Die Referent*innen der 31. Deutschen Holzschutztagung in Dresden
Die Referent*innen der 31. Deutschen Holzschutztagung in Dresden (Quelle: Heinelt-IHD)

Veranstaltungen

18. May 2022 | Teilen auf:

31. Deutsche Holzschutztagung

Am 12. und 13. Mai 2022 fand in Dresden die 31. Deutsche Holzschutztagung statt. Knapp 100 Interessierte nahmen an der Präsenzveranstaltung teil und verfolgten aufschlussreiche Vorträge aus Forschung und Praxis des Holzschutzes.

Organisiert wird die Tagung vom Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) mit inhaltlicher Gestaltung von dem Deutschen Fachausschuss Holzschutz, der aus der ehemaligen Deutschen Gesellschaft für Holzforschung (DGfH) nach deren Auflösung 2011 entstanden ist.

Die Ausrichtung der Vorträge lässt sich grob in die Schwerpunkte Holzschutz in der Anwendung, Ergebnisse und Stand der Forschung im Holzschutz und Arbeiten junger Wissenschaftler*innen einteilen.

Den Auftakt zu den eher anwendungsbezogenen Referaten machte am Donnerstag vormittag der Sachverständige Ulrich Arnold aus Castrop-Rauxel zu „Holzschutz in der Denkmalpflege“. Dank der technischen Holzschutzregeln, wie DIN 68800 oder die WTA-Merkblätter, lassen sich in erhaltungswerten Holzkonstruktionen Schädlinge bekämpfen und Schutzmaßnahmen ergreifen. Die Lösungen sollten möglichst reversibel sein, damit zukünftige Generationen die Möglichkeit haben, bessere Methoden anzuwenden. Es folgte der Sachverständige Ekkehard Flohr aus Dessau mit dem Thema „Biotische Schäden an Hänge- und Sprengwerken und deren Sanierung“. Er erläuterte den Unterschied der beiden Konstruktionen, die seiner Meinung nach selbst von Fachleuten häufig verwechselt werden. Sprengwerke finden sich größtenteils im Brückenbau und Hängewerke im Dachbau. Von daher stammten seine Sanierungsbeispiele vor allem aus Dächern mit Hängewerkskonstruktionen. Am Nachmittag stellte Dr. Tobias Huckfeldt vom Institut für Holzqualität und Holzschäden, Hamburg, aus der Welt der Mykoflora die holzzerstörenden Pilze vor.

Silke Sous stellte den neuen UBA- Schimmelpilzleitfaden vor, der im Laufe des Jahres erscheinen soll. (Quelle: Der Zimmermann)

Am Freitag fasste Silke Sous vom Aachener Institut für Bauschadensforschung das Wichtigste aus dem neuen UBA-Schimmelpilzleitfaden, der im Laufe des Jahres erscheinen soll, zusammen. Sie konzentrierte sich auf die Nutzungsklasse 4, der luftdicht oder diffusionsdicht abgeschottete Bauteile und Hohlräume zugeordnet werden. In dieser ist ein kompletter Rückbau von mit Schimmelpilz befallenen Bauteilen nicht unbedingt erforderlich, wenn sichergestellt ist, dass eine mikrobielle Belastung nicht in Aufenthaltsräume gelangen kann.

Aktuelles aus der Holzschutzforschung

Dr. Susanne Bollmus forscht zur Dauerhaftigkeit von Hölzern, mit denen perspektivisch Deutschlands Wälder bewirtschaftet werden könnten. (Quelle: Der Zimmermann)

