Ein Konferenzraum mit Teilnehmern, die auf eine Bühne mit einer Präsentation zum Thema Holzbau und nachhaltiges Bauen blicken.

News 2026-05-11T13:42:25.870Z 2. Internationales Holzbau Symposium

Unter dem Leitmotiv „Bauen mit Holz: der Wirtschaftsfaktor für den Klimaschutz“ kamen am 29. April 2026 Spitzenvertreter aus Wissenschaft, Politik und Bauwirtschaft. Eine der Forderungen: Alle Bauweisen mit gleichen Spielregeln ausstatten.

Die Veranstaltung wurde von der Fördergesellschaft Holzbau und Ausbau mbH im Auftrag von Holzbau Deutschland, dem Holzbau Deutschland Institut und Bauhaus Erde ausgerichtet.

Diskussionsteilnehmer auf dem Holzbau Symposium vor einer Leinwand mit einer Botschaft des Bundeskanzlers.
(v.l.n.r.) Adrian Blödt, Präsident Holzbau Deutschland Institut, Prof. Dr. Philipp Misselwitz, CEO von Bauhaus Erde, Peter Aicher, Vorsitzender Holzbau Deutschland und Präsident Timber Construction Europe, (Quelle: RM Rudolf Müller Medien GmbH)

Adrian Blödt, Präsident des Holzbau Deutschland Instituts, forderte in seiner Eröffnungsrede von der Politik einen Paradigmenwechsel: „Es grenzt an Wahnsinn, 50 Jahre lang immer das Gleiche zu tun und zu erwarten, dass sich beim Klima oder der Wohnungsnot etwas ändert. Wir fordern keine Dauersubventionen, sondern endlich fairen Wettbewerb.“ Er konkretisierte: „Wir müssen es schaffen, dass alle Bauweisen mit den gleichen Spielregeln ausgestattet sind.“ Außerdem müsse öffentliches Bauen seiner Vorbildrolle gerecht werden.

„Wirtschaft und Bausektor können von effektivem Klimaschutz profitieren“, betonte auch Bundeskanzler Friedrich Merz in seinem schriftlichen Grußwort an die Veranstalter. „Wenn es darum geht, im Gebäudebereich die Klimaschutzziele zu erreichen, dann ist das Bauen mit Holz eine zukunftsweisende Option – gerade in Deutschland. (…) Serielles Bauen mit Holz dient dem Klima und schafft schnell neuen Wohnraum“. Der Bundeskanzler zitierte zudem Albert Einstein mit den Worten: „Klugheit bewährt sich in der Fähigkeit zur Veränderung“.

Teilnehmer sitzen in einem Konferenzraum beim 2. Internationalen Holzbau Symposium, das sich auf nachhaltiges Bauen und Wohnen konzentriert.

Der Vorsitzende von Holzbau Deutschland, Peter Aicher, freute sich über das große Interesse von Politik und Holzbau-Experten am 2. Holzbau Symposium, das den Baustoff Holz erneut in den Fokus rückte und zahlreiche Ideen für die zukünftige Entwicklung des Holzbaus offerierte. Er forderte, dass der Klimaschutz von der Politik und Gesellschaft als zentrales Anliegen vorangebracht und der klimapositive Baustoff Holz gleichberechtigt mit anderen Baustoffen betrachtet wird. Nur so könne der Holzbau sein Potenzial für die Wirtschaft und den Klimaschutz gleichermaßen gewinnbringend einsetzen.

Blödt hatte zuvor klar gefordert: „Wir brauchen die sofortige baurechtliche Gleichstellung des Holzbaus mit dem Massivbau auf Basis wissenschaftlicher Evidenz.“ Wie drängend dieser Paradigmenwechsel ist, machten die Keynotes der Spitzenforscher deutlich.

Ein Redner hält eine Präsentation über Bauwirtschaft auf einer Konferenzbühne.

Christoph Schild, Präsident des Bundes Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) wies auf das Spannungsfeld des Bauens zwischen Technologieoffenheit, Ökonomie und Klimaschutz hin und gab zu bedenken: „Kann sich die Gesellschaft so viele Unikate leisten?“ – Dennoch müsse Baukultur in die Breite kommen und es müsse bestimmt sein von Leistungswettbewerben.

Ein Vortrag über den Schutz von Wäldern wird in einem Konferenzraum gehalten. Eine Person steht am Rednerpult vor einer großen Leinwand mit einer Präsentation.
Prof. Dr. Helga Weisz, Leiterin Future Lab Social Metabolism & Impacts, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zum Thema "Industrieller Metabolismus - ökologisches Wirtschaften" (Quelle: RM Rudolf Müller Medien GmbH)

Prof. Dr. Helga Weisz vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), zeigte auf, dass mineralische Baumaterialien mittlerweile 48 Prozent der weltweiten Materialextraktion ausmachen. 7,8 Mio. Hektar pro Jahr an Waldflächen gehen verloren. Weisz wies darauf hin, dass zu wenig Aufmerksamkeit auf dem Rückgang der Wälder liegt – dies jedoch Ursache für den Verlust von Ökosystemfunktionen sei. Sie appellierte, dass die 2022 beschlossenen Vereinbarungen des Kunming Montreal Global Diversity Framework (GBF) in nationale Pläne übersetzt werden. Denn bis 2030 müssen demnach beispielsweise 30 % der weltweiten Ökosysteme wiederhergestellt werden sowie unter Schutz zu stehen.

