauvorhaben Holzbau in Erwägung gezogen wird, sollte bereits in der Leistungsphase 1 in Holzbau gedacht werden, damit dann direkt in Holzbau geplant werden kann.
  • Integrale statt lineare Planung, sodass alle an der Planung Beteiligten gleichzeitig an dem Projekt arbeiten können.
  • Im Holzbau sollte mit Building Information Modeling (BIM) geplant, gebaut und betrieben werden. Es ist eine kooperative und digitale Planungsmethodik, bei der auch der Lebenszyklus eines Gebäudes stärker als bei den traditionellen Methoden betrachtet wird.
  • In 3D digital und lückenlos planen. Das Ziel ist, dass das Büro papierlos im Planungsprozess wird.
  • Es wird eine digitale Projektplattform benötigt, auf der alle an der Planung Beteiligten die aktuellen Unterlagen ablegen und auf sie zugreifen können.

Ein Grund, warum eine digitale Planung im Holzbau immer bedeutender wird, ist laut dem Experten für Arbeitsvorbereitung, der seit 1993 die Geschäfte von Prause Holzbauplanung GmbH & Co. KG in Lindlar führt, dass der Holzbau in der Gesellschaft angekommen ist. Somit werden die Projekte immer größer. Neue Prozesse sind für mehrstöckige Gebäude und für Sonderbauten in Holzbauweise notwendig. Dabei wird es zukünftig auch notwendig werden, nicht nur die Gebäudeplanung, sondern auch den Bauablauf und die Kostenplanung in das BIM einzubinden.

Ein Team mit Holzbaukompetenz

Ein reibungsloser Ablauf beginnt mit einem guten Team. Die Zusammensetzung des Planungsteams, bestehend aus Fachplanung, mitplanenden Ausführenden und Herstellern, wird projektspezifisch festgelegt und direkt zu Planungsbeginn lückenlos beauftragt. Dabei sollten alle Beteiligten über Holzbaukompetenz verfügen.

Aber was bedeutet eigentlich Holzbaukompetenz? Prause definierte in seinem Vortrag drei Formen: die Holzbauprozesskompetenz, die um Holzbauwissen erweiterte Kompetenz der Fachplanung und die Holzbauplanungsfachkompetenz.

Ein ganz wichtiger Punkt im Holzbau ist laut Gerd Prause eine ehrliche Terminplanung, zurückgerechnet von der Montage bis zur Vergabe des Holzbaus. Dabei kann es sein, dass bei größeren Projekten der Holzbau vor der Tiefgarage, auf der er später mal stehen soll, ausgeschrieben werden muss, weil der Prozess aufgrund der Vorfertigung deutlich mehr Zeit erfordert.

Für die Planung empfahl der Referent die Nutzung von standardisieren Details aus Bauteilkatalogen wie dataholz.eu oder Lignum und die Wiederholung von bereits eingespielten Teams. Beides beschleunigt den Prozess erheblich.

Witterungsschutz ernst nehmen

Zudem machte Prause auf einen Punkt aufmerksam, der zunächst unscheinbar sein mag, aber vor Schäden in Millionenhöhe bewahren kann: den Witterungsschutz. „Da es in letzter Zeit vermehrt große Witterungsschäden durch Wasser gegeben hat, können zukünftig die Versicherungspolicen für die Holzbauunternehmen steigen. Ein guter Witterungsschutz muss deshalb mit ausgeschrieben und geplant werden“, so der Fachmann, der zudem als Vorstandsmitglied beim Deutschen Holzfertigbauverband (DHV) und im Netzwerk 81fünf aktiv ist.

Zu guter Letzt warb Gerd Prause nachdrücklich für den Beruf der Arbeitsvorbereiterin bzw. des Arbeitsvorbereiters. Die Arbeitsvorbereitung ist im Planungsprozess oft nicht bekannt, da sie häufig im Hintergrund arbeitet. Dabei handelt es sich bei der Arbeitsvorbereitung um digitale Holzbauplanung. Sie muss sich auch um einige weitere Gewerke kümmern, die an vielen Stellen mit dem Holzbau in Berührung kommen, ihn durchdringen oder an ihn anschließen. Fehlende Holzbaukompetenz bei weiteren Beteiligten muss dabei durch die Arbeitsvorbereitung ausgeglichen werden. Kenntnisse über alle anderen Gewerke, statisches und bauphysikalisches Wissen, Kenntnisse über die Maschinen sind, neben Erfahrung auf der Baustelle und Beherrschung der einschlägigen Programme, deshalb unabdingbar.

zuletzt editiert am 12.01.2022