Sägewerksbesitzer Manuel Echtle, Sägewerk Echtle KG
Sägewerksbesitzer Manuel Echtle, Sägewerk Echtle KG. Foto: Manuel Echtle

Holzmangel

07. May 2021 | Teilen auf:

Statement: "Der derzeitige Schnittholzpreis wird enorm von Exportpreisen beeinflusst"

"Inzwischen hat das Ganze eine Eigendynamik bekommen, die die Situation nicht bessert. Der Preis wird sich meiner Meinung nach in der zweiten Jahreshälfte normalisieren, doch Holz wird eine andere Werthaltigkeit haben. Dadurch wird der Export uninteressanter und der Inlandsmarkt muss nicht mehr Angst haben an Unterversorgung zu leiden" schätzt der mittelständischen Sägewerksbesitzer Manuel Echtle, Sägewerk Echtle KG die Situation ein.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Verfügbarkeit von Holz und Holzwerkstoffen am Markt und die Perspektive der Preisentwicklung ein?

Deutschland produzierte laut statistischem Bundesamt 25 Millionen. cbm Schnittholz im Jahr 2020. 15 Mio. cbm wurden im eigenen Land verarbeitet, der Rest exportiert. 2020 wurden im Vergleich zu 2019 zwei Millionen cbm mehr Holz geschnitten, jedoch nur 0,7 Millionen cbm mehr exportiert. Das bedeutet, dass 1,3 Millionen ins Inland flossen.

Mit ein Grund ist auch, dass durch die Pandemie weder für Reisen noch für sonstige Dinge Geld ausgegeben werden konnte, sodass enorme Gelder für Hausneubauten oder Sanierungen ausgegeben wurden, die sich in der derzeitigen Holznachfrage widerspiegeln – und dies weltweit. Der derzeitige Schnittholzpreis wird enorm von Exportpreisen beeinflusst. Für die Holzbaubetriebe und den Zimmerer eine sicher nicht einfache Situation. Doch inzwischen hat das Ganze eine Eigendynamik bekommen, die die Situation nicht bessert. Der Preis wird sich meiner Meinung nach in der zweiten Jahreshälfte normalisieren, doch Holz wird eine andere Werthaltigkeit haben. Dadurch wird der Export uninteressanter und der Inlandsmarkt muss nicht mehr Angst haben an Unterversorgung zu leiden.

Deutschland hat die glückliche Lage, nicht um eine Schnittholzversorgung bangen zu müssen, wie man aus den Zahlen ersehen kann. Zum anderen ist in den letzten drei Jahrzehnten auch ein Produktwandel erfolgt. Weg vom normalen nassen Bauholz, hin zum KVH [Konstruktionsvollholz] oder Leimholz. Die Sägeindustrie in Baden- Württemberg hat es nicht geschafft, die Umstellung mit zu gehen und daher sind die Holzbauer auf externe Lieferanten angewiesen. Hier bedarf es dringend mehr Wertschöpfung im eigenen Bundesland. Zum anderen ist eine engere Lieferenten-Kundenbeziehung wieder wichtig. Dies zeigt sich gerade jetzt. Viele haben ihr Schnittholz über den Preis gekauft. Das Holz kam von “Überall” und dies rächt sich jetzt. Holz der kurzen Wege wird Bedeutung gewinnen.

Große Mengen an Rundholz werden aktuell nach China und auf den amerikanischen Kontinent exportiert. Warum ist das so? Kommen die Sägewerke dadurch an ihre Leistungsgrenze?

Die Mengen Rundholz, die exportiert wurden, hätte die Sägeindustrie gar nicht aufnehmen können. Wir hatten 2020 80 Mio. fm Rundholz (meist Kalamitätsholz) zur Verfügung. Deutschland verarbeitet nur ca. 40 Mio. fm. Die Versorgung der deutschen Sägewerke ist derzeit gut. Immer noch bedingt durch die Trockenschäden kommen nachhaltig Hölzer aus angeschlagenen Waldbeständen.

Mit der Forstreform darf das Land seit 2020 das Holz aus Privat- und Kommunalwald nicht mehr direkt vermarkten. Wie wirkt sich das auf die Verfügbarkeit des Holzes aus?

Dies hat bisher im Schwarzwald keine Auswirkungen auf die Verfügbarkeit, doch der Aufwand und die Verwaltungskosten haben zugenommen. Es kann sein, dass wegen einer LKW Ladung Rundholz mit drei verschiedenen Waldbesitzarten drei Mal der gleiche Waldweg aufgesucht werden muss. Wichtig ist, dass trotz der dezentralen Strukturen der Waldbesitz gute Beratung und Betreuung findet. In den kommenden Jahren, in denen Holz einen bedeutenderen Stellenwert erlangt, darf die Verfügbarkeit und die Holzkette dadurch keine Nachteile erfahren. Wie die Zahlen es zeigen, ist Rundholz nachhaltig in Baden-Württemberg ausreichend vorhanden, um den Bedarf zu decken.