Eine Gruppe von Konferenzteilnehmern sitzt aufmerksam in einem großen Saal mit hohen Fenstern und grüner Beleuchtung.
Bundesbauministerin Verena Hubertz, zu ihrer Rechten Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Joachim Schellnhuber, Generaldirektor International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), zu ihrer Linken Peter Aicher, Vorsitzender Holzbau Deutschland und Rainer Kabelitz-Ciré, Geschäftsführer Holzbau Deutschland. (Quelle: RM Rudolf Müller Medien GmbH)

Bundesbauministerin Verena Hubertz war persönlich anwesend und bestätigte in ihrem Vortrag die dramatischen Folgen des Bausektors in Sachen CO2-Emissionen. Der Bausektor sei für 40 Prozent der CO2-Emissionen und 90 Prozent des Verbrauchs mineralischer Baustoffe verantwortlich. Als Positivbeispiele führte sie Franklin Village und das Collegium Academicum auf, welche als Modellbauten gelten könnten.

Ein Redner hält einen Vortrag beim 2. Internationalen Holzbau Symposium.
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Joachim Schellnhuber, Generaldirektor International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA): "Der Bausektor allein bringt uns über die 2°C-Grenze." - Klimareparatur gelinge, wenn nachwachsende Rohstoffe im Bauen zum Gold-Standard würden. (Quelle: RM Rudolf Müller Medien GmbH)

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Joachim Schellnhuber, Generaldirektor des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) und Gründer von Bauhaus Erde, betonte, dass reine Emissionsvermeidung nicht mehr ausreiche, um einen katastrophalen Klimawandel – inklusive eines möglichen Abreißens des Golfstroms – abzuwenden. Vielmehr müsse die „Wald-Bau-Pumpe“ aktiviert werden. „Wir müssen durch nachhaltige Forstwirtschaft der Atmosphäre CO2 entziehen und den Kohlenstoff langfristig in unseren Gebäuden speichern“, so Prof. Schellnhuber. Klimareparatur gelinge nur, wenn die nachwachsenden Rohstoffe im Bauen zum Gold-Standard würden.

Die 400-Quadratmeter-Falle: Bürokratie bremst Klimaschutz

In den Diskussionsrunden wurde deutlich, woran die Umsetzung in der Praxis hakt, nämlich an fehlender Chancengleichheit und überbordender Bürokratie. Ein drastisches Beispiel, das Adrian Blödt in die Diskussion einbrachte, ist die Musterholzbaurichtlinie für die Gebäudeklasse 5: während die Bauordnung für den Massivbau Brandabschnitte von 1.600 Quadratmetern zulässt, wird der Holzbau pauschal auf 400 Quadratmeter beschränkt – und das, obwohl nachweislich vollgekapselte Holzkonstruktionen dem Brandverhalten von Massivbauten entsprechen. Gleiches gilt für die stigmatisierende Bewertung natürlicher Holz-Emissionen (VOC, Volatile Organic Compounds), etwa der Kiefer, durch pauschale Summenwerte des Umweltbundesamtes, die den Einsatz regionaler, klimaresilienter Hölzer im Hausbau blockieren.

Die anwesende Politik signalisierte Handlungsbereitschaft. Christian Gaebler (SPD), Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen des Landes Berlin und Vorsitzender der Bauministerkonferenz (BMK), nahm die Problematik der 400-Quadratmeter-Beschränkung ernst und sprach von einer „Ermöglichungskultur“. Er kündigte an, notfalls politische Entscheidungen gegen das Zögern der Fachgremien durchzusetzen, um bundesweit einvernehmliche und innovationsfördernde Regeln für den Holzbau zu schaffen.

Eine Frau hält einen Vortrag am Rednerpult während eines Symposiums.
Verena Hubertz, MdB, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (SPD) (Quelle: RM Rudolf Müller Medien GmbH)

Bundesbauministerin Verena Hubertz bekräftigte den Willen der Regierung, Planungs- und Genehmigungsverfahren mit der Novelle des Baugesetzbuches drastisch zu beschleunigen und zeigte sich entschlossen, die Holzbauinitiative bis 2030 weiterzuführen. Michaela Kaniber, bayerische Staatsministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (CSU), betonte die Notwendigkeit des aktiven Waldumbaus, für den allein Bayern jährlich 91 Millionen Euro investiert. Sie warnte Europa davor, den heimischen Rohstofflieferanten durch überzogene Regularien wie beispielsweise die EU-Entwaldungsverordnung in ihrer Wettbewerbsfähigkeit einzuschränken.

Eine Rednerin hält einen Vortrag beim 2. Internationalen Holzbau Symposium.
Michaela Kaniber, MdL, Bayerische Staatsministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (CSU) (Quelle: RM Rudolf Müller Medien GmbH)

Appell für kluge Innovationsförderung und klimagerechtes Bauen

Das Holzbau Symposium schloss mit einem eindringlichen Appell von Adrian Blödt an die Politik und Verwaltungen: „Wir müssen endlich weg von der Frage ‚Warum geht etwas nicht?‘, hin zu einem innovationsfördernden Mindset und einer echten Ermöglichungskultur. Der Holzbau hat die Lösungen für bezahlbares, serielles und klimagerechtes Bauen längst auf dem Tisch – man muss uns nur machen lassen.“

zuletzt editiert am 12. Mai 2026