Den Auftakt zu den Vorträgen aus der Forschung machte Dr. Susanne Bollmus von der Georg-August-Universität Göttingen mit der Untersuchung der Dauerhaftigkeit des Holzes von Metasequoia glyptostroboides (Urweltmammutbaum) und Chamaecyparis nootkatensis (Scheinzypresse). Aufgrund des Klimawandels wird es notwendig werden, den Wald mit angepassten Baumarten zu bewirtschaften. Dr. Robby Wegner verglich kesseldruckimprägnierte Produkte aus dem Baummarkt mit solchen mit RAL-Gütezeichen. Die Ergebnisse zeigten, dass das Sortiment aus den Fachmärkten die normativen Anforderungen an die Holzschutzmittel erfüllte, das aus den Baumärkten dagegen massive Mängel aufwies. Die fungizide Wirksamkeit von Meersalz untersucht Dr. Eckhard Melcher vom Thünen Institut für Holzforschung in Hamburg. Er fasste zusammen, dass einheimisches Kiefernrundholz gegen Ständerpilze nicht aber gegen Moderfäule und Bakterien mit Salz geschützt werden könnten. Ob Zement als Schutz von Holzpfählen taugt, erforscht Dr. Sebastian Hirschmüller von der Technischen Hochschule Rosenheim. Damit soll ermöglicht werden, Holz als tragende Gründungselemente, wie Ankernägel, zu nutzen. Reiner Klopfer und Wenchang Shi von der Technischen Universität Kaiserslautern stellten ihr Forschungsvorhaben zu Bauen mit Buchenholz aus dem Stamminneren vor und zeigten, dass Buche aus niedriger Qualität, verarbeitet zu Brettschichtholz, grundsätzlich zur Anwendung im Ingenieurholzbau geeignet ist. Natalie Rangno von der IHD Dresden referierte zu „Diagnostik von Hausfäulepilzen mit DANN-Makroarray-Technologie“.

Der Freitag morgen begann mit dem Vortrag von Prof. Dr. Christian Brischke von der Georg-August-Universität Göttingen zu „ Prüfmethoden der Feuchtebeständigkeit holzbasierter Materialien“, womit er den Blickwinkel auf den Einfluss der Feuchte auf die Klassifizierung der Dauerhaftigkeit richten möchte. Es folgte, zugeschaltet aus Schweden, Dr. Eva Frühwald Hansson von der Universität Lund/SE zu software-basierte Gebrauchsdauervorhersage von Holz. Wie bereits ihr Vorredner bezog sie sich dabei auf das europäische Projekt „Clickdesign“, das Leistungsbeschreibungen für Holzprodukte ermöglichen und für eine verlässliche Gebrauchsdauerplanung nutzbar machen soll.

Der Tagungsraum des IHD bot das perfekte Ambiente für die Veranstaltung. (Quelle: Der Zimmermann)

Wie aktive Schadinsekte mit visuellen und akustischen Verfahren zerstörungsfrei aufgespürt werden können, erläuterte Dr. Burkhard Plinke vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung aus Braunschweig. Dr. Wolfram Scheiding vom IHD Dresden, stellte den Stand von 20 Jahren Thermoholz in Europa vor und kam zu dem Schluss, dass thermisch modifiziertes Holz durchaus profitabel sei. Die Möglichkeit Verpackungsholz phytosanitär zu behandeln, zeigte Dr. Thomas Schröder vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Bonn, auf.

Holzschutz aus Sicht des Nachwuchses

Donnerstag Nachmittag stellten junge Wissenschaftler*innen von der Georg-August-Universität Göttingen ihre Arbeiten vor. Katarzyna Kurkowiak referierte zu „Holzschutz mit bio-basierten Chemikalien – Zitronensäure und Zuckeralkohole als vielversprechender Modifizierungsansatz“ und Lukas Emmerich zu „Holzschutz mit Textilvernetzern – Ergebnisse aus 20 Jahren Forschung“. Johannes Karthäusers Forschungsgebiet liegt auf „Identifikation und Anwendung kurzkettiger Ligninbausteine zur Holzmodifizierung“. Brendan Nicholas Marais stellte seine Arbeit zu „Dauerhaftigkeit im Erdkontakt – Einfluss von Feuchte, Temperatur und biologischer Bodenaktivität“ und Andreas Buschalsky seine zu „Dauerhaftigkeit von WPC – welche Rolle spielen Feuchte und Alterung?“ vor.

In seinem Schlusswort zog Dr. Wolfram Scheidung ein positives Resümee. Die Tagung vermittelte viele Fachinformationen und ermöglichte einen regen Austausch unter den Anwesenden. Es war zu deutlich spüren, dass der persönliche Kontakt nach der langen Coronapause allen wohltat.

zuletzt editiert am 19.05.2022